Dienstag, 24. Januar 2023

Die Rechnung ging auf

 Zumindest insofern, als dass wir tatsächlich beim Arzt relativ lange warten mussten, doch war ich davon ausgegangen, dass wir diese Zeit nutzen könnten, um uns mal bissl durchzuwärmen, war das ein Schuss in den Ofen, buchstäblich sozusagen, denn sämliche Heizkörper in den Praxisräumen waren abgedreht und im Sprechzimmer standen sogar die Fenster auf Kipp, aber das sollten wir erst später feststellen, weil wir zunächst einmal in den Wartebereich verfrachtet wurden, der zum Empfang hin offen ist, so dass ich alles mitbekam, was sich dort abspielte, und gleichzeitig auch F. im Blick hatte, der diagonal gegenüber vor mir auf einem Stuhl saß.

Ähnlich wie wenn Rex den Kopf schräglegt und die Ohren spitzt, schien auch F. interessiert zu sein, was sich hinter seinem Rücken abspielte, wo eine Frau recht lautstark mit den Damen an der Theke herumdiskutierte.

Es nützte ihr nichts, auch sie musste noch warten und so kam sie mit ihrem pink leuchtenden Rollator hereingewackelt und ich sah, wie sich Fs Augen weiteten.

Das war aber auch ein Anblick - vielleicht Mitte 70 mochte sie sein, das lange graue Haar zu einem mädchenhaften Zopf gebunden, die Augen von einer überdimensionalen Sonnenbrille bedeckt, hatte sie sich in einen weiten Flokatimantel gehüllt, der offenstand und den Blick freigab auf eine Vielzahl von Mustern und Farben.

Einen so bunten Pullover sah ich selten, die Hose war nicht minder bunt, nur hier waren die Muster kleiner und noch wirrer, und nach unten hin wurde das Ganze abgerundet von einem Paar extrem klobiger, viel zu groß wirkender Boots mit dicken Plateausohlen, die alle Leuchtfarben dieser Welt in sich aufgesogen zu haben schienen.

Durchaus beeindruckend, diese Dame, die mir wie ein spätes Hippiemädchen vorkam, das irgendwie gar nicht mitbekommen hatte, dass die Zeit weitergelaufen war. 💃

Außer einem "Guten Morgen" wechselten wir kein Wort mit ihr, zumal sie auch die ganze Zeit damit beschäftigt war, in ihrer großen - bunten 😁 - Tasche herumzukramen, trotzdem stimmte uns ihre Anwesenheit beide fröhlich und als sie dann vor uns aufgerufen wurde, bekam ich mit, wie F.s Augen ihr über der Maske fassungslos, aber sehr belustigt hinterherschauten. 😎😁

Als es dann auch für uns so weit war und wir im (sehr kalten) Sprechzimmer auf den Arzt warteten, sagte er - immer noch grinsend - zu mir:

"Na, des war ja amol a Muscht'r, so ebbes han i au no net g'sehe ..." 🤣

Auf dem Schreibtisch lagen Papiere und ich beugte mich vor in der Hoffnung, kopfüber etwas entziffern zu können ... "Goh doch glei ganz rum", meinte F., "dann kannsch des bess'r lese", und ich antwortete: "Jau, doof wäre das nicht, dann könnte ich auch direkt in den PC gucken ...", war ich doch extrem neugierig auf die Ergebnisse der Schilddrüsenuntersuchung.

Natürlich unterdrückte ich diese Gelüste, stand nicht auf, sondern konzentrierte mich stattdessen nun auf die hohe Kübelpflanze, die den gesamten Erker ausfüllt und deren Äste bis weit über den Schreibtischstuhl hängen.

"Vielleicht hat der Doc deshalb eine Glatze, weil die Blätter immer an seinem Kopf herumschrubbeln?", mutmaßte ich, brachte F. damit vollends zum Lachen und so waren wir bestens gelaunt, als sich der Arzt dann zu uns gesellte.

"Was kann ich für Sie tun?"

Was für eine Frage ...

"Na, wir wollten das Ergebnis der Szintigraphie erfahren", sagte ich - fast ein wenig vorwurfsvoll, obwohl mir natürlich klar ist, dass die von Sprechzimmer zu Sprechzimmer hetzen, von Patient zu Patient.

"Ach so, ja, Moment bitte", nun vertiefte er sich in seinen Bildschirm und meinte dann:

"Oh, der Kollege ist sehr zufrieden mit Ihnen, abgesehen von einer ganz leichten Unterfunktion ist alles in bester Ordnung.

Die Einnahme von niedrig dosiertem L-Thyroxin hält er trotzdem für angebracht, um einer künftigen Vergrößerung der Schilddrüse vorzubeugen - okay, damit kann F. leben.

Dann leitete er den Abschied ein, wollte uns wohl schnell wieder loswerden, doch nun sagte ich:

"Moment, wie siehts denn eigentlich mit den Ergebnissen der Blutabnahme vom Freitag aus? Wenn ich das richtig interpretiere im Diabetes-Büchle, dann hat sich da doch etwas verbessert?"

"Oh, gut, dass Sie mich daran erinnern, ja, auch ich bin sehr zufrieden, das schaut alles gut aus ..."

"Jawoll, und einige Kilos weniger bringt er inzwischen ja auch schon auf die Waage", unterbrach ich ihn und hatte ihn damit vollends.

"Wow, ja, ich sehe es gerade, das ist ja prima!"

"Klar", grinste ich, "ich hab ja nun den Daumen auch heftig drauf auf dem Süßkram." 😁

"Hören Sie bloß weiter auf Ihre Frau, die hat da einen guten Überblick und alles im Griff", grinste er nun seinerseits F. an und so waren wir alle drei wirklich fröhlich, als wir uns dann wirklich trennten.

Zurück beim Empfang war F. wohl einmal mehr mehr als froh, dass ich dabei war, denn er hatte den Überblick längst verloren, was es dort noch zu regeln gab, und da ich schneller als der Computer war, reklamierte ich das noch gar nicht veranlasste Rezept und einen Moment später standen wir mit dem Zettel sowie einem weiteren mit einem Termin für die nächste Kontrolle wieder auf der Straße.

F. schickte ich heim, ging selber noch rasch zur Apotheke, wo das Gewünsche auch vorrätig war, doch zu Hause machte F. mich dann stutzig:

"Hasch du net g'sagt, da sollten 100 Tabletten drin sein? Guck amol, da steht ja nur 50." 😲

Potzblitz, sollten die mich betuppt haben, 100 Stück abrechnen, aber nur fuffzich rausrücken? 😧

Nein, hatten sie nicht, aber das war tatsächlich schwer zu erkennen, und zwar, weil die deutsche Rechtschreibung grad mächtig den Bach rungergeht.

'50 Milligramm Tabletten' lautet die Aufschrift auf der Packung und auch ich saß F.s Irrtum zunächst auf, sah dann aber, dass weiter unten die korrekten 100 angegeben sind.

Der springende Punkt sind die fehlenden Bindestriche, die die deutsche Rechtschreibung zwingend vorsieht, die nichtsdestotrotz aber immer mehr aus der Mode kommen, obwohl sie auch in diesem Falle das Missverständnis vermieden hätten.

Schuld daran ist, dass wir uns viel zu viel am Englischen ortientieren, und dann natürlich die Werbewirtschaft, die es wohl einfach schick findet, auf Regeln zu pfeifen.

Hier ein kurzer Artikel dazu,  der gut erklärt, wie bescheuert es ist, wenn man Rechtschreibregeln der Mode unterwirft, wobei das unsägliche Gendern unsere Sprache nun natürlich noch vollends verhunzt.

Neben dem, dass ich es von der Idee her für absolut kontraproduktiv halte, ist es das ganz sicher, was mich bei der Genderei so erheblich abstößt - ich bin ein ziemlicher Fan von Sprache und hasse es, wenn man sie mutwillig immer unlogischer und unverständlicher macht. 🙄

Und damit genug für heute, denn nun will ich losflitzen zum Einkaufen, weil morgen ein größerer Küchentag ansteht. 

Lasst es euch gutgehen und ... bleibt bitte gesund! 🙂




2 Kommentare:

  1. Also das mit der Schilddrüse habe ich auch. Und mehr als Tabletten verschreiben können diese Leute in den weissen Kittelchen auch nicht.
    Ich hatte vor vielen Jahren eine beidseitige Struma OP. Ausser der Gabe von Tabletten haben keine Ideen. Ich nehme seit Jahren keine Tabletten mehr und lebe noch. Das habe ich auch schon gesehen, dass man Gramm angibt und keine Stückzahl mehr. Was soll das? Ja, die Rechtschreiberegeln. Dampfschifffahrt schreibt man jetzt mit 3 F. Die können mit mal im Adler besuchen, wenn der Ochsen zu voll ist. Ich denke du verstehst meine Anmerkung. Die EU Sesselfurzer haben sich wieder was ausgedacht: Insekten essen für's dämliche Volk.

    AntwortenLöschen
  2. Hm, ich mache ja sehr viel mit Kräutern und versuche Chemie zu vermeiden, wo es nur geht, auf der anderen Seite bin ich aber auch froh, dass es sie gibt, wenn etwas anderes nicht hilft.
    Die Rechtschreibreform, seufz, die war zwar dringend nötig, wurde aber leider komplett verbockt und es ist schade, wenn dann Wirtschaft und Medien noch das Ihrige dazutun, um an sich klare Verständigungsmöglichkeiten zu verwässern, so dass Missverständnisse vorprogrammiert sind.
    Die Insekten - na ja, wir betreiben mit uns Menschen ja sozusagen Massentierhaltung und wie dabei üblich, müssen immer absonderlichere Arten der Ernähung her, damit es funktionieren kann.
    Also immer rin mit den Maden und Käfern. 😁
    .. wobei das aber wohl tatsächlich auch Gewohnheitssache bzw. davon abhängig ist, wie wir aufwuchsen. Meine Schwägerin erscheint es z.B. sehr normal, Heuschrecken und anderes Zeugs zu essen.

    AntwortenLöschen