Als ich gestern das Haus verlieĂ, traf ich auf H. und M., zwei frische Rentner aus der Nachbarschaft, beide mit "RĂŒcken", weshalb sie nun beschlossen haben, gemeinsam in einer Muckibude dagegen anzugehen.
"Na, kommt ihr vom Sport?", fragte ich, sie bejahten, wĂ€hrend M. noch den SUV verschloss, und ich erzĂ€hlte, dass ich mich gerade auf den Weg machte in den Stadtteil, aus dem sie just zurĂŒckkamen.
"Wie, gehst du etwa zu FuĂ?" đČ
Ich nickte und wirklich entsetzt hakten sie noch einmal nach: "Du gehst den ganzen Weg wirklich zu FuĂ?" đČđ€Ł
Grinsend bestĂ€tigte ich und dachte mir meinen Teil, denn wie ihre Frauen und eigentlich auch alle anderen Nachbarn gehören sie zu denen, die fĂŒr jedes Brötchen mit dem dicken Auto losfahren. Ich bin die Einzige weit und breit, die hier mit einem Trolley durch die Gegend hechelt und so gut wie alles per pedes erledigt.
Was mich aber natĂŒrlich nicht davor bewahrt hat, nun ebenfalls "RĂŒcken" zu haben. đ
"Na, mal abwarten", sagte ich zu den beiden, "je nachdem, was mir die Ărzte noch sagen, womöglich muss ich mich euch ja demnĂ€chst anschlieĂen?"
"Ja, super", meinte H., "dreimal in der Woche fahren wir um fĂŒnf vor neun los, komm doch einfach mit."
WĂ€hrend ich dann weiterging, kam mir den Gedanke, dass ich das zeitlich unmöglich schaffen könnte, und dann traf ich auch schon auf die nĂ€chste Bekannte, die mit ihrem Hund im GrĂŒnen unterwegs war und mir unbedingt vom 20-jĂ€hrigen JubilĂ€um ihrer Musikschule erzĂ€hlen wollte.
WofĂŒr mir leider auch die Zeit fehlte, denn nun musste ich allmĂ€hlich Gas geben, wollte ich noch pĂŒnktlich zu meinem Termin erscheinen.
Etwa 20 Minuten hatte ich einkalkuliert, F. hatte mich gewarnt: "Das ist weiter, als du denkst", und er hatte recht, etwas lÀnger als eine halbe Stunde brauchte ich, also werden es wohl etwa drei Kilometer gewesen sein.
Erstaunlicherweise musste ich keinen Anamnesebogen ausfĂŒllen, stattdessen fragte mich die nette Dame am Empfang, ob ich einverstanden damit sei, dass sie die Untersuchungsergebnisse an den Hausarzt weiterleiten.
"Ja, da bitte ich aber doch drum", antwortete ich lachend, sie lachte mit und meinte, ja, das sei schon verrĂŒckt, mit welchen bĂŒrokratischen HĂŒrden sie inzwischen zu kĂ€mpfen hĂ€tten.
Das Wartezimmer war das unbequemste, das ich je erlebte. Statt StĂŒhle aufzustellen, hat man einfach BĂ€nke an die WĂ€nde gebaut und als Lehne bzw. Wandschutz dient eine groĂe senkrechte Holzplatte.
Gut, dass ich nur eine halbe Stunde dort herumsitzen musste, denn rĂŒckenfreundlich ist das wahrlich nicht, aber dann rief mich eine Frau auf, die mich spontan an Frau Dahms, meine alte Mathe-Leistungskurs-Lehrerin erinnerte.
ErklĂ€ren hatte sie absolut nicht können, trotzdem lernten wir was, wenn auch recht freudlos, und optisch sah ich sie nun wieder vor mir, auch die Ărztin war winzig klein, sehr zart und trug das dunkle Haar ganz kurz geschnitten.
Im Gegensatz zu Frau Dahms, die knochentrocken war, strahlte sie aber eine humorige Art aus, wir fanden gleich einen Draht zueinander und nach einem kurzen GesprĂ€ch begann sie allerhand Tests an mir durchzufĂŒhren, knickte mich hier ab und dort, versuchte mir Widerstand zu leisten, wĂ€hrend ich drĂŒcken musste und fast Angst bekam, dass ich das zierliche Persönchen dabei an die Wand schmettern könnte. đ
Wirklich optimal angezogen war ich in meinem Flatterröckchen, denn so konnte sie mit einer Art Stimmgabel an meinen Beinen herumklopfen - ich sollte dann immer sagen, wie lange ich das Vibrieren fĂŒhlte usw.
Immerhin ein Gutes konnte sie mir mitteilen, dass sie nĂ€mlich "Parkinson" ganz sicher ausschlieĂen konnte.
(Uff, natĂŒrlich hatte ich da auch schon drĂŒber nachgedacht gehabt, heimlich allerdings nur, weil ich F. niemals mit so etwas beunruhigen wollen wĂŒrde.)
Dann alllerdings wurde es unkonkreter, zwar wolle sie an meinen Beinen noch eine Messung mit Strom durchfĂŒhren, aber in 95 % aller FĂ€lle wĂŒrden sich die Ursachen fĂŒr einen Tremor, wie ich ihn an Armen und Beinen habe, nicht herausfinden lassen.
Es könne z.b. genetisch bedingt sein, ob so etwas in unserer Familie denn schon vorgekommen sei oder ob ich selbst so etwas in jungen Jahren schon einmal gehabt habe? (Das sei öfter so, dass es auftrÀte, jahrzehntelang Ruhe gÀbe, um dann wiederzukommen.)
Das konnte ich alles verneinen, also wird vermutlich gar nix dabei herauskommen, sondern ich werde damit leben mĂŒssen, denn die einzige Lösung, die sie mehr oder weniger anregte, halte ich fĂŒr wenig praktikabel.
Wie es denn mit Alkohol bei mir aussÀhe, wollte sie nÀmlich wissen und ich sagte, dass ich schon seit langer Zeit keinen Tropfen mehr trinke.
Was sie fast zu betrĂŒben schien.
"Nicht, dass ich Ihnen das Trinken nun emfpehlen möchte", meinte sie, "aber es ist tatsÀchlich so, dass etwas Alkohol das Zittern bei den Betroffenen oft verschwinden lÀsst.
Am Ende bekam ich dann noch einen Termin fĂŒr die Stom-Folter - zumindest sagte sie, dass das nicht unbedingt angenehm sei, dann zog ich meiner Wege, die sich so gestalteten, dass ich tatsĂ€chlich keinen Cent loswurde, weil kein Laden das hatte, wonach ich suchte.
ZurĂŒck fuhr ich mit dem Bus, um dann daheim festzustellen, dass ich den Termin gar nicht wahrnehmen kann, denn ausgerechnet an diesem Morgen muss F. zum Lungenfacharzt und das geht ohne meine Begleitung nicht mehr.
Also rief ich eben an und bekam einen neuen - ohne Kalender geht hier inzwischen echt nix mehr. đ
Und nun werde ich gucken, ob meine WĂ€sche schon fertig ist und in den Garten kann, dann ab in die KĂŒche, um aus dem Rest der HĂŒhersuppe ein Frikassee anzufertigen.
Dazu wird es Reis geben und Eisbergsalat, F. freut sich schon ... đ
Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! đ
Seit mein Auto beim Lackierer ist bin ich auch nur noch zu FuĂ. Das finde ich nicht schlecht. Allerdings steht der geschenkte Trolly im Keller. Den sollte ich mal hoch schleppen damit ich einkaufen gehen kann. Ins Nachbarort sind es 5 Kilometer. Also geht es mogen los. Hin und zurĂŒck. Da brauche ich keine Muckibude. Ich verfolge deinen Bericht aufmerksam, denn ich möchte mir auch einen Termin beim Neurologen machen lassen. Auch wenn du schreibst, daĂ warscheinlich NIX fabei raus kommt. Aber abgeklĂ€rt ist's und das ist doch sehr wichtig.
AntwortenLöschenSieht dein Hausarzt das denn auch so, dass du sowohl zum MRT wie auch zum Neurologen solltest und wo genau sitzt das Problem, wegen dem du Handlungsbedarf siehst?
LöschenUnd ja, mitunter kann es schon sehr gut sein, wenn bestimmte Dinge ausgeschlossen werden können, so wie in meinem Falle Parkinson.
Hallo, Liebe "Rex-Mama!"
AntwortenLöschenVielen Dank fĂŒr diesen groĂartigen Beitrag!
Sehr inspirierend wir, du alle HĂŒrden nimmst.
Es motiviert sehr, wie du mit den Ărzten, Menschen und deiner Gesundheit umgehst.
Unbequeme Wartezimmer beim Doktor? - Ob die verhindern wollen, dass mehr Patienten kommen?
Normalerweise sind das doch alle ergonomisch tipptopp aufbereitete Möbel. Wirklich seltsam.
Mach weiter so und vor allem lass dich nicht bremsen.
Auf HĂŒhnerfrikassee hĂ€tte ich auch Lust.
Liebe - auf ins Wochenende - GrĂŒĂe
Vom lifeminder
Ich vermute mal, lieber lifeminder, dass diese Bank deutlich gĂŒnstiger war, als teure StĂŒhle zu kaufen, auĂerdem isses so natĂŒrlich beim Putzen deutlich einfacher - nun wĂŒnsche ich mir gerade, alle meine Möbel wĂŒrden auch an der Wand hĂ€ngen. đ€Ł
LöschenLiebe Du-auch-immer-schön-gesund-bleiben,-gell-GrĂŒĂe zurĂŒck! :-))