Sonntag, 28. Dezember 2025

18. Tag, 8:22

 Abgesehen von der Böllerei war die  Nacht ruhig, als ich um halb zwölf im KH anrief, schlief F. friedlich, wie man mir sagte.

Auf WhatsApp-Nachrichten reagiert er leider noch nicht, ob er es nicht kann oder ob man ihm das Tischchen mit dem griffbereiten Handy darauf wieder zu weit vom Bett entfernt hat, werde ich nachher sehen.

Für Rex wird es heute besonders schwer, da ich früher losfahre, um mich um zwanzig nach zwölf mit meiner Schwester in der Stadt zu treffen, dann haben wir zweieinhalb Stunden Zeit und finden hoffentlich ein offenes Café, wo wir bissl quatschen können.

In den letzten Tagen wurde mir bewusst, wie anders als meine eigene die Welt die meiner Geschwister aussieht, die im Gegensatz zu mir beide im Ländlichen leben. Meine Schwester und ihr Mann sind Grundschullehrer, gut situiert und in der Freizeit ständig zu großen Touren mit den Rädern unterwegs, ihr Auto haben sie als brave Grünen-Mitglieder ganz aufgegeben. Als sie sich kürzlich nach F. erkundigte und ich ihr von den Stents erzählte, wiederholte sie das Wort, schrieb es aber "Stand", d.h. dieses Thema ist sehr weit weg von ihr und auch mein Bruder wusste weder, worum es sich dabei, geschweige denn bei einer Herzkatheteruntersuchung handelt.

Möge es ihnen vergönnt  sein, dass sie sich noch lange auf der Sonnenseite des Lebens mit all seinen Vergnügungen und nur wenig Alltagsproblemen bewegen dürfen. 

Schöner wäre es gewesen, wenn wir uns nach dem KH hätten treffen können, ganz ohne Zeitdruck, Ende völlig offen, aber ... es ist mir ja schon zwischen 18 und 19 Uhr im Dunkeln nicht mehr wirklich geheuer da draußen und später, wenn "normale Passanten" dann verschwunden sind und hauptsächlich noch junge Herren unterwegs, nein, dann ziehe ich es doch vor, zu Hause zu sein, auch wenn ich dies spätestens seit dem Einbruch ebenfalls nicht mehr als wirklich sicher empfinde.

Übrigens, von der Staatsanwaltschaft kam die Tage ein Schreiben, nein, man habe den oder die Täter nicht ermitteln können, die Sache sei eingestellt - klar, was auch sonst, Deutschland ist eben ein wahres El Dorado für die, die nichts Gutes im Schilde führen. 

Und damit bin ich auch schon bei Silvester, denn gerade lese ich, dass man auch für diesen Tag wieder Übelstes befürchtet und die Sicherheitskräfte sich auf einiges gefasst machen.

Man ist doch sonst so schnell dabei, wenn es um Verbote und Einschränkungen geht - mir ein Rätsel, warum das in diesem Falle nicht möglich ist, Um- und vor allem auch die Tierwelt würden es sehr begrüßen, doch trotzdem rührt sich nüscht.

Hat man Angst vor dem Ansehensverlust des Staates, wenn es zu einem Verbot käme und sich keiner daran hielte?

Wie fröhlich und unbeschwert waren wir einst in dieser Nacht unterwegs und wie sehr hat sich das doch verändert. So schwer es mir fällt, aber ich werde F. wohl Silvester nur morgens besuchen können, die Fahrerei, vor allem das Umsteigen ist mir abends einfach zu gefährlich und ... gerade läuft in ntv ein Bericht, wie sehr sich auch die Kliniken darauf vorbereiten, hoffentlich ist dann nicht auch bei F. auf der Intensivstation der Deibel los ...  

10:37 ... grad rief meine Tante an, also die Schwester meiner Mutter, wieder ein Stündchen Wartezeit überbrückt, auch wenn ich zunächst immer einen Mordsschrecken kriege und Stoßgebete losschicke, wenn das Telefon schellt.

Und nun mache ich mich langsam fertig ... 

Weia, und nun merke ich, dass ich in der Früh vergessen habe, mein Handy aufzuladen, das darf natürlich nicht passieren, wo ich ja mit diesen blöden Eezy-NRW-Tickets nun unbedingt darauf angewiesen bin. 🙄 

18:58 ... auuutsch, Rex hat während meiner heute ja wirklich sehr langen Abwesenheit die Tür zum Ess- und Wohnbereich weit aufgestoßen, so weit, dass sie sich an seinem Bett verhakte und nicht von alleine wieder zufiel. Nicht gut, denn ich heize ja nur dort, zum Glück aber nur, wenn ich daheim bin, denn zwar war all die schöne  Molligkeit nun in den eiskalten Flur verpufft und das Thermometer auf dem Schreibtisch zeigte nur noch 12,4° an, aber immerhin war die Heizung nicht für nix gelaufen. 

Ansonsten gab es heute nur Positives, hier das, was ich meiner Schwägerin zu F. schrieb: 

"So, bin wieder zu Hause und er gefiel mir richtig gut, war zwar wieder mit seiner Bettpfanne beschäftigt, aber ansonsten ziemlich guter Dinge und eine ältere, etwas resolutere Schwester begeisterte mich richtig, denn sie fragte ihn, wie lange er mit dem Ding im Hals eigentlich noch rummachen wolle? Er KÖNNE allein atmen, der Rest sei im Grunde reine Kopfsache und das müsse er sich unbedingt klarmachen, umso schneller könnten sie ihm das Ding rausziehen, dann würde das Löchlein zuwachsen und er könne endlich wieder sprechen. 
Ab morgen ist ja zumindest kurz mal Pause mit dem ewigen Feier- und Sonntagsgedöns, ich hoffe, dass dann auch wieder mehr geschieht dort und ich vielleicht auch mal wieder einen Arzt zu sprechen bekomme.
Was ich auf dem Monitor sah, war  jedenfalls alles  prima. Ach, und dann begann F. heute auch an seinem Bett herumzuspielen, sich also mit hoch, runter und anderen Verstellmöglichkeiten zu beschäftigen, das ist eindeutig ein sehr gutes Zeichen. 😊"

 

Zuvor hatte ich mich mit meiner Schwester in der Stadt getroffen, sie wartete an der Bushaltestelle schon auf mich und per Internet hatten wir uns ein Bistro ganz in der Nähe herausgesucht, das sich als Volltreffer erwies.

Ein griechisches Lokal, mit ganz klassischer Theke und Barhockern, alles etwas dunkel gehalten, also fast wie die traditionellen Kneipen, in die wir früher so gern gingen, in der Ecke leuchtete ein Tannenbaum, griechische Musik dudelte und wir setzten uns an einen Tisch am Fenster.

Der Laden hatte erst um 12 Uhr aufgemacht, füllte sich nun aber schnell und abgesehen von der sehr freundlichen Bedienung blieben wir die einzigen Frauen und die einzigen Deutschen, was uns aber  nicht störte, nicht einmal die Lautstärke, denn alsbald waren wir von afrikanischen Dialekten, Arabisch, Türkisch, Griechisch und noch anderen Sprachen umgeben.

Das Klo war picobello und der Kakao richtig lecker, was wollten wir also mehr, zumal die U-Bahnstation, von der aus wir beide später weitermussten, nur wenige Meter entfernt war.

Und dann folgte länger als zwei Stunden ein höchst angeregtes und wirklich intensives Gespräch.

Ich weiß es gar nicht, wann wir beide zum letzten Mal allein miteinander waren?

Vermutlich ist das Jahrzehnte her, denn wenn wir uns in den letzten mehr als 40 Jahren trafen, waren unsere Eltern dabei, der Bruder, die Ehepartner, die Kinder meiner Geschwister ... es war immer Rummel und so eine Quatscherei unter nur 4 Augen ist dann doch noch mal etwas ganz anderes.

Vom Höcksken aufs Stöckken kamen wir, sprachen über ihr nächstes Sabbatjahr, das sie ab Juli mitsamt ihren Fahrrädern nach Südamerika führen wird, wo ja auch ihre Tochter mit ihrer Lebensgefährtin lebt, redeten über die Probleme, die sie in der Schule hat.

Selbst in ihrem Eifelnest ist der Anteil der Grundschulkinder mit Migrationshintergrund inzwischen sehr hoch, es gibt enorme Sprachschwierigkeiten, oftmals, weil das private Umfeld dem Erlernen von Deutsch sehr im Wege steht, die Gewaltbereitschaft habe stark zugenommen, sagte sie, schon im zweiten Schuljahr trauchen kleine Mädels mit Kopftüchern auf und die Eltern stellen sich völlig quer, wenn sie mitbekommen, dass es auch Aufklärungsunterricht gibt. 

Außerdem seien viele ungeheuer groß und frühreif, entsprächen schon in der vierten Klasse dem, was früher in der sechsten normal war ...

Alles nicht so einfach für Lehrer und ich gönne ihr das nächste Sabbatjahr von Herzen. 

Auch über die Familie tauschten wir uns aus, redeten darüber, wie sich manche Dinge über die Generationen fortsetzen, was besonders bei uns ja zu manch unliebsamer Folge führte.

Kurzum, es war eine grandiose Idee von ihr, dass wir uns so kurzfristig trafen, und wir haben beschlossen, das unbedingt zu wiederholen, denn wir hätten uns noch jede Menge zu erzählen gehabt, wenn mir nicht die Zeit im Nacken gesessen hätte.

 

Ach, und dann stellte ich noch etwas sehr Feines fest: Wie immer checkte ich  bei Eezy NRW ein, doch der Preis  des Tickets wurde dann mit 0,00 Euro angegeben.

Huch, dachte ich, was'n nu los?

Und dann sah ich, dass dieses Eezy NRW gedeckelt ist, sobald man den Preis fürs Deutschlandticket überschritten hat, fährt man den Rest des Monats für  lau.

Blödes Timing, denn am 1.1. geht die  Rechnung natürlich von vorne los, trotzdem hat mich das aber nun mit dem Zwang zum bargeldlosen Ticket etwas versöhnt, denn hätte ich wie früher lauter Viererkarten gekauft, gäbe es keine Deckelung und ich würde immer weiter löhnen.

 

Und nun wird es Zeit für mein Frühstück ... 😀

 

Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉 

 

 

 

4 Kommentare:

  1. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    Auch dieser Eintrag zauber mir ein Lächeln aufs Gesicht - und dir hoffentlich erst recht?

    Wenn "F" nicht im Krankenhaus wäre, der Gott-sei-dank Tag für Tag Fortschritte macht - und endlich auch das Spielkind wieder in sich entdeckt (Bett hoch, Bett runter - was mein Papa wohl auch herrlich amüsieren würde) wäre das ein Zauberhafter Dezember.

    Auch dass das Personal so positiv ist - freut mich sehr, wobei ich ein wenig auch gehofft hatte, du triffst die Schwester von gestern wieder und ihr wärd noch mal vertiefend ins Gespräch gekommen.

    Dann, das mit deiner Schwester hört sich so schön und wunderbar an - das man sich grad zu euch an den Tisch setzen möchte - wobei besser doch nicht, sonst ist ja die Zweisamkeit schon wieder futsch. - Aber dein Blog ist gerade voller kleiner Wunder - und schade, dass der Dezember fast herum ist und nicht am Beginn steht, sonst wäre dein Blog mein persönlicher Adventskalender geworden.

    Da nehme sogar ich was mit - an dem wie man Menschen begegnet und an Freude und Geschichten an Menschen.
    Einfach wundervoll!

    Bitte geh kein Riskio ein, wenn du nicht musst - und mach das an Silvester mit dem Krankenhausbesuch wie du es in deinen Blog schreibst.

    Um die verlorene - wenn auch nicht umsonst - geheizte Wärme tut es mir ein wenig leid - aber sind auch deine Zeilen über ein Rex, ein Indiz dafür, das es auch dem Rex-Bubi supergut geht.


    Liebe - herzlich umärmelungs - Grüße
    lifeminder

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    1. Wenn, dann ist es aber ein sehr böser Zauber, lieber lifeminder, der uns nun schon seit Jahrzehnten ausgerechnet immer im Dezember trifft, ich jedenfalls bin froh, wenn dieser Monat endlich vorbei ist. ;-)
      Die Belegschaft auf der Intensivstation wechselt gerade ständig und die junge Dame aus Simbabwe habe ich bisher nicht wieder gesehen. Fachlich nicht unbedingt ein Verlust, denn sie war ausgesprochen langsam in allem und vergaß auch ständig Dinge, aber rein menschlich gesehen hätte ich unheimlich gerne weiter gequatscht. Abwarten, vielleicht taucht sie ja heute oder in den nächsten Tagen wieder auf ...
      Diese ältere Schwester beeindruckte mich, weil sie so resolut war und F. klarmachte, dass er gefälligst auch mithelfen müsse. Genau das braucht er jetzt, denke ich, so kleine Anschubser. ;-))


      Liebe Umärmelungs-Grüße zurück! 🤗

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  2. Das mit der Fahrkarte ist einerseits gut andererseits wirklich doof. Ich habe mich dazu entschlossen mir eine neue Krankenkasse über Check24 zu suchen. Meine bisherige Kasse schrieb der Gesetzgeber schreibt vor. Klar irgendwelche welche Deppen dürfen die Großzügigkeit für Asylanten , Migranten und Ukros bezahlen und das sind eben die deutschen Deppen. Hier am Ort schließt zum Jahresende eine Firma. 50 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. Tja, das sind nur bedauerliche Einzelfälle. Ich war schon lange nicht mehr beim Griechen zum Essen. In der Nähe des Bahnhofs gibt es hier ein solches Lokal aber meistens sehr stark frequentiert.

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  3. Dann viel Erfolg mit der Krankenkasse, wir ziehen es vor, da zu bleiben, wo wir sind.
    Das war übrigens kein Speiselokal, sondern nur ein Bistro, wo ich mit meiner Schwester war. Lauter Leute dort, die sich einfach nur miteinander unterhalten wollte, sehr angenehm so.

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