Mittwoch, 24. Juni 2026

Rundumschlag

 Den hab ich wahrlich hinbekommen und wieder erhob ich mich dafür sehr zeitig von meiner Pritsche.

Bis sieben Uhr war Rex draußen gewesen, die Betten umgebaut, der Kaffee dampfte, auch wenn ich selber noch keinen bekam, die erste Umfrage war erledigt und beide Buben hatten gefrühstückt, so dass ich mich dann in Ruhe fertigmachen konnte, um um Punkt acht Uhr beim Zahnarzt vor der Tür zu stehen.

Befürchtet hatte ich, dass man mir lediglich einen Termin geben würde, der bei mir frühstens ab nächsten Mittwoch möglich gewesen wäre, aber ich hatte Glück, der Doc selber empfing mich und nahm mich gleich mit in einen der beiden Behandlungsräume, mitsamt meinem Trolley. 😁

Wieder einmal war er im Handeln schneller als im Sprechen, denn bevor ich noch einen Piep sagen konnte, hatte er mir schon die Spritze in den Unterkiefer gejagt. Tatsächlich hätte ich lieber bissl Aua in Kauf genommen, um nicht mit tauben Lippen den Mitarbeiterinnen des Lungenfacharztes einen vorlallen zu müssen, aber nun war es schon passiert und während er kurz nach nebenan verschwand, um auf die Wirkung zu warten, unterhielt ich mich mit seiner Helferin, genau über das Ärztehaus, in das ich ja anschließend weitermusste.

Ihr vertrauter Hals-Nasen-Ohrenarzt sei gar nicht mehr dort, jammerte sie, es sei arg, wie schnell sich alles verändere.

"Das können Sie laut sagen", grinste ich, so gut es noch ging, "meine Frauenärztin befindet sich ebenfalls dort, aber neuerdings sind sie, ihre Mitarbeiter und auch die meisten Patientinnen streng verschleiert.

In diesem Moment kam der Doc zurück und hakte sofort beim Thema ein, während er begann, den abgebrochenen Zahn wieder aufzubauen.

Er sei am Wochenende mit Sohn und kleiner Enkelin in Gelsenkirchen gewesen, erzählte er, Ersterer habe dort eine Veranstaltung besucht und er währenddessen die Kleine gehütet.

Dabei seien sie auch auf einem Spielplatz gelandet, der gut besucht war. Mindestens 25 Kinder seien dort gewesen und da er weiß, wie offen seine Enkelin auf andere zugeht, um Spielkameraden zu finden, habe er sich schon auf gemütliche Pause auf einer Bank gefreut.

Doch dann ging alles schief, denn sie fand absolut keinen Anschluss. Aus Sprache und Kleidung  der Mütter habe er geschlossen, dass die eine Gruppe russisch/ukrainisch war, die zweite südosteupräisch, die dritte arabisch.

Die Gruppen spielten getrennt voneinander und als die Kleine ihr Glück bei den Russen bzw. Ukrainern (er war sich nicht ganz sicher) versuchte, wurde sie sofort gefragt, ob sie deutsch sei. Wenn ja, solle sie zu den Rumänen gehen, doch diese wollten sie auch nicht haben und die dritte "schickte sie wiederum zu den Russen, dort passe sie besser hin." 😮🙄

Knallhart, die jungen Herrschaften, und das Ende vom Lied war, dass Oppa dann selber mit der Enkelin auf den Geräten herumturnen musste, alle anderen hatten sie ausgeschlossen, obwohl sie ja sehr integrationswillig gewesen war. 

Es sei alles in Ordnung so, meinte er dann, wir alle seien ja schließlich Menschen, er hoffe nur, dass "die" sich dann auch um die ordentliche Zahlung seiner Rente kümmern würden. 

Ich selbst konnte wie immer die ganze Zeit nix dazu sagen, saß ja wieder mal mit Maulsperre da, aber als dann alles fertig war und ich mich aus dem Stuhl erhob, sagte ich:

"Genau, nun isses, wie es ist, und im Grunde kann man die ganze Entwicklung ja mit zwei Zitaten abdecken, nämlich 'Kalkutta' von Scholl-Latour und 'Ich freue mich darauf" von Göring-Eckardt ..."

"Jo", stimmte er mir lachend zu, "damit ist wirklich alles gesagt." 

Nun musste ich hurtig weiter zur Lungenpraxis, leider durch die auch so früh schon knallende Sonne, klärte die Mitarbeiterinnen gleich auf, dass mein komisches Reden nicht etwa vom heimlichen Suff käme 😁, und stellte dann fest, dass meine Vorgehensweise genau richtig war, denn kurz hatte ich ja überlegt gehabt, ob ich denen diesen Repeztwunsch von ResMed nicht auch telefonisch durchgeben könnte?

Nee, das hätte nicht funktioniert, die mussten das mit allen Daten schwarz auf weiß sehen und es auch erst mit dem Chef besprechen, denn einen solchen Fall hatten sie noch nie gehabt.

Wobei ich aber richtig happy war, dass ich die netteste der Damen erwischt hatte. Zunächst verstand sie nicht, dass F. das Gerät ja schon ein halbes Jahr zu Hause hat, dann aber sah sie sich seine Geschichte im PC näher an, während ich erklärte.

"Mein Gott", entfuhr es ihr, als ihr sein wirklich heftiger Leidensweg bewusst wurde, der ja zunächst vom künstlichen Koma im Luftröhrenschnitt und der Unfähigkeit zum Sprechen endete, und ich gab ihr weiter, was die im KH damals zu mir sagten, dass nämlich dieses Beatmungsgerät hoffentlich künftige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden hilft. 

Immer wieder ging es um das Zuviel an CO2 in seinem Körper, auf das die in den Notaufnahmen nun schon zwei Mal  mit Beatmung reagierten, und damit auch mit künstlichem Koma.

Jedes Mal hat ihn das erheblich zurückgeworfen, diesmal natürlich besonders schlimm und so wird der Doc die Notwendigkeit des Rezeptes nun sicher einsehen. Hoffe ich zumindest sehr ..., zumal ich weiß, dass auch er kein Freund dieses Beatmungs-Wahnes ist. 

Da ich ja ab und zu nicht ganz unclever bin *fröhlich pfeif*, hatte ich sicherheitshalber den Freiumschlag von ResMed mitgenommen, auch bereits eine Kopie der Zuzahlungs-Befreiungskarte hineingepackt, um weiteres Hin und Her zu vermeiden, und nun geschah das Beste, was mir passieren konnte, denn die Dame sah den Umschlag, meinte, ich könne ihn ihr dalassen, sie würde sich dann ums Absenden kümmern, sobald sie das Rezept habe. 

Hach, knutschen hätt ick ihr können, immerhin ein Weg bleibt mir so erspart und zum Glück kamen wir noch auf nächste Woche zu sprechen und den Quartalsanfang, denn nun erfuhr ich, dass die Praxis von Mittwoch bis Freitag geschlossen sein wird, was mir einen weiteren überflüssigen Weg erspart, wäre ich doch sonst am Mittwoch vor verschlossener Tür gestanden. 

Von dort dann weiter zu Rossmann und Aldi - eigentlich hatte ich bei meinem Einkauf am Montag nur vergessen gehabt, Bons zum Handyaufladen mitzunehmen, doch trotzdem wurde der Trolley noch einmal randvoll, u.a. mit einer dicken Wassermelone und das nächste Geburtstagsgeschenk für F. besorgte ich auch gleich, nämlich die In-Ear-Kopfhörer von Rossmann.

Zwar hat er erst im September Geburtstag, aber ich hasse es ja, auf den letzten Drücker loszurennen, womöglich auch noch planlos, und dann irgendeinen Mist zu kaufen, Hauptsache, man hat was.

Da lieber beizeiten Gedanken machen über Dinge, von denen man genau weiß, dass sie ihn wirklich freuen werden, und das dürfte mir damit spielend gelingen. 😊

Soooo, und nun habe ich - frei nach dem Motto, was geht mich denn mein dummes Geschwätz von gestern an? - doch den Turmventilator von oben runtergeschleppt und siehe da, er stört gar nicht mal so sehr, und nun haben wir es hier deutlich angenehmer als die letzten Tage.

 

Macht es euch ebenfalls irgendwie erträglich und ... bleibt bitte gesund! 😉