... ziemlich geschockt bin und der Einfachheit halber habe ich einfach mal hierher kopiert, was ich F.s Schwester in aller Kürze über WhatsApp schrieb, nachdem ich heimgekehrt war:
"Er lag also fest unter die Maske gezwungen und litt heftig darunter, konnte natürlich auch nur sehr mühsam sprechen. Nach und nach wurde er etwas entspannter, ab und zu tauchten Menschen auf, die mir erzählten, dass sich der CO2-Wert leider noch nicht verbessert habe, aber seit Ärzte keine weißen Kittel mehr tragen, kann man sie ja gar nicht mehr von Pflegern unterscheiden, also wusste ich im Grunde gar nicht so genau, wer mir was erzählt hatte. Dann tauchte ein noch ziemlich junger Mann auf, stellte sich als Stationsarzt vor und erzählte uns was von einer 24-Stunden-Regel, die in diesem Falle besagen würde, gäbe es keine eklatante Besserung, würde er F. gerne ins künstliche Koma legen wollen und beatmen.
Das haute mich fast um und wir sagten beide, dass uns das absolut nicht gefiele. Dann verschwand er, ja, er würde uns noch bissl Zeit geben, vielleicht würde sich der Wert ja noch bessern.
Dann kam ein Pfleger, mit dem ich mich dann erst mal ausführlich unterhielt, u.a. erzählte ich ihm, dass die in der anderen Klinik auf der Intensiv ganze 12 Tage Geduld hatten, bevor der Wert wieder im Grünen Bereich war, und zwar ganz ohne diese Scheiß-Beatmung.
Wir redeten immer weiter, er bekam es mit, wie sehr ich mich kümmerte und nebenher immer wieder Atemübungen mit F. machte, daraufhin entdeckte er sein Herz für uns, meinte, dieser Arzt sei vielleicht etwas übereifrig, und begann uns zu unterstützen. Er tauschte Maske gegen Nasenbrille aus, juchuuu, F. hatte sogar Lust auf einen Joghurt, nebenher vermeldete der Pfleger, dass der Wert gesunken sei - die Übungen hatten also sichtbar etwas gebracht.
Dann kam er noch mit so einem kleinen Atemtrainer an, wie wir sie eh in allen möglichen Versionen haben, trainierte dann auch selber mit F. und dieser war natürlich irgendwann groggy, aber auch sichtbar zufrieden.
Dem Pfleger fiel es ebenfalls auf, dass F. ja völlig klar im Kopf ist, mehr als deutlich sogar - also kann es mit der CO2-Vergiftung nicht so dramatiscch sein wie letztes Jahr, denn da war er geistig recht weggetreten dadurch.
Kurz bevor ich ging, verpasste er ihm dannn wieder die Maske, denn sowohl Sauestoffsättigung wie auch CO2 hatten sich etwas verschlechtert, aber ich finde, das ist durchaus ein Anfang ..."
Geschockt, weil ich es nun zum zweiten Mal erlebe, wie schnell sich manche Ärzte für ein künstliches Koma inkl. Beatmung entscheiden möchten, obwohl man damit gerade bei Älteren wirklich erhebliche Schäden anrichten kann.
Natürlich gibt es Fälle, wo es unumgänglich ist, aber so weit sind wir meiner Meinung nach nicht und auch dieser Pfleger schloss sich dann ja dieser Ansicht an, nachdem er sich mal etwas eingehender mit F. beschäftigt hatte.
F. und ich waren uns also einig, sooo nicht, zur Not hatten wir schon überlegt, ihn in ein anderes KH verlegen zu lassen, zumal mir diese eine ärztliche Meinung bei einer so gravierenden Entscheidung sowieso nicht genügt hätte.
Ich hoffe inständig, dass ich es richtig sehe, wobei der Mann, der bei meiner Ankunft so herumlag:
... inzwischen regelrecht zum Leben erwachte. Nicht nur meine Anwesenheit, sondern auch meine Aktionen taten ihm unübersehbar gut, und nachdem ich feststellte, dass die ihm sein Handy immer noch nicht gegeben hatten, obwohl ich telefonisch mehrmals darum bat, änderte ich das und sorgte auch dafür, dass er ein Tischchen bekam, um es darauf ablegen und über dem Bett griffbereit zu haben.
Fast witzig wurde es dann noch mit dem Fernseher, den es ja normalerweise auf Intensivstationen nicht gibt, aber hier hing einer an der Wand.
Als ich F. darauf aufmerksam machte, knötterte er unter seiner Maske hervor, nein, das sei doch kein TV, sondern etwas Medizinisches, was ich daraufhin kurzerhand mit einer Schwester abklärte.
Jawoll, ich hatte recht und kurz darauf lief das Ding - was für eine willkommene Abwechslung, wenn man sonst den ganzen Tag nur das Piepsen der Geräte hört, und so kam mein lieber F. Stück für Stück in Fahrt. Ich überzog die erlaubte Besuchszeit um satte zwei Stunden, wäre am liebsten die ganze Nacht geblieben, daber daheim wartete ja auch noch ein anderes Männchen auf mich, etwas haariger halt.
Apropos haariger - die haben F. kurzerhand seinen gesamten Vollbart abrasiert und nun geschah das, wovor ich mich seit geraumer Zeit "fürchtete". Wer weiß, sagte ich schon oft, was für ein Runzelmänne mich darunter erwarten würde, wenn die Borsten mal abkämen?
Und nun wurde ich aufs Angenehmste überrascht, denn nix ist mit Runzeln, ganz im Gegenteil kam darunter etwas richtig Knackiges zum Vorschein, so beeindruckend, dass ich es fast bereute, dass wir schon verheiratet sind, denn sonst hätte ich da doch glatt ein Objekt zum Anbaggern gefunden. 😀
Der Heimweg im Stockdunkeln war dann leider nicht besonders angenehm, denn in unserer kleinen Stadtteil-City wimmelte es von jungen Herren, an einem Wettbüro musste ich vorbei, an Dönerbuden, an "Kiosken" und vor dem arabischen Lebensmittelladen und auf dem Marktplatz herrschte erst recht reges Treiben, aber immerhin gab es mir nicht viel wegzunehmen, außer einem Beutel mit F.s Klamotten.
Nein, diesen Gefallen taten sie mir nicht, also musste ich das Zeugs selber in die Maschine stopfen, wo es inzwischen schon fertig gewaschen sein dürfte.
Nun ist es schon 23:50 und mein Mann ist immer noch munter, hält mich auf dem Laufenden mit Sauerstoffwerten, die er vom Bett aus auf dem Bildschirm mitverfolgen kann, und sie begeistern mich mehr und mehr.
Toitoitoi, dass das dann auch mit Nasenbrille statt Sauerstoffmaske so laufen wird und das die CO2-Werte gleichzeitig sinken.
Lustig übrigens, dass er gezwungenermaßen gerade Sport schauen muss, nachdem wir in den letzten Tagen so oft darüber diskutierten. Im KH kann er nur das Erste empfangen und dort läuft halt ... Sport. 😅
So, und nun muss ich schauen, ob ich auf dem Sofa ein paar Stunden zur Ruhe kommen kann, immer in der Hoffnung, dass es mit F. weiter aufwärts geht ...
Was sich leider entgegen dem Eindruck, den er auf mich machte und den auch die Nachtschwester bei einem Telefonat um kurz nach Mitternacht mir vermittelte, nicht bestätigte, denn gerade sprach ich wieder mit diesem Arzt, der vermeldete, F. habe eine schlechte Nacht gehabt und es gehe weiter in Richtung künstliches Koma und Beatmung.
Ich werde verrückt vor Angst, müsste unbedingt vor Ort bei ihm sein, aber man er laubt es mir nicht und ich könnte die Wände hochgehen, weil Wochenende ist und ich keinen seiner Ärzte oder überhaupt jemanden erreichen kann.
PS: Nun versuche ich ständig die Nummer von AOK Clarimedis anzurufen, wo man vielleicht mal eine andere ärztliche Meinung hören könnte, aber da ist ständig besetzt.
Über ein anderes Portal der AOK habe ich einen Rückruf vereinbart, doch der kann Stunden auf sich warten lassen, während mir die Zeit davonrennt.
PS2: Nun habe ich einfach mal bei dem Krankenhaus in der Nachbarstadt angerufen, dessen Chefarzt des Lungenbereiches während Corona oft in den Medien vorkam, weil er eben nicht sofort auf Beatmung und künstliches Koma setzte.
Ergebnis, nein, sie können da gar nichts machen, auch keinen Rat geben, es hängt allein vom jetzt behandelnden Arzt ab, ob er einer Verlegung zustimme ...
PS3: Jetzt habe ich wieder auf Intensiv angerufen, man ist im Moment dabei, ihm "größere Zugänge" zu legen, sieht das künstliche Koma inkl. Beatmung als unumgänglich an und ich sitze hier, habe keinen Menschen, mit dem ich darüber reden könnte und werde langsam echt verrückt.
Und nun das schlimmste Update, gerade überschlugen sich die Ereignisse, eine Ärztin von Clarimedis rief mich an und während wir über den Sachverhalt sprachen, ging mein Handy - die Chefärztin des Krankenhauses teilte mir mit, dass man F. nun "schlafen gelegt" habe, auf seinen eigenen Wunsch hin, weil die Nacht mit der Sauerstoffmaske extrem anstrengend gewesen sei.
Um 13 Uhr darf ich also dort sein, werde aber nur einen nicht Anwesenden antreffen, während Maschinen das Atmen für ihn übernehmen.
Es ist unbeschreiblich, wie entsetzlich alleine man sich fühlen kann ...

Eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen zerrt ganz heftig an deinem Nervenkostüm. Es sollte doch möglich sein, daß du eine Zweitmeinung bekommst. Bei mir hat damals die Zweitmeinung eine Prostata OP erspart. Mein Urologe meinte er wolle versuchen, das ohne OP zu lösen. Der behandelte Urologe hier vor Ort hatte mich schon im KH für eine OP angemeldet. Das Krankenhaus rief mich an und fragte wann ich denn zur OP kommen wollte. Ich sagte , daß ich mir eine Zweitmeinung einholen möchte. Und ich bin dankbar dafür, daß es sich ohne OP ab gegangen ist. Ich wünsche euch weiterhin gute Besserung.
AntwortenLöschenJa, natürlich macht eine Zweitmeinung meist sehr viel Sinn, aber wenn es akut ums Überleben geht, fehlt ganz einfach die Zeit dazu, denn man kann ja nicht mal eben mitsamt all seinen Verkabelungen aus der Intensivstation hinausspazieren, um einen anderen Arzt aufzusuchen.
LöschenNun ist es eh geschehen und man kann nur noch abwarten. Danke für deine Wünsche, die können wir mehr als gut gebrauchen.
Hallo, Liebe Rex-Mama!
AntwortenLöschenMan bangt mit Euch ! - Ich kann es kaum erwarten, wieder Geschichten zu lesen - in dem du selbst deinem Mann wieder den Bart stutzt und ihn anbaggerst.
Der Erste Teil vom Blog war so Hoffnungsvoll.
Dann bekommst du einige Stunden später solche Nachrichten - die alles andere als gut sind. Dennoch "F" ist ein starker Typ, wie stark kann man auf dem Foto deutlich erkennen. "Ein Bär von einem Mann".
Das mit der Zweitmeinung ist sehr vernünftig. Ich hoffe, man unterstützt dich hierbei nun von allen Seiten - das du im Krankenhaus mit dem Pfleger eine Art verbündeten hat, kann auch nicht schaden.
Der Arme Rex wird es wohl auch kaum abwarten können, euch Beide wieder um sich zu haben. - Das ist sicher schon bald!
Bleib so voller Zuversicht und weiter so stark und so mutig, du mach das alles ganz wunderbar.
Vertrau auch weiterhin auf dich!
Liebe - bald ist alles gut - Grüße
Vom lifeminder
Dann täuscht das Foto gewaltig, lieber lifeminder, denn F. ist so gar kein "Bär von", sondern einfach nur ein schwerkranker Mann.
LöschenBei der Zweitmeinung wäre es um die Entscheidung gegangen, ihn ins so genannte künstliche Koma zu legen, aber das hatte sich ja dann erledigt, inzwischen befindet er sich schon seit fast 24 Stunden in Vollnarkose und wird von Maschinen beatmet.
Zuversicht?
Ich bestehe im Moment eigentlich nur aus Angst und kann nur inständig darauf hoffen, dass Medikamente und die momentane Entlastung des Atemapparates anschlagen und ihn vielleicht noch einmal zurück auf die Füße bringen.
Liebe Grüße zurück!
Ja Zuversicht! - und das du nur Aus Angst bestehst ist das normalste von der Welt, wem würde es nicht so gehen! - Deine Zuversicht ist das "F" auf die Füße kommt, das der Atemapparat zur Genesung beiträgt. - Ich zitter und biber von hier mit dir - aber mit großer Zuversicht.
AntwortenLöschen"F" wird wie ein Bär um seine Gesundung kämpfen - um bald wieder bei dir zu sein.
Und du bleib so tapfer!
Besonders liebe Grüße
lifeminder
🤗
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