Ich mache mich langsam fertig, weil ich um halb neun in Richtung Krankenhaus starten will, telefonisch habe ich mit der Intensivstation vereinbart, dass man mich etwas früher als ab 10 Uhr hineinlassen wird.
Geschlafen habe ich kaum und als ich dann doch einmal wegdöste, war es Rex, der mich um vier Uhr wieder herausriss - klar, in den letzten Tagen hatte ich ihm schon spät in der Nacht bzw. am sehr frühen Morgen sein Frühstück gegeben, das forderte er nun ein.
Aionos sagt zum Luftröhrenschnitt Folgendes:
🌬️ Warum ein Luftröhrenschnitt oft Erleichterung bringt
Ganz allgemein wird eine Tracheotomie gemacht, wenn jemand länger beatmet werden muss oder wenn die Atemarbeit über den Mund-Rachen-Bereich zu anstrengend wird. Typische Gründe, warum sie als Erleichterung empfunden wird:
- Weniger Belastung für den Körper:
Das Atmen über einen Tubus im Hals ist für den Körper oft leichter als über einen Schlauch im Mund oder in der Nase.- Weniger Stress beim Atmen:
Eine zu hohe Atemfrequenz bedeutet, dass der Körper kämpft. Eine Tracheotomie kann diesen Kampf reduzieren, weil der Atemweg stabiler und offener ist.- Weniger Sedierung nötig:
Viele Menschen können nach einer Tracheotomie leichter wach werden, weil der Schlauch im Hals weniger unangenehm ist als der im Mund.- Schonender für die Luftröhre:
Langzeitbeatmung über den Mund kann die Schleimhäute reizen. Ein Luftröhrenschnitt ist langfristig oft die sanftere Lösung.
Ich kann nur hoffen, dass er F. also wirklich Erleichterung bringen wird und dass man ihn danach zeitnah wieder wach werden lässt.
13:06 - ich bin wieder zu Hause, völlig durchgefroren, denn im KH ist es sehr kalt. Sie könnten da nichts ändern, sagte mir die Schwester, die zentrale Klimaanlage sei so eingestellt, dass überall 22° wären, aber sie merkten selber auch, dass das nicht hinkommt.
An den Haltestellen ist es natürlich auch nicht wärmer, vor allem auch von unten nicht, die Metallbänke, so denn überhaupt welche vorhanden sind, wirken wie ein Eispanzer unter dem Popo und in der Straßenbahn setzt sich das fort, denn die neuen haben keine Plüschsitze mehr, sondern sind ebenfalls nur noch kalt.
Mein armer F. liegt nun wieder in Narkose, tief schlafend traf ich ihn an, aber immerhin wirkt er so deutlich entspannter als gestern, wo er die ganze Situation ja kaum ertragen konnte.
´Wenn man doch nur ein zweites Bett neben seines stellen könnte, so dass ich immer da sein und seine Hand halten könnte. Wie schon am Tag nach der Einlieferung war es nicht zu übersehen, dass meine Anwesenheit eine deutliche Besserung bewirkt, er entspannt sich dann zusehends und sobald die Panik weg ist, klappt es auch mit dem Atmen sehr viel besser - aber leider geht das ja nicht und nun müssen wir schauen, wie es weitergeht.
Die Schwester war sich gar nicht sicher, ob die Tracheotomie, also der Luftröhrenschnitt, nicht schon heute durchgeführt wird, auf jeden Fall geht sie aber davon aus, dass man F. anschließend ganz schnell wieder aufwachen lässt, hoffentlich in eine Situation hinein, die angenehmer für ihn ist, dann ohne den Beatmungsschlauch im Hals und ohne die blöde Sauerstoffmaske.
Als ich eben zur Tür hereinkam, galt mein erster Blick dem Telefon, um Gottes Willen keinen Anruf verpassen, prompt sah ich, dass da einer gewesen war und schon kochte die Panik in mir wieder hoch. Noch in Jacke und Schuhen rief ich die mir unbekannte Handynummer zurück, um dann erleichtert festzustellen, dass es meine Tante gewesen war.
"Moment", sagte ich, ich rufe dich gleich am Festnetz zurück, muss nur mal eben aus der Jacke raus.
Weia, und nun bimmelt grad mein Handy, erinnert mich ans Auschecken aus dem dämlichen "eezy NRW", das ich vor lauter Telefonpanik ganz vergessen hatte.
Gut, ist erledigt, zurück zur Tante, mit der ich ein nettes Gespräch führte, und ich muss schon sagen, es tut mir wirklich gut, wenn liebe Mitmenschen an mich denken, seiet es nun ihr lieben Blognachbarn, meine Tante und mein Cousin oder auch A., die sich eben über WhatsApp nach F. erkundigte.
Sonst weiß es eigentlich kaum jemand. Meinem Bruder hatte ich es heute vor einer Woche geschrieben, als er mir den Zeitungsartikel über seine Tochter schickte, "Ach je, und das zu Weihnachten", lautete seine Reaktion, mehr kam seitdem nicht und als sich meine Schwester gestern Abend meldete, um mir zu sagen, dass der an meinem Geburtstag ausgefallene Anruf nicht etwa vergessen sei, sondern nachgeholt würde, sobald ihre Erkältung und Heiserkeit nachließen, und ich es ihr daraufhin sagte, meinte sie "Oh je, dann wünsche ich euch, dass es besser wird".
Wodurch es mir so richtig bewusst wir, für welche Gefühlskälte meine Mutter in unserer Familie gesorgt hatte. Vielleicht ist das auch das falsche Wort, denn es geht eher darum, dass man seine Gefühle nicht zeigt und vor allen Dingen nicht teilt, etwas gemeinsam durchsteht.
Gestern war der Todestag meines Papas, ein schreckliches Déjà-vu, das jetzt von Anfang an die ganze Zeit wie ein Damoklesschwert über mir hing - ich werde doch nicht das Gleiche ein zweites Mal erleben müssen?
Morgens um halb acht war der kritische Punkt, als er verstrichen war, atmete ich ganz vorsichtig auf, zumal dann ja auch die Nachricht kam, F. sei wach, doch ich hatte mich zu früh gefreut, abends folgte der böse Hammer dann doch noch, auf jeden Fall war es auch damals so unerträglich kalt zwischen uns.
Wir waren sofort alle im Elternhaus versammelt, doch alle rissen sich am Riemen, es gab keine Träne, kein Wort über Papa, keine Anzeichen von Trauer - alle wirkten leicht versteinert und erledigten, was getan werden musste.
Ich denke, meine Geschwister übernahmen das völlig unreflektiert von unserer Mutter, genau wie diese von ihrer und die vermutlich schon von ihrem Vater.
Papa und ich tickten ganz anders, aber ... wenn ich es recht überlege, auch nur, wenn wir unter uns waren, zusammen mit den anderen bestand nämlich immer die Gefahr des verächtlichen Ausgelachtwerdens.
Nun meldete sich grad auch noch meine Freundin aus Süddeutschland, die um 17 Uhr Lust auf ein Adventspläuschchen hat, okay, alles ist mir recht, was mich im Moment bissl ablenkt, also wird mein eigentlich dringend nötiges Nickerchen gestrichen, wofür ich vermutlich eh nicht die Ruhe gefunden hätte, obwohl ich eben im KH merkte, dass ich dort drohte vor Entschöpfung einfach wegzunicken.
Das hätte auch noch gefehlt, dass ich da pennend vom Stuhl rutsche ... 🙄
Am besten wird es sein, ich steige nun erst einmal in die Badewanne, um mich aufzuwärmen, kurz nur und natürlich das Telefon immer in Griffweite, zwischendurch noch etwas Schreiben mit F.s Schwester, die natürlich auch in großer Sorge ist, zumal bei ihr selbst ja im Januar auch noch die große Herz-OP ansteht ...
Und was mir gerade noch einfällt, ist der Heiligabend. Ich hatte darauf gehofft, für den Fall, dass F. bis dahin schon in der Lage sein sollte, etwas wirklich wahrzunehmen, eine Minibescherung zu veranstalten, indem ich ihm das Geschenk, über das er sich mit Sicherheit am meisten freuen wird, mitnehme und es ihn dort auspacken lasse, doch der Heiligabend wird sich, sollte er denn stattfinden können, als Heiligmorgen entpuppen, las ich doch eben in der Bahn, dass an diesem Tag nur bis nachmittags gegen 15 Uhr die normalen Fahrpläne gelten. Ab dann gibt es nur noch den Nachtexpress, d.h. ich hätte nachmittags kaum noch eine Chance, irgendwie nach Hause zu kommen.
Was sich durch die anstehenden Feiertage eh schon schwierig genug gestaltet, unter der Woche fahren deutlich mehr Bahnen und Busse.
Aber erst einmal müssen wir so weit sein ...
18:08 Zunächst mit meiner Freundin telefoniert, die allerhand über Krankheiten zu berichten wusste und wer in ihrem Umfeld nun schon wieder gestorben sei, danach dann der Anruf in der Klinik.
Hier das, was ich meiner Schwägerin dazu schrieb:
"So, nun habe ich grad angerufen, ein Pfleger marschierte los und reichte mich weiter an eine Schwester, die gerade bei F. am Bett stand, weil sie ihn noch mal etwas gemütlicher umgebettet und ihm auch Inhalation gegeben hatte. Alle Werte im grünen Bereich und der Schnitt wird dann morgen gemacht. Sie sagte, die meisten COPD-Patienten kämen um diesen Schnitt nicht herum, aber der würde auch deutlich helfen, sie sei da sehr optimistisch."
Also heißt es weiter hoffen ...
Bleibt gesund!
Schreck in der Samstagnacht !
AntwortenLöschenBanges Warten den ganzen Sonntag..........
Jetzt bin ich verhalten hoffnungsvoll ☘️
Umarmung
Helga☘️
Toitoitoi, Cöcelchen, drück dich auch ...
LöschenHallo, Liebe Rex-Mama!
AntwortenLöschenIch finde es sehr bewundernswert, wie du trotz der schweren Tage so klar und bedacht schreibst.
Es tut mir weiterhin so leid, was ihr. durchmachen müsst.
Ich hoffe so sehr, dass der Luftröhrenschritt Erleichterung bringt. Auch wenn du nicht immer körperlich an „F´s“ seiner Seite sein kannst, ist deine Gegenwart in seinen Gedanken sicherlich die größte Unterstützung überhaupt.
Was du von deiner Familie schreibst, lässt mich nachdenklich werden. Es muss schwer sein, mit dieser Art von Gefühlsferne umzugehen, besonders wenn du in dieser Zeit so viel Liebe und Nähe gibst. – Ob sie noch nicht die Situation um „F“ vollkommen begriffen haben?
Dein Engagement für „F“. und dein offenes Herz, wie viel Wärme du in dir trägst, das ist etwas, was dir niemand, wirklich niemand absprchen und nehmen kann.
Ich drücke euch weiterhin ganz fest die Daumen und natürlich auch alle anderen Körperteile und hoffe, dass alles besser wird.
Du machst das nicht großartig, du machst das überragend, auch wenn du es vielleicht nicht immer so siehst.
Liebe – nachtdenkliche & hoffnungsvolle– Grüße
lifeminder
Das Aufschreiben ist besonders in dieser Situation ein guter Weg für mich, lieber lifeminder, meine meist sich irre jagenden Gedanken zumindest etwas sortiert zu bekommen - wohl dem, der diese Möglichkeit hat.
LöschenDanke fürs Daumendrücken, jetzt gerade in dieser halben Stunde kann ich es besonders gut gebrauchen!
Du nimmst sehr viel auf dich, daß du in die Badewanne zum Aufwärmen springst kann ich nachvollziehen. Ich hoffe, daß Ruhe findest und schlafen kannst. Das mit den Fahrzeiten mit der Bahn kann ich allerdings nicht nachvollziehen. Das ist nicht sehr Kundenfreundlich um das mal vorsichtig aus zu drücken. Es wäre doch toll, wenn du am 24. eine kleine Bescherung im KH machen könntest. Ich habe viele Päckchen bekommen, das hat mich sehr gefreut. Diese Wertschätzung tut mir gut.
AntwortenLöschenIch habe auch schon darüber nachgedacht, denn die scheinen davon auszugehen, dass Heiligabend sowieso jeder mit seiner Familie feiert, nur was sie übersehen, ist die Zusammensetzung der hiesigen Bevölkerung. Ein großer Teil hat gar keinen christlichen Hintergrund mehr und daher mit Weihnachten nix am Hut. Die würden vielleicht trotzdem gern die Öffis benutzen, genau wie die, die leider allein und ohne Familie dasitzen.
LöschenAber ... da machste nix dran, die Taxiunternehmen wirds freuen.