Hatten ich Fa.s kurzfristige Absage und der Missbrauch unserer Mülltonne zunächst deutlich missmutig gestimmt, besserte sich meine Laune zusehends, denn ich wusste die neu gewonnene Zeit ja gut zu nutzen, wenn es auch ziemlich anstrengend wurde.
Immerhin hatte ich mit der riesigen und vor allem sauschweren Teleskopschere letzte Woche gute Vorarbeit geleistet und die sehr breite Oberseite der Hecke abrasiert, so dass ich nun weder innen noch außen eine Leiter brauchte, sondern mit Über-Kopf-Technik im Wechsel mit Bücken alles Verbliebene schneiden konnte.
Nach dem Zusammenkehren und Einsammeln der Berge war ich ziemlich kaputt, war ich doch am Morgen auch schon einkaufen gewesen, also seit dem Aufstehen ununterbrochen in Aktion, aber das Wissen, nun - je nach Wetter - zumindest für einige Wochen Ruhe davor zu haben, befriedigte mich dann doch sehr.
Und es kam noch sehr viel besser, als ich nämlich erfuhr, wie meine liebe A. mit der unerwarteten Freizeit umgegangen war.
Eigentlich hatte sie gemeint, nach dem anstrengenden Online-Fachsprachen-Kurs und der Prüfung erst einmal einige Wochen Ruhe zu benötigen, zumal ihr im Moment eh die Hände gebunden waren, weil das Jobcenter sich mit der Bearbeitung ungeheuer viel Zeit ließ, doch nun war das so dringend erwartete Schreiben offenbar eingetroffen, denn am Abend schrieb sie mir, dass sie Herrn V. eine Mail geschickt hatte, und zeigte mir ihren Text, der ihr wirklich perfekt gelungen war.
Herr V. ist der Inhaber der Apotheke, in der sie im letzten Herbst ein Praktikum machen durfte, wenn auch erst, nachdem ich mich vor Ort vehement für sie eingesetzt hatte.
Sie teilte ihm mit, dass sie ihre Prüfung bestanden hat, und bat um ein Gespräch, woraufhin dieser sie direkt in der Mittagspause zu sich bat.
Ein wirklich toller Mann!
Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich sie damals zum Vorstellungsgespräch begleitete?
Eine Mitarbeiterin brachte uns hoch zu seinem Büro, er empfing uns an der Tür und bevor ich ein Wort sagen konnte, fragte er, wer ich denn nun eigentlich sei? 😅
Ich erklärte ihm, wie ich mit A. zusammenhänge und dass sie mich gebeten hatte mitzukommen für den Fall, dass sie irgendetwas nicht gleich verstehen würde, aber .... wenn er mich als störend emfinden würde, könnte ich auch blitzeschnelle wieder verschwinden. Es hatte sofort klick gemacht zwischen uns, er lachte und fand das alles sogar sehr gut so, bat mich dann auch von sich aus, dabeizubleiben.
Neben dieser gehören ihm auch noch zwei weitere Apotheken im Nachbarstadtteil und zufällig hatte A. vor einiger Zeit festgestellt, dass eine türkische Bekannte von ihr in einer davon arbeitet, was sich nun als nicht unwichtig erweisen sollte, denn Herr V. und seine Mitarbeiterinnen sind genauso begeistert von A. wie ich und sofort machten sie Nägel mit Köppen, als sie ihn mittags aufsuchte:
Zunächst war die Frage, wie er es sieht, zunächst praktische Erfahrung sammeln und sich dann auf die entscheidende Prüfung stürzen oder andersherum?
Wie ich meint auch er, dass die Praxis als Erstes erfolgen sollte - richtig einsteigen wird A. erst können, wenn der Kleine nach den Sommerferien in die Grundschule kommt, doch bis dahin wird sie die Zeit an drei Vormittagen in der Woche zur Einarbeitung nutzen, und zwar im Zusammenspiel mit ihrer türkischen Bekannten, die ihr das Verstehen des komplizierten Abrechnungssystemes vermutlich stark wird erleichtern können. Und die ihr übrigens auch sagte, dass sie noch nie einen so tollen Chef wie Herrn V. gehabt habe ...
Gut möglich, dass wir uns morgen noch treffen, damit sie mir das alles näher erklären kann, aber erst einmal bin ich hellauf begeistert und wurde fast ein bissl rot, als sie dann schrieb: "Vielen Dank auch dir bisherige Unterstützung ab App-Tag. Auch für den Praktikumsort!"
Mit App-Tag meinte sie unseren allerersten Kontakt, als ich nämlich M.s Anzeige in dieser Nachbarschafts-App entdeckte und nach einigem Abwägen darauf reagierte.
Immer noch wie ein kleines Wunder für mich, denn normalerweise schaue ich fast nie rein in diese App, lösche die Benachrichtigungsmails in der Regel einfach, nur an diesem Tag vor mehr als drei Jahren verhielt ich mich anders, warum auch immer.
Bloß ein bissl helfen wollte ich und hatte keine Ahnung, was daraus entstehen würde, die hatten wir beide nicht, aber es ist wunderbar, wie sich alles entwickelte, und nun antwortete ich ihr, dass es absolut nichts zu danken gäbe, weil mir das alles ja schlicht sehr viel Freude macht.
Und obwohl ich das Wort mit großer Vorsicht benutze, weil ich es eigentlich nicht besonders mag, fügte ich noch hinzu, dass ich sehr stolz auf sie bin, was sie mit Herzchensmileys quittierte. 🥰
Unnu muss ich los zum Zahnarzt ...
Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉