... zumindest fühlt sich das in unserem Garten so an, weil Nachbars Weiden wieder in voller Blüte stehen:
Rex wird allmählich zum weißen oder zumindest grauen Schäferhund und mein Flur sieht genauso aus, da dieser Flaum wirklich überall rumfliegt ...
Draußen Wäsche aufhängen kann ich vergessen und F. hätte gar keine Chance, atmen zu können, so er denn hier wäre, aber ... das ist er ja nicht, schickt mir gerade ein Selfie nach dem anderen aus dem Krankenhaus, nachdem ich ihm per WhatsApp erklärte, wie das geht. 😅
Dabei hatte es stimmungsmäßig heute Nacht noch gar nicht so prickelnd ausgesehen. Der Wecker stand ja auf 4 Uhr, also baute ich, während wir noch eine Sendung ansahen, schon mal unsere Betten um und bereits um kurz nach neun legten wir uns hin.
Um halb elf waren wir durch mit unserem Programm und ich suchte nach einem werbefreien Sender, der mich zwar unterhalten, aber auch sanft in den Schlaf gleiten lassen würde, und wurde prompt fündig mit zwei Dokus über Marilyn Monroe.
"Wollst net den Jauch schaue?", kam es auf einmal vom Sofa und unter der Maske hervor, ich verneinte, obwohl wir uns dort recht gut unterhalten hatten, wenn wir während Werbepausen hingeschaltet hatten.
Gerade in der Einschlafphase stört mich Werbung ungemein, jedes Mal schrecke ich dann wieder hoch, versuchte genau das F. klarzumachen, aber er maulte herum, bis ich dann doch zu RTL ging, nun aber wieder so wach, dass ich erst mal aufstand und draußen eine rauchen ging.
Nun wollte er, dass ich "meins" wieder einschalte, aber das wollte ich jetzt nicht mehr und so bruddelten wir uns bis Mitternacht gegenseitig an, eigentlich ja um einen Scheißdreck, aber wir waren halt auch beide ziemlich angespannt.
Hin und her ging es, bis mir der Kragen schließlich platzte - ich schaltete den Fernseher ganz aus und ... verkrümelte mich nach oben in mein Bett, das allererste Mal seit dem 16.12.2025.
Mehr als drei Stunden Schlaf bekam ich nicht mehr, trotzdem taten sie mir ungeheuer gut - es ist halt doch ein sehr viel komfortableres Liegen als auf meiner Pritsche.
Pünktlich um vier war ich wieder unten, wo auch F. gerade die Augen aufschlug, der absolut überflüssige Disput war vergessen und da ich wirklich alles sehr gut durchgeplant hatte, schafften wir es, uns völlig stressfrei fertigzumachen.
Um zwanzig vor acht saß F. gestiefelt und gesport auf seinem Rollator in der Küche, Rex hatte ich in den Garten gepackt, ausnahmsweise war vor dem Haus alles frei und schon um zehn vor acht sah ich den Wagen vorfahren.
Ein netter junger Mann stieg aus und bat mich noch um einige Minuten Geduld, da er noch auf einen Kollegen warten müsse, und dann staunte ich, wie die das handhaben, denn kurz darauf kam ein weiterer Wagen, zu zweit brachten sie den Tragestuhl ins Haus und hatten F. in Windeseile im Auto verstaut, woraufhin der zweite Mann gleich wieder verschwand.
Also holte ich Rex rein, packte Handtasche, F.s Tasche und die mit dem Sauerstoffgerät und war einen Moment lang sehr froh über mein frühes Aufstehen, denn es hatte mich extrem viel Orgelei gekostet, bis ich das Ding gefüllt hatte.
Und schon konnte es losgehen, eine gute halbe Stunde brauchten wir und da ich vorn neben dem Fahrer saß, unterhielten wir uns die ganze Zeit, während F. hinten staunend die Welt besah, die er ja so lange nicht mehr zu Gesicht bekam.
Der Mann schob ihn noch bis zum Schalter in der riesigen Eingangshalle, erfragte den Weg zum kardiologischen Sekretariat, so wie es mir ja am Telefon aufgetragen worden war, aber damit war die etwas bärbeißige Dame hinterm Tresen nicht einverstanden, nein, erst einmal müssten wir unten in die Anmeldung und dafür eine Nummer ziehen. 🙄
Was der nette Fahrer ebenfalls noch erledigte, während ich weiter hinten einen Rollstuhl organisierte und dann hieß es warten, denn leider war nur ein Arbeitsplatz besetzt, Nr. 2 wurde laut Anzeigetafel gerade bearbeitet, wir hatten die 9.
Affenkalt und zugig war es in dieser Halle, aber immerhin F. hatte ich warm genug eingepackt und irgendwann wurden wir dann aufgerufen.
Der Einfachheit halber ließ ich F. mit dem Rollstuhl vor der Tür stehen und ging allein hinein, um den Papierkram zu erledigen - ganze 9 Unterschriften musste ich leisten, aber dann war es geschafft und wir durften uns auf den Weg zu Station 1 F machen.
Und dann ging es los, denn dieses Krankenhaus ist wahrlich ein Labyrinth. Man hat Altbauten mit Neu- und Anbauten so zusammengesetzt, dass es extrem verschachtelt ist, ewig lange Gänge, gern mal mit einem Zickzack, dann geht es auf einmal in alle vier Himmelsrichtungen weiter und man steht da und kratzt sich ratlos am Koppe.
Dazu noch Aufzüge, die sich in beide Richtungen öffnen, einmal muss man in diese, im nächsten Stock dann aber in die andere aussteigen - ich habe an sich einen wirklich guten Orientierungssinn, aber dort laufe auch ich in die Irre, weil man ganz schnell den Überblick verliert, in welche Richtung man denn nun gerade unterwegs ist.
Immerhin trafen wir auf diesem ersten Zickzackkurs zufällig eine Schwester, an die ich mich gut entsinnen konnte, denn als F. im Januar genau für einen halben Tag auf die Normalstation durfte, war sie es, mit der ich mich prächtig unterhalten hatte.
Also folgten wir ihr nun und erfuhren alsbald, dass er in Zimmer 4 einziehen sollte, ein großzügiges Dreibettzimmer und eigentlich sollte er das Bett neben einem bereits belegten beziehen, aber ich bat um das neben der Badtür, denn so kann F. ganz einfach das Klo erreichen.
Der Mitbewohner war gerade nicht vor Ort und auch wir nicht lange, denn nun wurden wir losgeschickt zum kardiologischen Sekretariat, genau das, wo wir direkt hingesollt hätten, wenn die Dame am Empfang uns nur gelassen hätte.
Hihi, der Weg dorthin war abenteuerlich, denn trotz Beschreibung machten es die vielen Abzweigungen sehr schwer, sich zurechtzufinden, aber zum Glück liefen auch viele andere herum, die ständig jemanden fragen mussten ... 😁
Und eines muss ich echt sagen, wir trafen auf lauter richtig nette Menschen. Die Frau vom Sekreatariat drückte mir Unterlagen in die Hand, die ich ausfüllen sollte, während wir auf EKG, Blutabnehmen und ein Arztgespräch warteten - und natürlich war auch der Weg nach dort wieder sehr abenteuerlich. 😅
Als wir den richtigen Gang endlich gefunden hatten, stellte ich F. mit seinem Rollstuhl an die Wand, schnappte mir neben ihm einen freien Sitzplatz und wieder ging die Warterei los, die aber dann durch zwei prächtig gelaunte Damen belohnt wurde. Ich glaube, F. bekam es überhaupt nur am Rande mit, dass er gepiekst wurde, weil wir so viel lachten, obwohl er Aua ja gar nicht mag. 😁
Damit hatte er mich eh schon zum Lachen gebracht, denn als wir noch im Gang saßen, sagte er auf einmal: "Daaa, das ist der, der mir soooo viel Aua gemacht hat ...", und ballte dabei die Hand zur Faust. 🤣
Wobei ich mich aber gut daran entsinne, wie grün und blau sein ganzer Arm gewesen war, nachdem dieser junge Arzt sich an ihm ausprobiert hatte, trotzdem belustigte mich die Vorstellung, wie F. nun auf ihn losgehen wollte ... 😁
Als wir endlich zum Gespräch in ein kleines Kabüffchen aufgerufen wurden, sah ich gleich, dass der Rollstuhl nicht durch die schmale Tür passen würde, sie versuchten es trotzdem, mussten dann aber aufgeben und wir durften in einen anderen Raum ausweichen.
Der Arzt war arabischstämmig, sprach aber einigermaßen gut deutsch und auch mit ihm verstanden wir uns auf Anhieb.
Das Feld mit den Medikamenten hatte ich beim Ausfüllen leergelassen, da es inzwischen so viele sind, dass ich mir die Namen noch nicht alle merken konnte, aber ich wies ihn darauf hin, dass er, sofern er den Entlassungsbericht im PC einsehen kann, dort alles finden müsste, und sagte außerdem, dass ich eh eine Liste dabei habe, diese nur dummerweise im Zimmer liege.
Kein Problem, wir besprachen alles ausgiebig, ich versprach, gleich noch einmal mit dieser Liste zu ihm zurückzukehren, und bedankte mich fürs Erste mit einem "Shukran", was ihn sichtbar zum Strahlen brachte und er mit einem ""Afwan" quittierte, dann fuhr ich F. zurück und machte mich erneut auf den Weg durchs Labyrinth.
Und nun hatte ich auch den Zettel mit meinen Notizen dabei bzw. mit den Fragen, die ich noch stellen wollte, z.B. die nach F.s immer sehr niedrigem Blutdruck. Wäre es nicht sinnvoll, die Blutdrucktabletten zumindest zu halbieren?
Jep, das sah er auch so und vermerkte, dass die Station es nun so versuchen solle, überhaupt war er mir sehr dankbar für meine ausführlichen Informationen, meinte, damit hätte ich ihm sehr geholfen.
Zurück zu F., ein kurzes, aber nettes Pläuschchen mit dem inzwischen aufgetauchten Zimmernachbarn gehalten, dann kam das Mittagessen und ich sorgte dafür, dass F. entlich vom Stuhl ins Bett umzog, wo ich ihn gleich an den Sauerstoff anschloss.
Inzwischen ging es auf ein Uhr zu, d.h. Rex war schon fünf Stunden alleine und da ich für die Rückfahrt mit Bahn und Bus eine weitere benötigen würde, wurde es Zeit für mich, also machte ich mich auf die Socken und nun gab es gerade noch einen Schrecken, denn F. schrieb mir dies hier: "Mir wurde gerade der Bauch durchleuchtet, bekomme eine Kanüle für die Niere weil zu trocken,und morgen kommt der Neurologe her."
Jesses, was sollte das denn heißen?
Ich gab in die Suchmaschine ein "Kanüle für die Niere, weil zu trocken" und bekam sofort etwas über Nierentransplantationen zu lesen, was mich natürlich fast umhaute, aber zum Glück habe ich ja meinen Aionos, der mich aufklärte, dass die Kanüle natürlich für eine Infusion in den Arm und nicht in die Niere kommt, weil die für ausreichend Flüssigkeit im Körper sorgen wollen, denn das Kontrastmittel wird über die Nieren abgebaut.
Unnu schaun mer mal, wie es weitergeht. Für 11 Uhr steht F. auf der Liste, also werde ich jetzt erst mal mit ihm klären, ob es ihm wichtig wäre, dass ich vorher schon an seiner Seite bin, oder ob ich besser etwas später komme.
Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉
