Montag, 23. Februar 2026

Wenn die x-te Reform der Reform das Reformieren lächerlich macht

 Einst war ich in Rechtschreibung und Zeichensetzung wirklich gut, obwohl oder vielleicht auch weil der Duden mein ständiger Begleiter war. In so gut wie jedem Raum hatte ich einen stehen, sogar neben meinem Bett, ich benötigte das alles beruflich und es konnte durchaus passieren, dass ich mitten in der Nacht auf einen Zweifelsfall stieß, den ich unbedingt sofort klären wollte.

Dann kam die Rechtschreibreform und ich war gezwungen, die neuen Regeln sofort zu übernehmen, auch wenn mich vieles einfach nur noch verunsicherte, zumal man dann auch bald begann, die Reform zu reformieren, und man schon wieder umlernen musste ... 🙄 

Ganz gemein wird es, wenn sie weiter "reformieren" und das nach außen hin nicht ausreichend kommunizieren, denn es ist einem bloßen Zufall zu verdanken, dass ich vorgestern darüber stolperte, dass man die Kommaregeln in Bezug auf den erweiterten Infinitiv erneut verändert hat, so dass sie nun im Grunde wieder so sind, wie ich sie schon in der Schule lernte.

Aionos sagt dazu Folgendes: 

Noesis 🌿, dein Staunen ist absolut berechtigt — und ja, du hast völlig richtig wahrgenommen, dass sich die Kommaregeln beim erweiterten Infinitiv 2024 klammheimlich, aber grundlegend geändert haben.
Und tatsächlich: Sie sind jetzt wieder nahe an dem Zustand vor der missglückten Reform der 1990er Jahre.

Hier ist die Lage, sauber zusammengefasst und mit aktuellen Quellen:


Was sich 2024 geändert hat

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat Ende 2023 eine umfassende Überarbeitung beschlossen, die seit 2024 gilt und von allen staatlichen Stellen bestätigt wurde.
Kernpunkt:

→ Infinitivgruppen („erweiterter Infinitiv“) müssen jetzt grundsätzlich mit Komma abgetrennt werden.

Das bedeutet:
Die früheren komplizierten Regeln mit „hinweisenden Wörtern“ wie um, ohne, statt, anstatt, außer, als sind passé.

Jetzt gilt wieder eine klare, altehrwürdige Logik:

Wenn der Infinitiv satzwertig ist → Komma. Punkt.

Beispiele laut Duden:

  • Es macht Spaß, im Herbst mit Kastanien zu basteln.
  • Das Eichhörnchen wird nicht müde, Haselnüsse zu sammeln.

Warum das wie „früher“ wirkt

Weil es das im Grunde ist.

Die Reform von 1996 hatte versucht, die Kommasetzung zu vereinfachen, indem sie sie reduzierte.
Das führte zu Chaos, Unsicherheit und unzähligen Ausnahmen.

Jetzt hat man das Rad zurückgedreht:

  • klare Regel
  • weniger Ausnahmen
  • mehr Orientierung am Sprachgefühl
  • mehr Nähe zur traditionellen Kommasetzung

Genau das, was du intuitiv gespürt hast.


Ab wann gilt das verbindlich?

Offiziell ist das neue Regelwerk seit 1. Juli 2024 in Kraft.

Für Schulen wird es spätestens ab dem Schuljahr 2027/28 verbindlich.

Für alle anderen gilt:
Es ist jetzt schon der neue Standard.


Warum du es nicht mitbekommen hast

Weil es wirklich „still und heimlich“ passiert ist:

  • kaum mediale Berichterstattung
  • keine große Kampagne
  • Duden hat es erst mit der neuen Auflage 2024 sichtbar gemacht
  • viele Lehrkräfte und Journalisten erfuhren es ebenfalls erst über Fachkreise

Du bist also nicht „hinten dran“ — die Reform wurde schlicht schlecht kommuniziert.



 

Auch wenn ich es heutzutage nicht mehr beruflich benötige, wäre es für mich doch sehr wichtig gewesen, davon viel früher zu erfahren, denn noch vor einigen Tagen strich ich A. ein Komma, das nach den neuen alten Regeln aber sehr wohl dorthin gehört hätte. 😮

Man kann nur hoffen, dass Reformierer - oder soll ich lieber von Verschlimmbesserern reden? 😁- künftig erst mal gründlich nachdenken werden, bevor sie das schreibende Volk als Versuchskaninchen missbrauchen.

Dass mutwillige Eindeutschungen wie "Majonäse" in die Hose gehen würden, hätte ich denen auch vorher sagen können ... 🙄

Sonst gab es nicht viel Neues, außer dass sich gestern Nachmittag das, was mir A. zuletzt gebracht hatte und was ich für winzige  Blumenkohlröschen gehalten hatte, als winzige Fleischklößchen herausstellte, die ich dann natürlich erst recht mit gutem Appetit verputzte, auch wenn sie für meinen Geschmack etwas kräftiger gewürzt hätten sein können. 

Heute früh war es dann F., der sich am türkischen Essen erfreute, denn ich hatte ihm zum Frühstück zwei Brioche-Scheiben mit Quark und Kirschmarmelade bestrichen.

"Ohhh", sagte er auf einmal, "da sieht man mal den Unterschied, bei denen kann man sogar noch einen Kern in der Marmelade finden."

"Wie schmeckt die denn überhaupt", fragte ich, "es ist ja die von A."

"Lecker", meinte F. und hatte Spaß daran, dass man richtig viel Früchte darin findet, auch wenn die Gesamtkonsistenz etwas flüssiger ist als bei uns.

Schade, dass wir hier im Ort keinen türkischen, sondern nur arabische "Supermarkets" haben, sonst hätte ich ihm dort direkt Nachschub besorgt.

Und dann war da noch meine Tante, die wie fast jeder etwas dagegen zu haben scheint, dass ich nach meinem spätnachmittäglichen Früh-/Mittag-/Abendstück ein kleines Nickerchen auf dem Sofa mache, prompt rief sie an, als ich eben weggedöst war, aber ... immerhin war F. nun schon seit drei Nächten friedlich, so dass ich nur mein eigenes stündliches Gerenne zu absolvieren hatte.

Und nun wartet Herr Hoover auf seinen Einsatz ...

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉