Samstag, 24. Januar 2026

Wie traurig

 Francis Buchholz ist gestorben, der langjährige Bassist der Scorpions.

Das Jahr 1982 hatte für mich mit einem unheilvollen Erlebnis begonnen, das mein ganzes weiteres Leben beeinflussen sollte, es bis heute überschattet und in der Folge beschloss ich, meine angestrebe Laufbahn als Abteilungsleiterin bei einem großen deutschen Warenhauskonzern nicht fortzusetzen, suchte mir stattdessen einen Job bei einem Privatdetektiv, der mich schließlich ab dem 1.8.1982 nach Stuttgart führte.

Doch in den Leerlauf-Wochen zwischen Abschluss meiner Ausbildung und dem Fortgang ließ ich es daheim noch so richtig krachen, war ständig unterwegs, schlug mir die Nächte wild um die Ohren und dann ergab es sich, dass jemand eine Konzertkarte übrig hatte. 

Eine Gruppe namens "Scorpions" spielte, die sagten mir überhaupt nix, war aber egal, Hauptsache, die Post ging gut ab, was sie dann auch tat.

Gerade habe ich mal nachgeforscht, es muss am 16. Mai 1982 in der Ruhrlandhalle in Bochum gewesen sein, im Rahmen der "Blackout"-Tour und für die Jahreszeit war es schon sehr warm, denn ich weiß noch sehr genau, dass ich nur eine knallenge Jeans trug und ein hauchdünnes fliederfarbenes Baumwollblüschen. 

Einmal - einige Jahre später nahmen mich W. (das ist die, die ich heute immer als meine süddeutsche Freundin bezeichne) und ihr Freund mit zu einem "Ambros"-Konzert, Liedermacher, eh nix für mich und da sah ich auch deutlich den Unterschied, denn dort saß das Publikum brav auf Plätzen, stinklangweilig, während es bei den Scorpions so lief, wie ich es zu dieser Zeit immer erlebte und auch liebte: Die Halle wurde geöffnet, die Menschen strömten hinein, jeder stellte sich hin, wo er Platz fand, und dann konnte die Luzie so richtig abgehen. 😁

Und immer wieder passierte mir bei solchen Gelegenheiten das Gleiche, ruckzuck verlor ich meine Leute aus den Augen, ließ mich einfach in der Menge treiben und landete am Ende immer ganz vorn in der ersten Reihe, ohne dass ich mich wirklich vorgedrängelt hätte.

So lief es auch bei den Scorpions und obwohl ich von ihnen noch nie zuvor gehört hatte, rissen sie mich so richtig mit. Alle um mich herum tobten und - keine Ahnung, wie das überhaupt geschah - auf einmal nahmen mich zwei starke Typen zwischen sich hoch, setzten mich auf ihre Schultern, die eine Arschbacke  bei dem einen, die andere beim Nebenmann und dann gab's für mich da oben kein Halten mehr, was offenbar auch dem nun gestorbenen Francis in die Augen sprang.

Die Bühne war wie ein T geformt, hatte also nach vorn einen breiten "Zipfel", und genau auf den begab er sich zu einem langen Bass-Solo, war damit direkt mir gegenüber, haute in die Gitarre, was nur ging, verrenkte sich, ich selber zappelte dort oben nicht weniger herum, unser beider blonde Locken flogen wie wild und immer wieder sahen wir uns dabei in die Augen.

Herrjeeee, was war das für ein intensives Erlebnis ... und meine Bluse hätte ich hinterher auswringen können, so klatschnass war ich. 

Das waren noch Zeiten, aber es hilft ja nix, sie haben sich nun einmal geändert, also nun wieder zum etwas tristeren heutigen Leben.

Meine Gasfrau war superschnell, schon gestern kam das Päckchen an, doch leider war das Falsche drin, nämlich nicht ein kurzer Ersatzschlauch fürs Maskengerät, sondern ein ganzer Karton voll mit Nasenbrillen und langen Schläuchen.

Habe es ihr direkt  geschrieben, mal abwarten, was sie am Montag antworten wird.

Und dann ist da noch F.s neue Smartwatch, die mich an einen kleinen Mond erinnert, denn wie er die Erde benötigt sie das Handy in der Nähe, dann allerdings kommen wir allmählich immer besser mit ihr klar. Eben habe ich sie z.B. aufgeladen und kann dann in der Handy-App mitverfolgen, wie hoch der Füllstand inzwischen ist.

Schon irre, wie sehr sich die Technik entwickelt hat und wie schnell man sich an alles gewöhnt, oder?

Den Dschungel haben wir gestern übrigens nicht komplett mitbekommen, denn irgendwann wurde F. müde, also musste ich unsere Schlaflager herrichten und dann kam, was kommen musste: Sobald  ich liege, bin ich gleich weg, die vielen Mühen fordern halt doch ihren Ausgleich.

Außerdem gab es noch einen gravierenden Punkt, bei dem ich nicht aufmerksam genug war, d.h. anfänglich eigentlich schon.

Die Ärztin im KH hatte mir ja einen Tag vor F.s Entlassung vorab schon mal den vorläufigen Arztbericht sowie alle Rezepte mitgegeben, erst daheim studierte ich das in Ruhe und mir fiel auf, dass bei den Rezepten zwei Medikamente  fehlten, die F. schon früher einnahm.

Sollten die nun ganz weg? (Von einem weiteren wusste ich es nämlich ganz sicher.)

Sofort schrieb ich ihm, bat ihn, das vor Ort unbedingt noch zu klären, aber da kam gar nichts mehr und weil sich die Ereignisse dann überschlugen, dachte ich nicht mehr daran, verließ mich auf die per Rezept verordnete Medikation und kam erst gestern endlich dazu, mich doch noch einmal  näher  damit zu befassen.

Das heißt, ich studierte - nun schon zum x-ten male - diesen und auch den endgültigen Brief, verglich beide immer wieder mit dem Medikationsplan, den ich beim Hausarzt hatte erstellen lassen, und kam doch durcheinander, denn teilweise gibt es Zeugs wie Schmerz- oder Schlafmittel, die ich F. ersatzlos gestrichen habe, andererseits gibt es z.B. Inhalate, die er nur vorübergehend nutzen soll, kurzum, es war ein mächtiges Chaos, an dessen Ende ich feststellte, dass ich ihm während der ganzen ersten Woche zwei Tabletten unterschlagen habe, die er auch weiter hätte nehmen sollen. Im Grunde sogar drei, denn das Scheiß-L-Thyoroxin für die Schilddrüse wird er nicht los, egal wie sehr ich darum kämpfe. 🙄

Na gut, es hat ihm nicht wirklich geschadet, aber bei der Füllung des Tablettenorganisators für die kommende Woche habe ich nun wirklich alles bedacht und eines scheint mir sicher, es wird besser sein, wenn ich es bin, die sich auch weiterhin darum kümmert, denn da man nun auch noch Tageszeiten beachten muss, würde mein lieber Mann sehr schnell ins Fluchen kommen dabei, zumal sich die Pillen optisch teilweise auch kaum voneinander unterscheiden lassen.  

So wurschtelt man sich halt durch und weil ein Friseurbesuch längst überfällig  ist, habe ich mir gerade für den nächsten Freitag einen Termin bei "Balu" besorgt. Wenigstens das kann mir das dann das Leben erleichtern, wenn meine Haare etwas einfacher ausgehfein herzurichten sind. 

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

4 Kommentare:

  1. Vielen DANK für deinen sehr emotionalen Konzertbericht bei den Scorpions. Ich erinnere mich noch sehr genau an ein Konzert mit der Gruppe Jeane. Und da ging es ebenso ab wie du das gerade beschrieben hast. Ich habe gerade nachgesehen, daß bei Wikipedia steht, daß schon zwei Bandmitglieder verstorben sind.Und ich erinnere mich noch an ein Konzert mit Udo Jürgens, das auch in der Gegend statt fand. Meine damalige Freundin wollte unbedingt dort hin. Der Eintritt kostete damals 25 Mark oder mehr so genau kann ich das nicht mehr sagen. Auch hier ging alles sehr gesittet zu. Und ich kann auch nicht mehr sagen, ob es nummerierte Plätze gab. Jedenfalls saßen wir weit vorne. Und ja, danke für deine Erinnerungen
    denn die Musik der Scorpions war auch für eine Musi wo die Post abgegangen ist.

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    1. Dann kennst du ja den Unterschied zwischen diesen Konzerten, wo es gesittet zugeht, und denen, wo stattdessen die Post so richtig abgeht. 🙃

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  2. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    Erstmal danke für die liebe Fürsorge! - die mich sehr geehrt und gerührt hat!


    Ich hatte mir bisher irgendwie die Rex-Mama in dieser Zeit immer mit dunkleren Haaren vorgestellt - ob du das je zuvor erwähnt hast?

    Schade, das man die "Skorpions" viel zu sehr auf "Wind of Change" heutzutage außerhalb der Fan-Blase reduziert. Obwohl das auch ein wunderbarer Song ist. Mein Favorit - von den "Skorpions" was und ist: "You and I"
    Ja - früher war das so - meine Eltern erzählen das auch, wenn auch nicht auf ganz so wilden Konzerten, dass da früher an allem weniger war - und vor allem mehr vertrauen in die Menschheit.


    Wie du das mit "F" händelst ist schon ganzh besonders.
    Ich finde es toll - das du ihn wie deinen Augapfel hütest - und er sich auch relativ gut noch hüten lässt. - War nur ab, wenn er wieder bei Kräften ist und seine Musik spielt, dann wirst an die ruhigen Zeiten zurückdenken. ;) mit deiner Hilfe - wird er schon bald wieder Western und Musik nach Herzenslust genießen.

    Na das Medikamenten herrichten ist auch nicht so einfach - ich erinnere mich noch gut daran, an die vielen Tabletten, die in morgens, mittags, abends korrekt eingestzt werden sollten (mussten). - Vater und Mama hat das einiges an Zeit gekostet.

    Die Welt dreht sich weiter - und hoffentlich auch heiter.

    Genieß den Besuch bei Balu und schalt mal ab - sofern das irgendwie gehen sollte .

    "Smart watch" wäre auch ein guter Spitzname für dich ;)

    Pass bitte neben "F" und Rex auch auf dich auf.


    Liebe - erleichternde - Grüße
    lifeminder





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    1. Als Kind war ich hell-, später wurde dann mittel- bis dunkelblond daraus, lieber lifeminder, was immer noch so ist, nur dass ich mir inzwischen gerne einige hellere Strähnchen reinmache, damit es nicht so ganz nach Straßenköter aussieht. ;-))
      Bei Konzerten hängt es immer sehr von der Art der Musik ab, wie es zugeht, bei Schlagern, Volksmusik oder Liedermachen sicher um einiges gesitteter als bei (Hard-)Rock und der Hauptunterschied liegt für mich darin, dass damals die Musiker noch echt waren, d.h. sie beherrschten ihre Instrumente, lebten für die Musik, während es heute ja oft genügt, wenn man mit einem Computer umgehen kann.
      F. - grins - haut mir schon längst wieder seinen Sound um die Ohren, denn er hat ja ein Tablet und benutzt es auch täglich. :-))
      Zu den Medikamenten erzähle ich gleich im heutigen Eintrag noch etwas ...

      Liebe "Muss lachen, denn beim Wort erleichtern denke ich inzwischen immer als Erstes an den Kackstuhl"-Grüße zurück! 😅

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