Samstag, 28. Februar 2026

Es zerreißt mir das Herz

 Nach der ganzen Hektik gestern war ich endlich so weit durch mit allem, dass ich am späten Nachmittag anfing, mich auf A.s Joghurtsuppe zu freuen und  ... auf ein anschließendes Nickerchen, denn ich fühlte mich stehend k.o.

Doch ausgerechnet dann verlangte F. seinen Stuhl und obwohl ich ja an alles, was das für mich bedeutet, inzwischen gewöhnt bin, verdarb mir das erst mal den Appetit, also verschob ich das  Essen auf später und gab Rex an der Tür zur Speisekammer erst mal sein Lieblingsleckerli.

Nanu, dachte ich noch, als er damit verschwand, was läuft er denn so komisch, vergaß es aber auch gleich wieder, weil F. nach mir rief, irgendetwas benötigte.

Ich sprang, versorgte ihn außerdem mit einem süßen Stückle und dem Rest Kaffee aus der Thermoskanne, dann ließ ich mich vor dem Läppi nieder, bekam aus dem Augenwinkel mit, dass Rex zu F. an den  Sessel kam und fuhr erst erschreckt hoch, als F. sagte: "Irgendwas stimmt mit dem nicht ..."

Ich nahm ihn mit mir ins hellere Ess-/Arbeitszimmer und nun sah ich es auch ganz bewusst, der arme Bub war völlig wackelig auf den Beinen, stakste breitbeinig herum, hatte Mühe, sich zu halten. 

Du liebe Zeit, auch den Kopf hielt er nun leicht schräg, die klassischen Symptome für einen Schlaganfall beim Hund, die ich auch bei Püppi schon erlebte, nur dass sie  einige Jahre älter war.

Ausgerechnet freitagnachmittags ... und es ist ein Drama, dass mein Tierheilpraktiker durch die  überzogenen Coronamaßnahmen in den Ruin getrieben wurde und nun nicht mehr zur Verfügung steht, denn bei Püppi damals kam er sofort ins Haus und half uns.

Nun aber stehe ich allein da und konnte erst mal gar nichts tun als beobachten. Sein Zahnfleisch kontrollierte ich, das war schön durchblutetund die Nase kalt, wie sie soll, also holte ich einen langen Schal, band ihm den um den Bauch - auch eine alte Püppierfahrung -, konnte ihn somit beim Gehen etwas unterstützen und sorgte dann dafür, dass er sich auf sein Bett legte.

Völlig entspannt wirkte er, Schmerzen hatte er mit  ziemlicher Sicherheit keine, auch die Augen wirkten wach und interessiert, also ließ ich ihn sich einfach entspannen.  

Let's Dance?

Nein, der Anfang lief zwar, aber ich achtete gar nicht darauf, googelte mir stattdessen die Finger wund, wie es nun weitergehen könnte.

Eine Nachbarin, mit der  ich mich neulich auf dem Weg zum Einkaufen lange unterhalten hatte, erzählte, dass sie die Firma Rosengarten mit der Einäscherung ihres im November verstorbenen Hundes beauftragt hatten, die ihn auch zu Hause  abholten, ganz wichtig zu wissen, denn selber sind  wir ja im Moment nicht mobil.

Dann fand ich auch einen Tierarzt, der ins Haus kommt, sollte es hart auf hart kommen und man keinen anderen Weg mehr sehen, als sein geliebtes Tier den Gang über die Regenbogenbrücke antreten zu lassen, und natürlich besprach ich das alles auch gleich mit meinem zutiefst erschütterten F.

Damals bei Püppi  hat er das alles nur am Rande mitbekommen, musste ja arbeiten und versuchte sich vor allem Schmerzlichen irgendwie zu drücken, mehr oder weniger verbrachte  ich diese letzte und in ihrem Falle sehr  lange  Phase des Abschiednehmens allein mit ihr, vor allem war es auch ich, in deren Armen sie einschlief.

Rex ist etwa 14, für einen Schäferhund an sich schon ein stattliches Alter und ein womöglich längeres Siechtum werde ich ihm ersparen, auf der anderen Seite  aber natürlich auch keine vorschnellen Entschlüsse  treffen.

Und es ist schon sehr seltsam: Püppi  kam damals wieder etwas auf die Beine, nachdem ich mit ihr in trauter Zweisamkeit (F. war in Stuttgart) über den drohenden Abschied gesprochen hatte, und mit Rex geschah heute früh Vergleichbares.

Die Nacht blieb fast ruhig, ich lag ja auf meiner Pritsche gleich um die Ecke, döste mehr, als dass ich schlief, und so stand ich auch gleich auf, als ich Rex sich rühren hörte. Er wollte nur seine Position verändern, was auch gelang, also legte ich mich wieder hin, auf der anderen Seite auch immer mit einem halben Auge bei F., der unter seiner  Maske auf dem Sofa lag.

Als ich in der Früh mit F. das unangenehme Gespräch führte über das, was am Ende auf jeden Fall kommen wird, wurde Rex höbar unruhig, so als hätte er jedes Wort verstanden und wollte mir nun wie Püppi damals zeigen, dass er durchaus noch leben will, und ich musste alles gleichzeitig machen, F. versorgen und mich um den nächsten Kranken kümmern.

Es gelang mir, Bubi sein Geschirr anzuziehen, so konnte ich an zwei Enden anpacken, denn der Schal war ja auch noch um seinen Bauch gebunden, wobei Letzteres bei Weibchen eindeutig besser geht als bei Rüden, weil das Pipimännchen immer im Weg ist.

Dann wollte er in den Garten, zunächst half ich ihm, merkte dann  aber, dass er wieder allein gehen konnte, wenn auch immer noch sehr  breitbeinig und wackelig, und vom Schal befreite ich ihn dann wieder, damit er ungestört Pipi machen konnte. 

Dann stakste er auf  dem Rasen herum und  ... begann sich zu übergeben, quittegelb, das Gleiche einen Moment später noch einmal und eben erneut.

Gift ist natürlich auch immer  etwas, über das man nachdenken muss. Immer wieder warnen Hundehalter in unserer Gegend vor Giftködern und ausgeschlossen ist es nicht, dass ein Hundehasser so etwas auch über die Hecke werfen könnte. 

Rex wirkte jetzt etwas munterer und als er auf der Straße einen Artgenossen hörte, kam er tatsächlich in die Gänge, marschierte ziemlich schnell zu seinem Aussichtspunkt und stellte sich dort sogar hoch wie eh und je.

Weil ich ihm in diese Ecke folgte, entdeckte ich dann  eine leere Schnapsflasche, die irgendein Depp in den Garten warf. Einen Moment lang hatte ich die Hoffnung, mein Büble könnte vielleicht einen Rausch haben, aber dann sah ich, dass die Pulle zugeschraubt war, also war er nicht besoffen.

Inzwischen habe ich auch F. gebadet, ging  alle paar Minuten nach Rex schauen. Er ist an allem interessiert, kommt mir etwas stabiler vor, wenn auch immer noch unsicher auf  den Beinen, und so bleibt mir jetzt nur abzuwarten und inständigst darauf zu hoffen, dass er sich vielleicht doch noch einmal bekrabbelt.

Und eines steht fest, es ist für F. und mich eine  Horrorvorstellung, irgendwann (in mehr als absehbarer Zeit) ganz ohne Hund leben zu müssen, denn Rex wird auf keinen Fall einen Nachfolger bekommen, weil ich mich ja ganz einfach nicht zerreißen kann und mit F.s Pflege alle Hände voll zu tun habe. 

Wenn mich jemand fragen würde, würde ich mich jetzt am liebsten heulend in eine Ecke verziehen und meine vielen Wunden ausgiebig lecken, aber ... mich fragt ja keiner, vor allem das Leben fragt nicht danach, also Ohren anlegen und durch ... irgendwie. 😢

 

Habt wenigstens ihr einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund!