Um viertel vor zehn stieg ich in der Nachbarstadt aus dem Bus und kontrollierte sofort die nähere Umgebung auf ihre Rollstuhltauglichkeit.
Es handelt sich um eine Art Busbahnhof mit etlichen Buchten, zwischen denen sich zum Ein- und Aussteigen erhöhte Inseln befinden, und an dem Ende, wo wir hinmüssen, ist der Bürgersteig leider nicht abgesenkt, mit Rollator ist die Stufe zu schaffen, mit dem Rollstuhl aber nicht, d.h. wenn er ihn wirklich brauchen sollte, müsste ich F. bis ans andere Ende zu den Ampeln rollen, wo wir hinüberkämen, dafür ist dann aber der Rest wirklich ein Klacks.
Schätzungsweise sind es nicht mehr als 25 Meter bis zum Ärztehaus, in dem sich auch die kardiologische Gemeinschaftspraxis befindet. Unten geht es ohne Stufe hinein und direkt zum Aufzug.
Im zweiten Stock angekommen öffnete ich die Tür und sah mich zwei jungen Damen hinter einem Tresen gegenüber, zu denen ich nach der Begrüßung sagte: "Ich wollte mal hören, ob Sie für meinen Mann womöglich einen Termin haben ... ", erklärte dann kurz, worum es ging.
Im ersten Moment wurde mir janz blümerant zumute, als sie eine die andere irgendwie schief angrinste, denn immer wieder höre ich, dass man auf einen Kardiologietermin mitunter ein ganzes Jahr lang warten muss.
Weia, würden die mir nun Ähnliches sagen?
Nein, taten sie nicht, denn als ich weiter ausführte, dass die Stents sozusagen Weihnachtsgeschenke waren und die erste Kontrolle im April im KH stattfand, entspannten sich ihre Gesichter zusehends und die eine meinte: "Das kriegen wir hin."
"Das wäre ja wunderbar", sagte ich und prompt gab sie mir einen Termin für den 6. April 2027.
"Super", freute ich mich, woraufhin sie meinte, ja, es sei wirklich Grund zur Freude, denn zurzeit sei es allgemein tatsächlich fast unmöglich, an eine Kardiologie heranzukommen.
"Ich weiß", antwortete ich trocken, "deshalb hatte ich auch ordentlich Schiss, was Sie mir nun sagen würden."
Woraufhin beide, nein, wir alle drei in Lachen ausbrachen.
Bei meinen Ausführungen hatte ich auch den Rollstuhl kurz erwähnt gehabt, was die beiden sofort aufhorchen ließ: "Mach dafür ne Notiz, falls mal der Fahrstuhl ausfallen sollte ..."
"Ja", mischte ich mich ein, "es wäre wirklich prima, wenn sie mich in diesem Falle rechtzeitig anrufen könnten, denn so hätte es ja keinen Sinn, wobei ich aber darauf hoffe, dass mein Mann den Weg bis dahin mit dem Rollator packen kann."
Und schon waren wir in einem kurzen Gespräch über das, was F. widerfuhr - sie waren sich einig, so etwas wünscht man keinem, und nahmen richtig erfreut Anteil, als ich erzählte, was alles er nun schon wieder alleine kann und dass sein Köppken so prima funktioniert.
Letzteres auch für mich immer wieder Grund zu echter Begeisterung, wenn ich daran zurückdenke, wie wenig es anfänglich so kurz nach dem Koma danach aussah. (Toitoitoi ...)
Richtig wohl fühlte ich mich in dieser Praxis und verließ sie mit entsprechend gutem Gefühl, um mich dann noch ins City-Gewühle zu stürzen, bis mein großer Henkel-Sack am Ende so dick und schwer an meiner Schulter hing, dass ich mich fühlte wie Nikolaus on Tour. 😀
Aber prima gelaufen alles, sogar die ersten Weihnachtsgeschenke für F. konnte ich nach meiner Heimkehr im Schrank verstecken, muss nur aufpassen, dass ich sie nicht mit den Geburtstagsgeschenken verwechsle. 😅
So, unnu muss ich hier ganz hurtig etwas tun, das kommt davon, wenn man den ganzen Morgen auf Zwutschi geht ... 😁
Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉