Mittwoch, 7. Januar 2026

7.1.2026 - Tag 28 auf der Intensivstation

Gerade staune ich nicht schlecht, als von F. auf mein "Guten Morgen" hin diese Nachricht kam:

"Auch so, bin gewachsen, Magensonde kam auch jetzt heraus, nun bekomme ich mein Frühstück." 

 Gewachsen ist er, hihi, das finde ich ja klasse, befürchte aber, dass die Autokorrektur das Wort eigenmächtig veränderte und es in Wirklichkeit wohl "gewaschen" heißen sollte. 🤣

Auch gestern war es sehr niedlich, denn ich hatte zwar  am Vortag dafür gesorgt, dass das festgeklebte Messteil für den  Sauerstoff vom Zeige- auf einen anderen Finger gewandert war, damit er besser tippen konnte, aber nach wie vor leuchtet halt ein Finger fast geheimnisvoll rot und gestern machte er mir dann auf einmal den E.T., hob den Finger und krächzte mit tiefer Stimme: "E.T will nach Hause ..." 

Was ich sogar auf Video festhielt und gleich seiner Schwester schickte. 🥰

11:16 ... lange hatte ich hin und her überlegt, ob ich mir das Einkaufen antun sollte, denn mir war schon klar, dass einige Stellen meiner Wege nicht geräumt und höllisch glatt sein könnten, aber vor allem Bank und Apotheke waren wichtig, also riskierte ich es und habe es auch gerade rechtzeitig nach Hause geschafft, weil ich mir vorher das Wolkenradar gründlich anschaute und sah, dass die breite Wolkenfront mit jeder Menge Neuschnee noch weit genug entfernt war.

Nun beginnt es gerade dunkel zu werden, also geht's gleich vermutlich los und ich hoffe jetzt sehr darauf, dass das bis kurz vor zwei durch ist, wenn ich ja wieder losmuss zu F.

Der zum Frühstück übrigens Toast mit Marmelade und eine Tasse Kaffee bekam, obwohl mir Schwester Rabiata gestern noch sagte, dass er vorläufig nur Breiiges essen dürfe, bis im Hals alles verheilt wäre - an Brot sei vorläufig nicht zu denken. 🙄 

Nebenher korrigiere ich gerade etwas Schulisches für A., das hat sich ganz gut eingespielt, dass sie mir die Texte über WhatsApp schickt und wir sie dann auf diesem Wege besprechen.

Es ist ihr ziemlich dringend mit einem Treffen, scheint mir, sogar zu einer Veranstaltung für Freitagabend lud sie mich ein, allerdings zum einen zu früh für mich, denn da bin ich noch gar nicht vom KH zurück, und zum anderen ist für Freitag Sauwetter mit Orkan angesagt, da sollte sie sich hüten, so weit über Land zu fahren, denn das wäre in Geldern gewesen.

Mal sehen, ob es nächste Woche mal klappt auf einen Kakao oder so ...

Ach ja, und worüber ich mich beim Einkaufen ärgerte, waren die Eier.  Erst waren sie knapp, offenbar wegen der Geflügelpest, jedenfalls bekam ich letzte Woche bei den Discountern keine, nun hatte Netto sie wieder, aber den Preis mal eben um 25% erhöht.

Die wissen schon sehr genau, wie sie uns abzocken können. 😡 

12:30 ... es schneit wie verrückt: 


Auf diesem Stuhl befand sich eine inzwischen sehr überschaubare Schneeschicht, bevor es losging und den Besen hatte ich eben erst dort hingestellt ... 


 Hoffentlich lässt es endlich nach, ich will doch unbedingt zu F. ... 

 

Nein, es ließ noch  lange nicht nach, aber gewagt habe ich es trotzdem, für den Rückweg keine gute Idee, aber zumindest hin kam ich einigermaßen unbeschadet.

Mein F. begeistert mich, er ist seit heute früh wieder allein im Zimmer, gut mit dem großen TV-Tablet an seinem Tischchen beschäftigt, fand aber trotzdem die Zeit, mir lustige Liedchen vorzusingen. 😀

Da ich gesehen hatte, dass sich weitere Wolkenbänder näherten, beschloss ich ausnahmsweise schon eine Bahn um kurz vor 17 Uhr zu nehmen, doch ging das leider völlig in die Hose. Diesmal lag es laut Durchsage an einer Weichenstörung in Düsseldorf, im Zehnminutentakt wurden Bahnen auf der Tafel angezeigt, doch verschwanden sie jedes Mal, kurz bevor sie hätten kommen müssen, dafür wurde dann halt die nächste angezeigt und immer so weiter.

Fast eine Stunde musste ich in Eiseskälte dort oben ausharren, die Wartehäuschen boten überhaupt keinen Schutz, da der starke Wind den Schnee kreuz und quer verteilte. So dick ich auch eingepummelt war, irgendwann war ich nur noch am Zittern ...

Dann kam endlich eine Bahn, war entsprechend voll und auf halber Strecke machte der Fahrer in kaum verständlichen Deutsch eine Ansage, wir müssten an der kommenden  Haltestelle alle raus und auf die nächste Bahn warten.

Hat schon mal jemand versucht, den Inhalt einer Ölsardinenbüchse komplett in eine andere umzupacken?

So in der Art war es und natürlich ging die Friererei dadurch weiter.

Trotz der Menschenmassen gelang es mir in der neuen Bahn, einen freien Platz zu ergattern, neben mir eine Frau, die ich aufgrund der Kleidung aus der Ferne sicher auch für A. hätte halten können, gegenüber sang eine Afrikanerin ununterbrochen vor sich hin, auf der anderen Seite des Ganges wurde laut auf Russisch diskutiert, ein Stück weiter das Gleiche auf Arabisch, neben Rumänisch, Türkisch und was man sonst noch alles an Sprachen hörte, und natürlich gab es auch noch ein schreiendes Baby.

Heute Mittag las ich, dass in Duisburg der Anteil an deutscher Bevölkerung rasant schrumpft, und das trotz der Einbürgerungen und der vielen Kinder, die mit ihrer Geburt in den Genuss des "ius soli" kommen.  

Im Grunde hätte ich den Artikel gar nicht gebraucht, denn ich erlebe es ja jeden Tag, wie sehr sich hier alles verändert hat. An meiner  "Lieblingshaltestelle" fühle ich mich immer wie im Ausland und auch im Bus bin ich häufig die einzige Deutsche.

Nicht gut fürs Gemeinschaftsgefühl, fürchte ich, wenn es nun so viele Communitys gibt, die parallel zueinander leben, und worüber ich gerade nachdenke, ist, ob es in gar nicht allzu ferner Zukunft überhaupt noch jemanden geben wird, der sich für das interessiert, was mein Papa so an Geschichtlichem ausgrub?

Immerhin bekam er dafür einst in einer feierlichen Zeremonie den Rheinlandtaler vom Bundespräsidenten überreicht: 


 

 


 Einige seiner Sammlungen sind heute in Museen ausgestellt, eine archäologische Stätte gibt es hinter dem Rathaus zu besichtigen usw., doch ... wenn sich die Einwohner einer Stadt gar nicht mehr mit dieser, vor allem nicht mit ihrer Geschichte, ihren Traditionen identifizieren können, dann wird auch nach solchen Dingen irgendwann kein Hahn mehr krähen, sie werden schlicht in Vergessenheit geraten.

Schade, wo mein Papa doch so viel Herzblut hineinsteckte ... 

 

So, und nun studiere ich den Wetterbericht  für morgen, scheint zumindest tagsüber so schlecht gar nicht  auszusehen, trotzdem bin ich froh, dass ich die Einkauferei heute erledigte, und Freitag, ja, da muss ich schauen, wie sehr uns der Sturm treffen wird ... 

 

Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉 

 

4 Kommentare:

  1. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    Der E.T.-Auftritt klingt nach „F“ in Hochform, und gewachsen ist er sicher auch an Erfahrung – und hoffentlich auch gewaschen.

    Ich kann das nicht nachvollziehen, die einen sagen, Brot erstmal nicht, dann bekommt „F“ Brot? – Wenn die Linke Hand nicht weiß was die Rechte tut.

    Einfach schön, dass „F“. wieder so präsent, kreativ und humorvoll ist, trotz allem, was er gerade hinter sich hat. Das klingt als wäre er auf dem richtigen Weg.

    Deinen Weg durch Schnee, Glätte, Bahnchaos und Kälte fühlt man mit. Deine Kraftanstrengungen aus Liebe machen dich weiterhin zur Heldin.

    Sei sich das Engagement von einem Papa und was davon geliebt ist hat Wert, unabhängig, wie sehr sich Städte, Zeiten und Völker wandeln.

    Bei uns soll es nun zwei mildere Tage geben, bevor am Samstag der Winter mit aller Härte zurückkehrt.



    Liebe - Ich wünsche dir verlässliche Bahnen, Lichtblicke Zuhause und im Krankenhaus - Grüße

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    1. Die Entwicklung ist abzusehen, lieber lifeminder, d.h. es wird hier bald kaum noch jemanden geben, der sich noch für das interessieren könnte, was mein Papa ans Tageslicht brachte, aber immerhin ist es gut, dass er selbst es nicht mehr mitbekommt. ;-))
      Und F., ja, ich bin auch begeistert und ein wenig ratlos über die so stark abweichenden Infos im KH. Da es schon heute Nachmittag mit dem Sturm losgehen soll, fahre ich gleich schon hin und werde dann mal sehen, ob ich noch direkt zum Sozialdienst gehen kann, wenn sie mich um halb zwölf rauswerfen aus der Station.

      Liebe Verlässlichkeit-wäre-wunderbar-Grüße zurück! :-)

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  2. Also bei uns sind die Wetteraussichten nicht gerade positiv. Schneesturm und Eisregen sind angesagt. Die Nebenstraßen sind NICHT geräumt. Die Hauptstraßen schon. Ich bin sehr gespannt wie sich das Wetter weiter entwickelt. Mein Bekannter der im gleichen Haus wohnt hat sich eine Grippe eingefangen und lag seit Sylvester im Bett. Bei mir gibt's nix Neues außer, daß heute mal Waschtag war.
    Kannst du wieder besser zur Ruhe finden und schlafen?

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  3. Hoffentlich ist dein Bekannter wenigstens geimpft?
    Und ja, mit dem Schlafen klappt es nun deutlich besser, weil ich ja nicht mehr von dieser ständigen Unruhe und Angst geplagt bin.

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