Freitag, 28. November 2025

Alles in allem ...

 ... lief es recht gut gestern, denn erstmalig bekam ich von DHL auch fürs Lastenrad die GPS-Verfolgung der Sendung angezeigt, so sah ich genau, wo sich die Briefträgerin gerade befand, und beschloss sie abzuwarten, bevor ich zum vorgezogenen Freitagseinkauf startete.

Sogar etwas früher als angekündigt fuhr sie vor, wir wechselten ein paar nette Worte, dann öffnete ich das Päckchen in der Küche heimlich, um zu schauen, ob alles komplett sei, um es anschließend ganz schnell in meinem Geschenke-Lager im Flur-Schrank verschwinden zu lassen.

Natürlich hatte F. mitbekommen, dass sich an der Haustür etwas rührte, und als ich nun kurz wieder das Wohzimmer betrat, meinte er zu mir: 

"Bring's nur gleich her und leg's unters Bäumle, verschtegge muscht doch nix mehr ..." 🤣

Es ist so schön, dass es sich im Moment mit ihm anfühlt wie mit einem Büble, das Weihnachten gar nicht mehr erwarten kann.

Wenn ich nachmittags die Lichter am Baum anmache, kommt irgendwann die Frage: 

" Pübbiiiieee?"

"Hm, was ist denn?" 

"Hascht du dei Bäumle lieb?"

"Ja, hab ich, und du?"

"I au, aber do fehlt noch ebbes..." 

 "Was denn?"

"Meine G'schenkle ..." 😭🤣

So macht Weihnachten sogar ohne Familie Spaß, vor allem wenn ich daran denke, wie es letztes Jahr um diese Zeit bei uns aussah, denn da lag F. im künstlichen Koma, ich verbrachte täglich viele Stunden an seinem Bett, hielt seine Hand, sprach leise mit ihm und wusste nicht, ob er jemals wieder würde antworten können. 

Das Einkaufen verlief reibungslos, genau wie der weitere Verlauf des Tages, durch den ich mich wie immer Stück für Stück durchwurschtelte.

Dann ging es auf 16 Uhr zu, eigentlich ja meine Früh-/Mittag-/Abendstückszeit, auf die ich mich immer sehr freue, wohlwissend, dass ich mich hinterher aufs Sofa fallen lassen und mir ein Stündchen Nickern gönnen kann.

Nun aber hatte ich den Gasmann ja noch vor der Nase, der mir zwischen 18:30 und 22:30 angekündigt worden war.

Für solche Zeiten ist der Notdienst zuständig, das war mir schon klar, aber würde der auch wie seine Kollegen so oft früher kommen? *grübel*

Irgendwie fehlte mir die Ruhe fürs Essen, doch bald überwog der Hunger, also richtete ich mir dann doch etwas her, doch es kam, wie es kommen musste: Um halb fünf schellte das Telefon, er sei in wenigen Minuten hier. 🙄

Also brach ich meine Mahlzeit ab, brachte alles vor Rex in Sicherheit, der sich aber gar nicht dafür interessierte, sondern - er entwickelt sich echt zum Wunderhund - schon von sich aus die Hintertür ansteuerte, die ich für ihn öffnete. Er ging in den Garten, sah mich noch einmal an, ich sagte "Danke, du bist ein janz prima Hündken", schloss sie und ging rasch F. vom Sauerstoff abklemmen, um dann den 15-Meter-Schlauch zu entwirren, das Fenster mit Aussicht auf die Straße immer im Blick.

Der Fahrer war schon öfter hier, man kennt sich inzwischen und so sagte ich direkt zu ihm:

"Nun dreht Ihre Logistikabteilung aber vollends am Rad, oder? Die eine Woche muss ich um fünfe morgens aufstehen, da um kurz nach sechs schon der Anruf kommen kann, und die Woche darauf will man uns nachts nicht ins Bett lassen?"

"Och", meinte er, "da haben Sie ja noch fast Glück, dass kann durchaus mal nachts ein Uhr werden." 😮

Dann erzählte er von der Personalnot, einer habe gekündigt und sich für den Rest der Zeit krankgemeldet, andere seien es wirklich und sie fänden einfach niemanden, der den Job machen wolle, obwohl man da richtig gutes Geld verdienen könne.

Was dann kam, war eigentlich ein gutes Beispiel dafür, wie unsere auf Work-Life-Balance getrimmte Gesellschaft bzw. Jugend inzwischen tickt. 

Er habe seine Lehrzeit als recht anstrengend empfunden, so sehr, dass er sich hinterher erst mal zwei Jahre Auszeit auf Steuerzahlerkosten gönnte, dann habe er aber doch noch gemerkt, dass es geldmäßig MIT Arbeit vielleicht doch etwas besser aussehen könnte, also habe er sich einen Ruck gegeben ... 

Er hat also den Absprung geschafft, aber grundsätzlich muss man sich doch schon fragen, was stimmt nicht in einem Land, in dem ständig nach Zuzug von Arbeitskräften aus dem Ausland gejammert wird, das sich aber gleichzeitig jedes Jahr eine Zahl von über 50.000 Schulabbrechern leistet, wobei die tatsächliche Zahl ja wohl noch erheblich größer sein muss, wenn die, die mitten im Jahr abbrechen, gar nicht mitgezählt werden?

Und die, die sie vollenden, danach aber den Arsch nicht mehr hochkriegen, weil es ihnen sehr leicht gemacht wir, nichts zu tun, kommen ja auch noch hinzu, wobei offenbar auch die Eltern, die in erster Linie für die Zukunft ihrer Kinder verantwortlich sind, keine Anreize dafür sehen, dieses Verhalten nicht zu tolerieren?

Einig waren der junge Mann und ich uns dabei, dass es sich abgesehen von der Kohle auch sehr gut anfühlt, abends zu wissen, dass man tagsüber etwas geleistet hat, wobei er es durchaus liebt, wenn er für den Spät- bzw. Notdienst eingeteilt wird, denn dann kriegt er so richtig fette Zuschläge auf seinen Lohn und muss meist sehr wenig dafür arbeiten.

Heute hätten ihm die Tag-Kollegen schon etliche seiner Kunden abgenommen, erzählte er, was ihm die Zeit verschafft habe, in Ruhe an seinem Fahrrad herumreparieren zu können, während die Lohnuhr inkl. Zuschlägen emsig weitertickert. 

Wir seien es jetzt noch, ein Notfall stehe noch auf einem Plan und wenn keiner weiteren hinzukämen, könne er mit einer ruhigen, aber gut bezahlten Nacht rechnen. 

"Sehen Sie", sagte ich, "Sie sahnen richtig ab für diese verrückten Uhrzeiten, wir aber kriegen nix dafür und müssen trotzdem paratstehen." 😠

Am Abend landeten wir bei "Rosin & Kumptner", fühlten uns wider Erwarten richtig gut unterhalten, zumal es dann auch noch in den "Elbschlosskeller" ging, jenes uralte Hamburger Lokal, das wir schon aus anderen Sendungen kennen und das uns immer ein wenig an eigene Erfahrungen aus längst vergangener Zeit erinnert, wobei ich größte Hochachtung davor habe, was dieser junge Wirt für die leistet, die auf der untersten Stufe der Gesellschaft angekommen sind, denn jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. 

 

So, und nun ab in die Küche mit mir, einen Krümelkuchen mit Apfelfüllung wünsche ich mir und da ihn keiner für mich backt, muss ich das wohl selber in die Hand nehmen. 🤣

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

4 Kommentare:

  1. Wenn so viele Fachkräfte nach Dummland kommen, dann haben die doch wirklich keinen Grund zum Arbeiten. Die bekommen doch noch Zucker in den Arsch geblasen. Da plädiere ich dann für Würfelzucker. Gestern starb unsere Nachbarin. Ich konnte sie immer von meinem Küchenfenster aus beobachten wie sie sich ihr Enkelkind kümmerte.
    Euere Situation macht einem bewusst wie hilflos man doch in vielen Situationen ist. Ich erinnere mich noch wie ich im vergangenen Jahr vor Weihnachten im Krankenhaus lag. Wie ich auf die Unterstützung des Mitpatienten beim Gang zur Toilette angewiesen war. Heute fast ein Jahr später habe ich fast keine Probleme mehr. Dafür bin ich sehr dankbar.
    Gibt es eine App von DHL mit der du verfolgen kannst wo sich die Briefträgerin befindet. Wenn ich ein Paket bekomme dann zeigt mir die Sendungsverfolgung das aber nicht immer an.

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    1. Würfelzucker ist nicht die schlechteste Idee für die, die einfach nicht wollen. 😅
      Und oh ja, solche Hilflosigkeit kann schneller eintreten, als man es sich träumen lässt, von daher sollte man wirklich jeden Tag bewusst leben.
      Wenn ich etwas bestelle, bekomme ich vom Versender in der Regel einen Link zu DHL, wo ich die Sendung nachverfolgen kann. Das mache ich grundsätzlich am PC über die Website und weiß nicht mal, ob es dafür eine App gibt.

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  2. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    "F" mit seiner Weihnachtsfreude löst auch langsam bei mir Weihnachtsvorfreude aus - und zwar so richtig.

    Ja - das Letzte Jahr um diese Zeit, das war schon sehr, sehr böse für euch. Grausam trifft es besser - ich finde es einfach Weltklasse, wie der Mann sich freuen kann.

    Von Herzen euch eine schöne Vorweihnachtszeit!

    Was der Fahrer sagt stimmt einem schon sehr nachdenklich:
    Wieso will diesen Job denn keiner machen? Es wird doch überall erzählt auch - wie viele ehemalige LKW Fahrer/Fahrer im Allgemeinen arbeitslos sind. - Das der Nachwuchs fehlt, wenn das so toll bezahlt wird, verstehe ich auch nicht - zumindest nicht bei den jüngeren.

    Um 1 Uhr nachts? - Wie soll denn das einer der alleinstehend ist managen - wenn der etwas älter ist - möglicherweise auch am Sauertoff hängt und dann noch Treppen vom Schlafzimmer herunter muss - da ist der Fahrer ja schon wieder über alle Berge, weil er glaubt, da ist niemand.
    Manchmal fragt man sich, was ist denn los?

    Krümelkuchen mit Apfelfüllung klingt toll - und schmeckt wahrscheinlich noch viel besser!



    Liebe- krümel - Grüße
    Vom lifeminder


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    1. Danke, lieber lifeminder, wie schön, wenn du dich sogar auf die Ferne davon ein wenig anstecken lässt ... 🥰
      Ich hatte ja extra das mit der immensen Zahl an Schulabbrechern verlinkt, die haben schlicht keinen Bock und legen wir es denn nicht sogar darauf an?
      Es geht los mit dem Konzept des "offenen Kindergartens", weil sie schon ganz früh jede ihrer Neigungen ausleben sollen, später in der Schule beschützen wir sie nach Möglichkeit vor so etwas Schrecklichem wie Noten und natürlich müssen sie nicht hinlaufen, sondern werden gefahren, zumal auch jedes Tröpfchen Regen vermieden werden muss.
      Das Erlernen von Pflichen, Verantwortungsgefühl?
      Weit gefehlt, das könnte den kleinen Seelen doch schaden, oder nicht?
      Und am Ende wundern wir uns, wenn sie es vorziehen, ihre Zeit an Playstation und Handy zu verbringen, zumal die staatlichen Leistungen, die es dafür gibt, oftmals höher sind, als wenn man die Schule abgeschlossen und dann mit Lehrgeld dasteht.
      Ich glaube, irgendwo habe ich meine ersten Abrechnungen sogar noch - wenn ich mich recht entsinne, bekam ich in den Achtzigern im zweiten Weiterbildungsjahr stattliche 248 DM brutto - also umgerechnet rund 125 Euro, während 2024 die durchschnittliche Ausbildungsvergütung bei 1133 Euro lag.
      Trotzem genügt das den Ansprüchen der heutigen Jugend nicht, mein Schornsteinfeger erzählte kürzlich z.B., dass er denen sogar den kostenlosen Dienstwagen für den privaten Gebrauch anbietet, aber trotzdem keinen findet.
      Work-Life-Balance, mit Betonung auf Life, so siehts heute halt vielfach aus ... 🙄
      Die Gasmänner stehen übrigens in der Regel nicht unvermittelt vor der Tür, sondern rufen vorher immer kurz an, aber lästig wäre es natürlich trotzdem um ein Uhr nachts.

      Liebe Krümel-Grüße zurück! :-))

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