Wie schon um Mitternacht rief ich auch gerade wieder an und erfuhr: "Er ist wach, orientiert, alles gut."
Mehr hatte ich nicht hören wollen und da es auch schon um Mitternacht sehr gut geklungen hatte, liegt nun die erste Nacht seit fast zwei Wochen hinter mir, in der ich mal mehrere Stunden am Stück schlief.
Auf dem Sofa nur, aber trotzdem tat es mir gut und nun mache ich mich langsam fertig, denn um viertel vor neun muss ich los zum Bus.
F.s Hauptgeschenk habe ich nur geknipst, ich will ihn nicht überfordern, indem ich es auspacken lasse, außerdem habe ich die Tasche eh schon voll, neben Stift, Block, Handy, Ladegerät usw. habe ich auch noch ein Tütchen selbstgebackene Kekse für die Schwestern gepackt.
Wenn F. sie schon nicht essen kann, vielleicht freuen sie sich dann ja zumindest darüber und nun wird es auch schon Zeit für den Bus.
Hier das, was ich meiner Schwägerin anschließend schrieb:
"So, gezwungenermaßen bin ich schon wieder daheim. Es ist alle so weit in Ordnung, auch wenn es kurz vor meinem Weggehen noch einen kurzen Schreckmoment gab. Ein junger südostasiatisch aussehender Arzt kam herein, murmelte etwas zunächst unverständlich Klingendes, machte sich an F. zu schaffen und auf einmal sah ich, wie der Blutdruck auf dem Montior auf 40:40 sprang.
Huch, fragte ich, was ist denn nun los, doch das junge Männlein wirkte nicht minder ratlos, fummelte hier, fummelte dort an den Geräten, suchte dann schließlich den gelegten Zugang, mutmaßte (auf einmal doch in nahezu perfektem Deutsch), wenn der dichtsäße, müsse er ihn eventuell neu legen, fummelte wieder an den Geräten herum, murmelte etwas von Neukalibrierung, doch auf der Anzeige änderte sich nix, bis er schließlich die Schwester zur Hilfe rief, die ihm einigermaßen streng erklärte, wo man erst mal anfangen müsse an den Geräten, wenn es da hake.
Ende vom Lied, alles läuft wieder wie geschmiert, nur gestern Abend hatte F. wohl leichtes Fieber und auch jetzt noch 37,6°.
Er entnahm ihm Unmengen an Blutkulturen aus Handgelenk und Arm, das Labor dauert 3-4 Tage, aber sonst war er mit allem zufrieden.
F. kam mir deutlich klarer vor als gestern - was auch der Arzt bestätigte, aber es ist schwer zu berurteilen, da es mit der Verständigung extrem schwierig ist. Gestern hatten wir es ja schon mit dem Schreiben versucht, aber da nahm er den Stift noch in die linke Hand und bekam natürlich gar nichts gebacken, heute nahm er ihn automatisch mit der rechten, ein gutes Zeichen, finde ich, doch mehr als Krakeln ging dann nicht, aber immerhin ein Anfang.
Ich habe dann immer die Buchstaben des Alphabetes aufgezählt, er konnte nicken oder den Kopf schütteln, ansonsten versuchte ich es halt mit Raten und so ging es einigermaßen.
Was du schriebst, las ich ihm vor und das kam auch alles bei ihm an, es geht also deutlich aufwärts, nur Geduld brauchen wir jetzt halt noch. 😊"
Ich hatte übrigens während der letzten zwei Wochen jeden Tag mindestens ein Foto von F. gemacht, aber nur für ihn selbst, damit er die verlorene Zeit später zumindest ansatzweise nachvollziehen kann, niemals hätte ich eines davon irgendwem gezeigt, doch heute war er so wach, dass er selber entscheiden konnte, also fragte ich ihn, ob wir seiner Schwester nicht mal ein Bild schicken sollten?
Erst wehrte er ab und nach einigen Verständigungsproblemen und nachdem ich herausgefunden hatte, dass das Wort mit H anfangen musste, wurde mir klar, dass es ihm um seine Haare ging.
Dass der Bart ab ist, ist ihm bewusst, doch wie es weiter oben aussieht, aussehen könnte, das wusste er ja nicht und offenbar bereitete ihm das Sorgen, also knipste ich ihn und zeigte ihm sofort, dass er eigentlich sogar sehr gut aussieht, denn die Schwestern hatten ihm eine ziemlich freche Frisur gemacht.
Okay, das beruhigte ihn sichtlich, er nickte, also schickte ich das Bild ab, seine Schwester freute sich ein Loch in den Bauch darüber, ihn mit offnenen Augen zu sehen, und natürlich las ich ihm alles vor, was sie daraufhin schrieb, gab ihm sogar den beauftragten Schmatzer.
Später schrieben sie und ich noch weiter, sie hatte noch einige Fragen und dann rührte sie mich sehr, als sie sich - nun schon zum zweiten Mal - mit sehr herzlichen Worten innigst dafür bedankte, dass ich mich "so gut um F. kümmere, ihn umsorge und für ihn da sei".
Darauf ich:
"Dafür kein Danke, das ist doch selbstverstäjndlich, aber ... ich freue mich trotzdem sehr über deine Worte. 🥰😘
Und ja natürlich, sein Geist war ja 10 Tage lang praktisch ausgeschaltet, da muss man sich an einiges erst wieder gewöhnen, was einem sonst so selbstverständlich erschien, was übrigens auch für die Muskeln gilt, die man zum Atmen braucht.
Aber auch da macht er tolle Fortschritte, die Schwester kam zwischendurch mal rein und meinte, nun wäre es vielleicht an der Zeit, ihm wieder etwas mehr Unterstützung dabei zu geben, da hatte er nämlich schon länger als 4 Stunden ganz allein geatmet.
Gerade hab ich den erzwungen freien Nachmittag erst mal genutzt. um zu saugen und bissl zu putzen, unfassbar, wie schnell alles verdreckt, wenn sich keiner kümmert. Und als Rex mit der Nase immer dabei sein wollte, habe ich erklärt, dass doch heute das Christkind kommt.
Na gut, sagte ich dann, zu uns wird es jetzt nicht kommen, es weiß vermutlich nicht mal, dass wir hier sind, aber wer weiß, falls es beim Vorbeifliegen zufällig doch mal reinschauen sollte, soll es sich ja nicht grausen und vor lauter Schreck abstürzen, also machen wir mal lieber alles noch fein.
Ob er mich verstanden hat, weiß ich nicht, aber sicher ist sicher, ich bin dann jedenfalls nicht schuld daran, falls das Christkind wirklich einen Unfall haben sollte."
So haben Rex und ich nun also auch unsere eigene kleine Weihnachtsgeschichte und eines ist sicher, ich werde das Christkind erkennen, sollte es wirklich vorbeifliegen, denn ... ich habe es ja schon einmal gesehen.
Damals noch im Hause meines Opas. Ich denke, ich muss etwa vier Jahre alt gewesen sein oder war vielleicht auch gerade schon fünf geworden, jedenfalls war das Wohnzimmer für uns Kinder tabu, und wir waren wirklich viele, da sich ja alle sechs in Deutschland lebenden Kinder von Opa mit ihren Familien am Heiligabend versammelten.
Ich selbst nutzte einen ruhigen Moment, um von der Küche aus nach draußen zu schauen, hatte guten Überblick über die zum Wintergarten führende Treppe und die Fenster und da sah ich es davonfliegen, das Kleidchen genauso elfenbeinfarben wie die Flügel und alles mit goldenen Sternen bedeckt.
Ich schwöre, so war es ... 😊
Und nun wünsche ich euch ein wunderbares Weihnachtsfest im Kreise eurer Lieben ...! 🎄🎄🎄
(So wie in dem Video war die Atmosphäre früher bei uns auch, wenn wir mit dem Kirchenchor in der Christmette sangen und am Ende "Stille Nacht, heilige Nacht", auch wenn wir keine Domspatzen waren. Dafür war unser Schluss aber schöner. 😉)

Das Christkind vergisst niemand, es kann aber durchaus sein, daß es später vorbei kommt. Ich habe viele Päckchen bekommen über die ich mich sehr gereut habe. Meine Plätzchen oder wie man im schwäbischen sagt Springerle (Anis-Plätzchen) habe ich aus Niederbayern bekommen. Ich habe sie schon aufgegessen. Auch wenn ich allein bin macht mir das NIX aus. Ich freue mich sehr, daß es F besser geht und daß er wieder wach ist. Ich wünsche euch eine gute Zeit.
AntwortenLöschenAlso bis jetzt habe ich es nicht gesehen und werde es wohl auch nicht mehr, denn nun habe ich den Rolladen zugezogen. ;-)
LöschenFein, wenn so viele Menschen an dich dachten und dir sogar Päckchen schickten und nun ist der Heiligabend ja auch schon vorbei.
Auch dir eine gute Zeit, Helmut!
AntwortenLöschenHallo, liebe Rex-Mama!
Es ist so beeindruckend, wie fu inmitten all der Sorge und Herausforderungen um F. immer noch Zeit für solch liebevolle Gednken und Humor findest.
Das du sogar noch die Nerven hast dich um Kekse für die Schwestern zu kümmern find ich sensationell. – Mehr jedoch rühren mich noch „F´s“ Fortschritte.
Das fühlte sich selbst hier gut an, als du von deinem Gespräch mit Rex erzählt hat – die Vorstellung, dass das Christkind vielleicht vorbeifliegen könnte, ist einfach so Fantasievoll und zeigt, wie du in dieser stressigen Zeiten trotzdem an Magie und Freude glaubst.
Auch deine Erinnerungen an deine eigene Kindheit, als das das Christkind gesehen hat, sind einfach so schön und lässt einen die besondere Bedeutung von Weihnachten spüren.
Was mir besonders auffällt, mehr denn je, ist die Tiefe der Verbindung zwischen Rex und dir.
Du zeigst eine unglaubliche Geduld und Liebe, die auch weiterhin nicht selbstverständlich ist. Diese Momente der Sorge, des Mitgefühls und der Hoffnung sind so unglaublich wertvoll. Es erinnert uns daran, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein – gerade in so schweren Zeiten und gerade an Weihnachten.
Am Ende bleibt in deinem Blog einfach dieses Gefühl von Wärme und Geborgenheit, auch wenn derzeit (noch) nicht alles perfekt ist.
Liebe – mal sehen ob dir das Christkind erneut begegnet - Grüße
lifeminder
Vielleicht war es auch einfach nur das Bedürfnis, lieber lifeminder, eine Stimme zu hören, und sei es meine eigene. ;-)
LöschenWärme und Geborgenheit, ja, neben Gesundheit sollten diese im besten Falle wohl unser Leben ausmachen und man sollte nicht nur zu Weihnachten nie vergessen, dass man beides nicht nur empfangen, sondern auch zu geben versuchen kann. ;-)
Liebe Christkind-Grüße zurück!