Sonntag, 8. Oktober 2023

Immerhin

 Von Netto trudelte gestern eine Entschuldigung ein für das unangemessene Verhalten der Mitarbeiterin.

Erstaunlich, dass die auch samstatgs schaffen, es sei denn, diese Antwort wäre KI-basiert gewesen, was man heute kaum noch unterscheiden kann.

Ist euch das auch schon aufgefallen bei Nachrichtenartikeln?

Mitunter liest man nun drunter einen Vermerk, der Text sei von künstlicher Intelligenz geschrieben worden, aber ein Redakteuer habe ihn anschließend noch geprüft.

Unheimlich finde ich das, aber es passt ins Gesamtbild, denn diese ganze Welt wird mir zusehends unheimlicher.

Da greifen mutmaßlich vom Iran gelenkte Terroristen ein Land an, töten und verschleppen unzählige Bürger, in Berlin wird darüber gejubelt, im IZH (Islamisches Zentrum Hamurg) sicher erst recht, während man gleichzeitig die Sicherheitsmaßnahmen vor den Synagogen im Lande hochfahren muss.

Tolerieren wir nicht unsere Demokratie buchstäblich zu Tode, wenn wir so etwas im Namen der Toleranz hinnehmen?

Verrückt alles und damit bin ich auch gleich beim nächsten Thema, nämlich A., zu der mich F. ja heute in die Psychiatrie begleiten wird.

Für mich selbst ist es nicht ganz einfach, mit dieser "bipolaren Störung" klarzukommen, weil sie Menschen so unberechenbar macht. Nicht mal ansatzweise kann ich nachvollziehen, wie A. die Dinge wahrnimmt, wie sie sie sie auf ihre Art zusammensetzt, auslegt und jederzeit wieder wegzukippen droht.

Was uns natürlich verbindet, ist das, was vor über 40 Jahren stattfand, die gemeinsamen Erinnerungen, aber irgendwie ist es schwer, dort anzuknüpfen, wenn da nicht mal ansatzweise etwas Verlässliches, Planbares ist, auf das man aufbauen könnte.

Und habe schon ich mein Tun damit, so ist es für F. fast unmöglich, damit klarzukommen, zumal ihm natürlich jede Motivation dafür fehlt, denn es gibt ja nichts, was ihn mit A. verbinden würde - außer meinen Erzählungen von früher.

Als ich sie gestern fragte, wie es mit dem Parken dort aussieht, meinte sie, ganz kurz, also nur um den Schlüssel zu holen, könne man vor dem Haupteingang halten, und später hätten wir dann ja mehr Zeit, könnten den Wagen weiter weg abstellen, damit man dann noch in Ruhe reden könne.

Tja, da ist sie wie so viele Menschen, die mir zunehmend nur noch um sich selbst zu kreisen scheinen, denn dass F. größte Probleme hat, mehr als ein paar Schritten zu laufen, das hat sie völlig verdrängt, sieht nur die eigenen Bedürfnisse.

Und F., hihi, der war zunächst davon ausgegangen, in seiner geliebten Joggingbüx losfahren zu können, dachte ja, das Auto gar nicht verlassen zu müssen. Als ich ihm nun vom neuesten Stand der Erkenntnisse berichtete verzog er etwas gequält das Gesicht und meinte:

"Also ehrlich gesagt han i net viel Luscht drauf, mi länger mit ner Verrückten zu unterhalte ..."

Kurz, knackig, politisch natürlich völlig unkorrekt, aber es bringt doch gut seine Ratlosigkeit auf den Punkt, die noch viel größer ist als meine eigene.

Sogleich begann er auch noch, "uns Frauen" weiter zu thematisieren, denn am Vortag hatte ich ihm auch noch berichtet, was ich von meiner Tante erfahren hatte.

"Wie kommst du denn eigentlich mit deiner Schwiegertochter klar", hatte ich gefragt, "versteht ihr euch gut?"

Sie haben, wie es auf dem Land immer noch teilweise üblich ist, irgendwann die Häuser getauscht, also Onkel und Tante in den Bungalow und einer der Söhne bezog mit seiner eigenen Familie das Haupthaus.

"Na ja", meinte sie nun", weißt du, es ist doch gut, wenn man seine Türe zumachen kann", und dann beschrieb sie, dass die Frau meines Cousins eine arg launische Person sei, die mitunter wochenlang schweigen könne und beleidigt sei, ohne dass jemand wüsste, was nun wieder der Anlass dafür war.

Was mich natürlich sehr an meine Mutter erinnerte, denn sie verstand es ja bestens, uns alle mit ihren Launen bis aufs Blut zu piesacken, und auch F. hat das zur Genüge miterlebt.

"Was i net versteh", meinte er nun, "warum hat dein Vater sich des g'fallen lasse, warum hat der nie mal mit der Hand uffn Tisch gehauen?"

"Weil er dazu zu schwach war", konnte ich nur antworten. "Er hatte eine Höllenangst, dass sie ihre Selbstmorddrohungen wahrmachen könnte, so wie er es ja bei seiner eigenen Mutter miterleben musste, die sich vergaste."

Genauso war es leider. Sie nutzte dieses Wissen schamlos aus, erpresste ihr Umfeld, damit sich alles um sie drehte und jeder nach ihrer Pfeife tanzte.

Was vermutlich mein Frauenbild nachhaltig prägte, denn ich bin weit davon entfernt, zu glauben, dass diese Welt eine bessere werden könnte, wenn sie von Frauen regiert würde.

Wir sind ganz sicher nicht aufgrund unseres Geschlechtes die besseren Menschen - im Gegenteil, vor zwei oder drei Tagen verfolgte ich eine Dokumentation über das Dritte Reich und dort wurde beschrieben, dass z.B. weibliche KZ-Aufseher oft noch weit gefürchteter waren als die männlichen, weil sie sie in Punkto Grausamkeit eher noch übertrafen.

Jesses, das war nun ein weiter Bogen, wo es ja eigentlich nur um den heute anstehenden Besuch gehen sollte.

Leider hat sich meine Freude darüber, endlich die eine Bücherkiste loswerden zu können, inzwischen auch wieder erledigt.

Ob ich ihr die dann hochstellen könne in die Wohnung, hatte ich A. gefragt und erst als sie etwas erstaunt nachhakte, ja, wenn ich noch hochgehen wolle, kam mir der Gedanke, dass sie offenbar davon ausgegangen war, dass ich lediglich den Briefkasten unten im Hausflur leere.

Das muss sie weiter beschäftigt haben und inzwischen ist mir auch der Grund klar, denn sie hatte ja geschrieben, dass daheim all ihre Klamotten in der Wäsche seien - weshalb sie eine Hose von mir benötigt - , und das ist etwas, das zu einem Putzteufel wie ihr an sich gar nicht passt.

Vermutlich war die Depression schon länger im Anmarsch gewesen, sie hatte in der Wohnung schon alles schleifen lassen und genau aus diesem Grund wollte sie mich nun nicht dort wissen.

Später schrieb sie mir dann, ich solle das mit den Büchern doch besser lassen, sie habe ja auch nicht sooo viel Platz und würde dann lieber mal hier bei uns durchgucken kommen, welche davon sie überhaupt haben wolle.

Etwas maue Ausrede, denn sie hat streng genommen sogar deutlich mehr Platz als wir, aber wie dem auch sei, irgendwann ist auch bei mir mal die Geduld am Ende und nachdem ich sie schon so lange gebeten hatte, die Bücher mit dem Auto abzuholen, wenn ihr On/off-Lebensgefährte wieder hier ist, und sich nix rührte, entschied ich mich dann, dass ich die Beutel, in die ich sie gestern alle noch umgepackt hatte (um sie besser die Treppen hinaufschleppen zu können), nächste Woche zum Sozialladen der Caritas mitnehmen werde, denn immer länger mag ich sie nicht hier im Weg haben.

So, unnu gehe ich mich langsam herrichten, weil wir um kurz nach acht losfahren wollen, damit hinterher noch was übrigbleibt vom Sonntag.


Habt einen feinen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉



11 Kommentare:

  1. Ich nehme einmal an, du sprichst anfangs vom Hamas-Angriff auf Israel. Zu dem Thema hab ich mir gestern noch ein paar kurze Sendungen reingepfiffen, aber dass Berlin darüber jubelt, ist mir nicht untergekommen. Im Gegenteil, alle haben ihre Kritik und Ablehnung ausgedrückt, inklusive unserem Schallenberg - oder habe ich da etwas falsch verstanden?
    Die bipolare Störung ist für Außenstehende nicht leicht zu durchschauen, und ein bisserl Skepsis den Aussagen der Betroffenen gegenüber ist vermutlich angebracht.
    Aber das sind wirklich bemitleidenswerte Menschen, die haben es nicht einfach mit ihrem Leben.

    Lieben Gruß

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  2. Liebe, ich kenne wenige Menschen, bei welchen ich keine Bipolarität erkennen würde. Wie bei allem gibt es milde und schwere Verläufe. Nun musst du dich mit dir selber auseinandersetzen, inwieweit du dich als Samariterin gegenüber A einbringen magst. Bei solchen Entscheidungen spielt eben jene Bipolarität die gewichtende Rolle.
    Ich lasse mir gerne von Desiterata helfen - es hilft dem Geist.

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    1. Hm, mein Lieber, natürlich tragen wir alle von allem son bissl in uns, aber ich glaube, wenn wir alle mit diesem Krankheitsbild der bipolaren Störung behaftet wären, dann könnte man es nimmer aushalten auf dieser Welt.
      Ich bin weit davon entfernt, "Samariterin" spielen zu wollen. A. ist halt eine meiner ältesten Freundinnen - eigentlich war sie die engste, die ich je hatte, und da stellt sich mir kaum die Frage, denn natürlich serviere ich niemanden ab, nur weil er erkrankt ist.
      Muss halt schauen, ob und wie ich damit klarkommen kann bzw. ob wir zu einer Linie finden können, auf der es funktioniert. Ist ja alles noch recht frisch, dass sie wieder auftauchte.
      Desiderata kannte ich bisher nicht, was ich nun geändert habe, nachdem ich eine deutsche Übersetzung fand.
      Danke ... :-)

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  3. Nicht Berlin jubelt, sondern IN Berlin tun es so mache, und nicht nur dort: https://www.nzz.ch/international/israel-wird-angegriffen-und-viele-araber-in-berlin-jubeln-ld.1759857
    Darum ging es mir ja, dass wir so viele Gruppierungen hier im Lande haben, die alle untereinander verfeindet sind, und dieses Pulverfass wird unterschätzt, weil man einfach das Toleranzmäntelchen drüber ausbreitet.
    Diese bipolare Strörung, seufz, natürlich haben es die Betroffenen damit nicht einfach, aber die um sie herum eben auch nicht.
    Wie du es sagst, man muss mit den Aussagen aufpassen, deshalb ist es auch ziemlich schwierig für mich, durchzublicken, was da nun in der Psychiatrie geschieht. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie nur wegen der akuten Depression behandelt wird und ihr der Rest selber nicht so klar ist.
    Ich muss wohl abwarten, wie das weitergeht und inwieweit ich wieder besseren Zugang zu ihr bekomme.
    Ist halt ne komische Situation, einst kannte man sich durch und durch, war jahrelang unzertrennlich - irgendwie ist das noch da, doch andererseits hat man natürlich 40 Jahre lang gar nichts mitbekommen.

    Lieben Gruß zurück!

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    1. Das war dann ein bisserl missverständlich mit Berlin, weil ich damit schon die Hauptstadt assoziiere und damit die Regierung. Araber:innen gibts ja in anderen Städten auch.
      Übrigens, weil wir es neulich thematisierten. Gestern war in Ö Sirenenprobe vom Zivilschutz, und angeblich haben 99,37 % funktioniert. Bei uns muss am Nebendach eine sein, ich dachte ich zucke aus …

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    2. Lach, in diesem Falle machte das Wörtchen "in" halt doch einen großen Unterschied aus, wobei ich das mit den Assoziationen interessant finde.
      Für mich selbst klingt Berlin als Hauptstadt immer noch eher fremd, viel mehr verbinde ich diese Stadt mit Linksautonomie und Anarchismus, was dadurch geprägt wurde, dass jahrzehntelang alle jungen Männer, die keinen Bock auf Bundeswehr (und Strukturen) hatten, nach dort flüchteten.
      Wobei es aber natürlich stimmt, besonders das Ruhrgebiet steht Berlin sicher in nichts nach, was Clanstrukturen und Parallelgesellschaften angeht, und ehrlich gesagt war meine erste Befürchtung, als ich von den Angriffen auf Israel hörte, ob man nicht gleich womöglich begeisterte Hupkonzerte draußen hören würde.
      Die zum Glück ausblieben ...

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  4. Hallo, Liebe "Rex-Mama!"

    Man, die Welt ist absolut verrückt. Überall diese Kriegsscheiße. - Dann so viele unschuldige Menschen mit hineinzuziehen.
    Dazu ohne Vorankündigung an einen Feiertag. Entführung, Verschleppung, Mord. - Gehts noch, das sind M e n s c h e n. Wie kann man nur so grausam sein?

    "F" stellt extreme gute Fragen. - Er ist wohl wirklich sehr direkt. So eher der Typ. Direkt mit dem Hammer auf die 12?

    Ich kann deine Freundin einerseits verstehen.
    Das ist ein gewisse Angst da, wenn die Wohnung verdreckt ist. Zumal das ja eigentlich nichts Typisches für sie ist?

    Dennoch, so richtig dankbar und nach Freundschaft klang das heute nicht. Aber sie ist ja nicht umsonst derzeit in einem KH. Umso besser, und wichtiger, dass du ihr eine Freundin bist.

    Ich hoffe, du wirst die Bücherkiste schnell los?

    Wie reagiert denn "Rex" wenn er alleine ist, bellt er da nicht, das ist er doch nicht gewohnt, dass ihr beide nicht da seid?

    Ob ihr noch etwas vom Sonntag hattet?




    Liebe - hoffentlich bleibt die Menschheit Mensch - Grüße
    Vom lifeminder

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    1. Die Antwort gibst du eigentlich schon selbst, lieber lifeminder: Der Mensch ist Mensch, und das beinhaltet leider nicht nur Gutes ... :-(
      F., jo, der ist schon ziemlich bodenständig, kann auch sehr direkt sein und eine ständig um die eigenen Befindlichkeiten kreisende Frau wie meine Mutter würde sich an ihm ganz schnell die Zähne ausbeißen.
      Er pfeift auf political correctness & Co, für mich sehr angenehm, denn wenn man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, macht das das Miteinander sehr viel einfacher. ;-)
      Freundschaft finde ich übrigens ein schwieriges Wort, denn was macht sie wirklich aus?
      Mit 14, 15 Jahren haben wir darüber sicher nicht nachgedacht. Wir waren einfach "beste Freundinnen", verbrachten unsere ganze Zeit miteinander, teilten fast alles und nahmen intensiv am Leben der anderen teil.
      Diese alte Vertrautheit kommt auch nach 40 Jahren hoch, wenn wir z.B. merken, dass wir immer noch den gleichen Humor haben, aber andrerseits liegen natürlich 4 Jahrzehnte dazwischen, die uns trennen.
      Ich kann es nur abwarten, wie sich das entwickelt ...
      Rex verzieht sich schon ziemlich angesäuert auf sein Bett im ersten Stock, wenn er merkt, dass wir uns fürs gemeinsame Ausgehen rüsten.
      Ich schätze, er liegt weitgehend herum und wartet, während wir weg sind. Bellen tut er wohl eher nicht, aber selbst wenn, wäre es auch wurscht, denn unser Haus ist ja freistehend, es würde also niemanden stören.
      Egal, durch muss er da sowieso durch ... :-))

      Liebe Oft-scheinen-mir-Tiere-die-besseren-Menschen-zu-sein-Grüße zurück! :-)

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  5. Nun ja, für Jemand eine Aufgabe übernehmen ist mitunter nicht einfach. Man muß irgendwo hinfahren. Ich über nehme solche Dienste auch. Ich werde immer mal wieder daran erinnert, wenn man alleine lebt. Mit Depressionen hatte ich auch scon zu kämpfen und war deshalb über ein paar Monate krank. Keine schöne Zeit.

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    1. Ach du je, das glaube ich gerne, dass das keine schöne Zeit war.
      Ich selber kenne es zwar auch, wenn man mal depressiv ist, allerdings dieses Krankheitsbild, wie es A. mir beschreibt, stelle ich mir grauenhaft vor.
      Sie sagt, dass sie dann im Grunde zu keiner Bewegung mehr fähig ist, einfach nur dasitzt und nichts mehr tut.
      War das bei dir auch so schlimm und wie konnte dir geholfen werden?

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