Freitag, 26. Januar 2024

Was für ein unbeschreiblicher Luxus

 So empfand ich das gestrige Bettenbeziehen, das Wissen, es einfach tun zu können, ohne sich Gedanken übers Waschen und Trocknen machen zu müssen, denn das war bei mir ja nicht immer so.

In jungen Jahren lebte ich ein Jahr lang mit meinem damaligen Freund zusammen, man kann es sich heute kaum noch vorstellen, aber damals gab es tatsächlich noch Kriegsruinen, die jahrzehntelang einfach sich selbst überlassen wurden, weil sich niemand darum kümmerte.

Neben einer solchen wohnten wir, in einem Haus ohne jegliche Heizung und auch eine Waschmaschine konnten wir uns nicht leisten, ich selbst war ja noch in der Ausbildung.

Die Wäsche stampfte ich mit einem Schrubberstiel in der Badewanne durch in Wasser, das zum Glück fast kochend heiß aus dem Gasdurchlauferhitzer strömte.

Immer nur kleine Ladungen, denn ich hatte keine andere Möglichkeit, als das nasse Zeugs erst mal über der Wanne abtropfen zu lassen, bevor es auf einen Ständer wanderte, und etwas angenehmer wurde es erst, als ich von jemandem eine ausrangierte Wäscheschleuder bekam. 

In Stuttgart wurde es noch schwieriger, denn da hatte ich die ersten vier Monate ja nicht mal ein Bad, sondern nur eine Duschkabine mitten im möblierten Zimmer, das Klo befand sich außerhalb eine halbe Treppe höher.

Auch das ging irgendwie, doch als ich dann in ein Ein-Zimmer-Apartment wechselte, empfand ich es als riesigen Fortschritt, dass es im Keller eine Gemeinschaftswaschmaschine gab, für deren Betrieb man beim Vermieter Münzen kaufen musste.

Gemeinsam mit meiner Freundin W. wusch ich, die ich in die Nachbarwohnung nachgeholt hatte, denn keiner von uns hätte allein die Maschine vollbekommen, weil uns mit nur einem Zimmer der Platz fehlte, Schmutzwäsche zu sammeln, selbst wenn wir das gewollt hätten.

Dann vergrößerte ich mich auf meine schnuckelige Dachwohnung und werde nie das Glücksgefühl vergessen, das mich überkam, als ich mir endlich die erste eigene Maschine kaufen und sie im Bad aufstellen konnte.

So unschön solche Erfahrungen auch sind, wenn man mittendrinsteckt, so sehr helfen sie einem dann doch, wenn mal eine Saure-Gurken-Zeit kommt, so wie wir sie bis zum 6. Dezember erlebten. Man ist schlicht geübt im Improvisieren, was ich ja ständig tun musste, als wir nicht nur ohne Heizung, sondern dann auch noch kurz ohne Waschmaschine dasaßen.

Hätte man mir von Anfang an alles in den Allerwertesten geschoben, wäre ich vermutlich deutlich schlechter damit klargekommen.

Mit diesen Gedanken versüßte ich mir das Abmühen mit Matratzen, Spannbetttüchern & Co und als ich endlich fertig war und die Waschmaschine in Gang setzte, war ich strahlender Laune, die dann allerdings einen mächtigen Dämpfer erhielt, als F. mir zwei Briefe vorlegte, die er soeben aus dem Briefkasten gefischt hatte.

Zweimal E.ON und beim ersten war ich noch recht zufrieden, es war halt die Bestätigung für den neuen Stromvertrag, zusätzlich zum virtuellen noch einmal in Papierform, doch beim zweiten packte mich dann der heilige Zorn, denn es handelte sich um einen weiteren Stromvertrag, anderer Preis und andere Kundennummer, aber eindeutig auf meinen Namen lautend, der eine sollte ab Mitte Januar laufen, der andere ab 2.2. 😲

Was sollte das denn? Wollten die mir nach dem ganzen Durcheinander nun tatsächlich zwei Abnahmeverträge parallel zueinander aufs Auge drücken? 😲😲😲

Grrr, mir gegenüber saß ein schon recht angespannter F., der ja etwas später zu seinem Termin beim Lungen-Doc losmusste, nun noch schnell zu Mittag aß, mir ständig in meine Gedanken hineinquatschte und mit Argusaugen beobachtete, was ich nun unternehmen würde - nicht eben förderlich, um Ordnung in das Chaos zu bringen.

Was sollte ich tun?

Anrufen, um dann vielleicht wieder im Kosovo oder sonstwo zu landen?

Nach meinen bisherigen Erfahrungen hielt ich es für fast aussichtlos, dieses schreckliche Durcheinander einer dortigen Mitarbeiterin erklären zu können, also sollte ich es vielleicht besser per Chat versuchen?

Na toll, dort begrüßte mich ein ChatBot und als ich ihm schrieb, dass ich dringend einen echten Menschen als Gesprächspartner benötigte, antwortete er, das habe er leider nicht verstanden.

Mit einem freundlichen "du Dussel" beendete ich die Sache und hängte mich dann doch an die Strippe.

Ca. 10 Minuten musste ich viel zu lauter Musik lauschen, dann endlich hörte ich eine Frauenstimme, doch schon bei den ersten Worten sank mir das Herz in die Hose, denn sie hatte einen überaus starken slawischen Akzent und die vielen gewaltig gerollten "Rs" ließen mich an ein Donnergrollen denken.

Weia, das sollte ja was werden, doch schon kurz darauf stieg meine Laune wieder, denn tatsächlich verstand sie jedes Wort, das ich sagte, und sprach auch selber fließend Deutsch, nur eben mit diesem starken Akzent.

Prima, sogar das Wort "Kuddelmuddel" brachte sie von sich aus ins Spiel, erkannte sofort, dass da einiges schiefgelaufen war, und meinte, es hätte absolut keinen Sinn, das jetzt alles noch mal nachvollziehen zu wollen, dafür sei zu viel vermurkst worden, aber sie konnte eindeutig feststellen, dass der erste Vertrag mit Inkrafttreten des zweiten automatisch enden würde, d.h. bei der nächsten Jahresabrechnung wird wie schon bei der letzten keiner durchblicken können, aber Fakt ist, dass ich ab Februar die etwas günstigeren Konditonen haben werde, die ich mir selbst im Internet herausgesucht hatte, ohne über meinen Account zu gehen, da Bestandskunden ja in aller Regel benachteiligt werden.

Etwas höherer Grundpreis, dafür ist die Kilowattstunde günstiger, wie ich selbst sah auch sie es so, dass ich dadurch am Ende sparen würde.

Wie schön wäre es, träfe man immer auf solch kompetente und intelligente Mitarbeiter ... 


Dann machte sich F. auf den Weg und kam drei Stunden später in allerbester Stimmung zurück, das sei eine ganz lustige Truppe von 7 Leuten gewesen, die der Doc gemeinsam zur COPD-Schulung geladen hatte.

Sie hätten viel gelacht und nun muss ich gleich los, das Rezept für einen "Peak Flow Meter" einlösen, mit dem er künftig seine Ausatmunngsmenge täglich selber messen soll.

Eine gute Sache, denke ich, denn hoffentlich wird ihn das dazu bringen, mehr für sich zu tun, sich mehr zu bewegen und mehr Übungen zu machen, statt ständig nur vor PC oder TV zu hocken.


Also allet fein, so darf es weitergehen ... 😊


Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉

6 Kommentare:

  1. Total nervig mit E.ON, aber immerhin mit einem günstigeren Tarif für euch, liebe Rex-Mama. Eigentlich hätte ich erwartet, dass der erste Vertrag gilt ;-) ... Es gibt immer Überraschungen, so heute für mich, weil meine Krankenkasse um knapp 2 € billiger geworden ist. Warum auch immer, wo doch überall die Beiträge steigen.

    Ha, waschen ohne Waschmaschine kenne ich natürlich auch, sowohl aus meiner Zeit mit der ersten eigenen Bude als auch aus den Zeiten, als wir monatelang mit dem Wohnmobil unterwegs waren. Rückblickend sehe ich es ungewöhnlicher als damals, als die Situation eben so war, aber ohne Waschmaschine hätte ich mit zwei Wickelkindern wirklich nicht sein wollen - oder ich hätte mich doch für Wegwerfwindeln entschieden.

    Alles Gute für F. und seine Atem-Übungen! Das sind doch erfreuliche Aussichten.

    Lieben Gruß :-)

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    1. Das ist ja ein Ding, liebe Hermine, denn bei uns ist der Beitrag für die Krankenkasse natürlich gestiegen.
      An sich wasche ich auch heute noch so einiges mit der Hand, Feines oder weil die Farbe nirgendwo passt, aber bei Bettwäsche, Handtüchern und Jeans bin ich doch wirklich froh über die moderne Technik, die meine Mutter übrigens auch noch nicht hatte im Haus meines Opas, als mein Bruder und ich noch klein waren.
      Später erzählte sie oft, dass sie eine Nacht in der Woche durchgearbeitet habe wegen der Wäsche.

      Lieben Gruß zurück und einen schönen Abend dir! :-)

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  2. Nun ja, das ist eben Scheiße hoch 3 ! Da wird man auch noch beim Telefonieren abgezockt. Ich bin jetzt mal gespannt, wie es bei mir ausschaut, wenn meine neue Stromlieferung beginnt.. Ich werde immer mal darüber berichten. Eine Dusche gab es bei uns - im Haus - meines Großvaters NICHT !! Samstags wurde der Ofen im Bad mmit Holzscheite und Briketts gefüttert, damit gebadet werden konnte.Und warmes Wasser zur Verfügung stand. Lange Zeit stand uns nur ein Plums-Klo zur Verfügung. das werde ich nicht so schnell vergessen. Heute alles unvorstellbar.

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    1. Das Problem ist, dass die Versorger inzwischen so viele Vertrags- und Preisvarianten haben, dass die Mitarbeiter selber nicht mehr durchblicken.
      Wie sehen denn Kilowattstunden- und Grundpreis bei deinem neuen Anbieter aus?
      Das Haus deines Großvaters hatte sogar schon ein Bad?
      Einen solchen Raum gabs bei meiner Oma nicht, da wurde die Zinkwanne samstags im Keller in der Waschküche aufgebaut und das Plumpsklo gabs natürlich auch.
      Erstaunlich, dass wir das alle überleben konnten, und das sogar noch ganz ohne Handy, nicht wahr? -😁

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  3. Hallo, Liebe "Rex-Mama!"

    Zuerst einmal freue ich mich für "F" und dich, dass es "F" recht gut geht.
    Ich hoffe, es tut ihm gut unter Menschen zu sein, so wie ich das sehe, geht "F" ja nicht so viel aus?

    Mal sehen, ob er wirklich nun (noch) mehr für seine Gesundheit tut. So eine gute Gruppe um sich kann einen einen Schub geben.

    Deine Stuttgarter Geschichten sind immer etwas Besonderes?
    Jedes Mal gehe ich dann heraus, was für eine glückliche, wunderbare Zeit, wenn es auch das ein oder andere Problem zu überwinden gab, das gewesen sein muss.

    Das mit den Verträgen ist einmal mehr der Hammer.
    Wie kann das sein? - Dass man so leicht in eine Anbieterfalle geraten kann, wenn man nicht nachtelefoniert.

    Ich überlege gerade, ob ich nicht alle Verträge von der "Rex-Mama" überprüfen lassen sollte, ich wüsste zumindest sicher, dass niemand in der Lage wäre, mich übers Ohr zu hauen oder ich was Falsches untergejubelt bekomme;)



    Liebe - 2024 verläuft insgesamt besser als erwartet - Grüße
    Vom lifeminder

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    1. Stimmt, lieber lifeminder, F. hat sich zu einem ziemlichen Stubenhocker entwickelt und vermutlich war das gestern ein regelrechter Kulturschock für ihn, mit so vielen Menschen zusammen zu sein. 🤣
      Die anderen Patienten wird er nicht wiedersehen, und bis jetzt merke ich auch noch nichts davon, dass er nun endlich wieder seinen "Blubber" benutzen oder sich mehr bewegen würde.
      Abwarten, ob das Messgerät ihn dann mehr motiviert.

      Bei deinen letzten Sätzen musste ich lachen, denn tatsächlich kam es schon mehrere Male vor, dass F. der Telekom oder anderen in die Falle ging, die ihm am Telefon angebliche Verbesserungen aufschwatzen wollten.
      Man muss wirklich überall arg aufpassen und vor allem sollte man seine Verträge regelmäßig überprüfen, denn meist kann man wirklich einiges einsparen, wenn man mal nachhakt.

      Liebe Warten-wir's-mal-ab-Grüße zurück! :-)

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