Freitag, 17. April 2026

Und genauso habe ich es gemacht

 Wie gestern geplant, meine ich, d.h. ich bin um fünf Uhr aufgestanden, konnte dadurch um kurz nach  sieben los zum Einkaufen und bereits um halb neun war ich wieder daheim.

Zeit genug also, alles auszupacken, mich meinen Männern und den bis dahin aufgelaufenen Umfragen zu widmen, so dass ich mich anschließend in Ruhe fertigmachen und zu A. starten konnte, wobei ich noch einen kleinen Umweg zum Zahnarzt einlegte, um einen Termin zu vereinbaren, damit meine Brücke endlich in Angriff genommen werden kann.

A. erwartete mich strahlender Laune, man merkt ihr an, welche Last ihr mit der bestandenen Prüfung von der Seele  gefallen ist, und den Tisch hatte sie bereits mit Köstlichkeiten bestückt:


 Einen Moment später ergänzten sich die von mir mitgebrachten cremefarbenen Rosen mit ihren tiefroten aufs Prächtigste und dann konnte es auch schon losgehen, denn nun servierte sie noch frisch zubereitetes Menemen, also traditionelles türkisches Rührei mit Zwiebeln, Paprika und Tomaten, das ich immer wieder gerne esse: 


 

Wir redeten, kamen vom Höcksken aufs Stöcksken, lachten, besprachen ernste Dinge, lachten, aber ich  muss zugeben, dass es mir etwas am gewohnten Schwung fehlte, da machten sich die schweren Arbeiten der letzten Tage und auch die heutige Schlepperei dann doch irgendwie bemerkbar.

Immerhin langte mein Pep aber doch noch dafür, dass ich mitziehen konnte, als der Kleine, bei dem heute der Kindergarten ausfiel, mit seinem neuen Boxspiel anrückte.

So scheu er sich auch meist gibt, schon mit zwei Jahren liebte er es, mit mir zu spielen, nun ist er schon sechs und legt immer noch großen Wert darauf, also ließ ich mich breitschlagen, wobei ich aber über dieses "Spiel" ziemlich entsetzt war.

Kurz zuvor hatte A. mich noch gefragt, ob ich von dem Schüleramoklauf in der Türkei mitbekommen  hatte, was ich natürlich bejahte. Sie hatte gelesen, dass dieser Junge begeisterter Tiktoker gewesen sei, hielt das für die Ursache und schon waren wir mittendrin in einem Gespräch darüber, dass es offenbar nicht nur ein westliches Phänomen ist, wenn Kinder und Jugendliche zunehmend keinerlei Autoritäten mehr anerkennen, ganz gleich, ob Lehrer, Polizisten oder was auch immer.  

Hin und her sprachen wir über mögliche Ursachen und in diesem Zusammenhang wunderte ich mich ziemlich darüber, dass sie dem Kleinen den Kauf dieses Spieles von seinem Zuckerfestgeld erlaubt hatten.

Vom Prinzip her erinnerte es mich ein wenig an das gute, alte Tippkick, nur dass heuzutage natürlich nichts mehr ohne künstlich erzeugten Lärm abgehen kann.

Statt Fußballern hat jeder einen ca. 20 cm großen Boxer vor sich, ein Tiefbrauner mit Irokesenschnitt und ein glatzköpfiger Weißer, und dann hantiert man so an einem Hebel herum, dass die beiden sich auf  die Fresse kloppen, so lange, bis einer von ihnen nach hinten knickt.

"Juhuuu, gewonnen", rief der Lütte ab und zu hocherfreut, dann ging es von vorne los.

Erlebniswert wirklich gleich Null und ob es pädagogisch irgendwie sinnvoll sein könnte, will ich mal dahingestellt sein lassen ... 🙄

Immerhin etwas Positives geschah dabei aber doch, denn während wir aufeinander eindroschen, beschäftigte sich A. in einer Sofaecke mit ihrem Handy, der Kleine fühlte sich offenbar von ihr unbeobachtet und ... auf einmal konnte er prima deutsch mit mir reden, obwohl er dies ja sonst genau wie seine Schwester komplett verweigert, sobald A. dabei ist.

Und nachdem der Bann erst einmal gebrochen war, hielt ich ihn bei der Stange. Die hiesigen Kaufleute haben eine Art Rabattsystem mit Münzen/Talern eingeführt, bei jedem Kauf bekommt man entsprechend der Summe einen oder mehrere davon und wenn man eine gewisse Anzahl gesammelt hat, kann man sie gegen Prämien oder Gutscheine (z.B. für Kaufland) eintauschen.

22 Stück hatte er vor sich auf dem Sofa ausgebreitet, auf  A.s Aufforderung hin zählte er sie, allerdings nur auf  Türkisch. A. bat ihn, es auch mal auf Deutsch zu versuchen - nichts, bis ich mich dann einmischte und begann zu zählen: "Eins, drei, sieben, fünfzehn ... ohoh, nun kommt es mir vor, als hätte ich da Fehler gemacht? Was meinst du dazu?" 

Ha, es funktionierte, denn aus dem bloßen Wunsch heraus, es besser zu können als ich, legte er los. So erfahren wir endlich mal ein bissl mehr über den Stand seiner Deutschkenntnisse. 😀

Sooo, unnu muss ich hier hurtig in die Pötte kommen.

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉