Ich bin fassungslos, einfach nur noch fassungslos, die haben aus meinem F. einen Pflegefall gemacht mit ihrer Brachialmethode des künstlichen Komas inkl. Beatmen und Luftröhrenschnitt.
Gerade habe ich mit der Frau vom Sozialdienst telefoniert, F. sei weiter intensivbehandlungsbedürftig, sagte sie, das Rohr könne nicht raus aus dem Hals, von daher kämen Reha-Kliniken in anderen Bundesländern in Frage, eventuell auch eine Intensiv-WG in der Nachbarstadt?
Sie erwähnte einen Arzt, mit dem sie nun noch einmal Rücksprache halten wolle, denn sie wurde hellhörig, als ich sagte, dass F. bis zum Notarzt ja völlig eigentständig leben konnte, wenn auch natürlich mit meiner Unterstützung.
Diesen Arzt habe ich noch nie zu Gesicht bekommen, so wie ich ja überhaupt kaum einmal einen Arzt antreffe. Sie will mich gleich zurückrufen, aber im Moment könnte ich mir einfach nur noch die letzten Haare ausreißen, so verzweifelt bin ich.
Nach erfolgtem Rückruf schrieb ich meiner Schwägerin dies hier:
"So, nun habe ich gerade mit der Frau telefoniert. Zunächst einmal ging sie davon aus, F. bliebe intensivbehandlungsbedürftig und das Rohr im Hals würde bleiben, so dass er dann vom KH aus direkt in eine andere Einrichtung käme. Ich protestierte ganz erheblich und als sie dann erfuhr, dass er ja bis zum KH abgesehen von etwas Hilfe meinerseits absolut zu eigenständigem Leben fähig war und auch noch nie einen Pflegegrad hatte, versprach sie mich gleich zurückzurufen, wollte noch mal Rücksprache mit dem Arzt halten.
Danach klang es dann anders, nun wollen sie doch versuchen, dass er ohne das Ding im Hals klarkommen kann. Wenn das geschafft ist, kann er nach Hause, wird allerdings neben meiner Hilfe wohl zunächst auch einen Pflegedienst benötigen. Ich soll ich dann quasi aufpäppeln, damit er dann fit genug ist für eine Reha, die entweder in einem anderen Bundesland stattfinden muss, eventuell aber sogar auch hier im örtlichen KH durchgeführt werden könnte.
Sie macht jetzt erst mal die Anträge für die Pflegestufe fertig, heute Nachmittag um drei kommt eine Kollegin von ihr damit zu uns auf die Intensivstation, dann sehe ich weiter."
Die Betonung liegt auf dem Versuch, ihm das Rohr zu entfernen, aber insgesamt klang es nun doch schon etwas anders und nun habe ich gerade mit der Station geklärt, dass ich auf jeden Fall wieder vor Beginn der offiziellen Besuchszeit hineindarf, wäre ja auch doof sonst mit der Verabredung.
Und als ich die Schwester fragte, ob F. die "feuchte Nase" habe, also eigenständig atme, sagte sie: "Natürlich ...", und es klang so, als sei das für sie inzwischen schon fast selbstverständlich.
Oh, wie ich darauf hoffe, dass es jetzt wirklich ganz schnell selbstverständlich wird ...
Kurzer Themenwechsel, denn im TV läuft gerade ein Bericht über eine Familie, die in Berlin mit ihren Kindern in der eiskalten Wohnung ohne Strom klarkommen muss, weil sie kein Geld für ein Hotel hat, und auch das macht mich fassungslos.
Der deutsche Steuerzahler finanziert Millionen von Menschen aus aller Welt das Leben, eigentlich sogar unabhängig davon, ob sie einen wirklichen Fluchtgrund hatten oder aus wirtschaftlichen Gründen kamen, und ... wenn ich es richtig sehe, muss keiner von ihnen frieren (zumindest bei A. ist es immer kuschelig warm), doch wenn hier die Infrastruktur von Terroristen zerstört wird, dann reicht das Geld nicht, den Leuten vorübergehend eine warme Unterkunft zu finanzieren???
Da stimmt was nicht, oder?????
Ahhh, nun bringen sie es gerade, dass die Hotelrechnungen nun wohl doch bezahlt, allerdings erst einmal vorgeschossen werden müssen.
... nachdem die Menschen nun schon so lange unter diesen Umständen durchhalten mussten. Was fehlende Heizung und warmes Wasser bei solcher Kälte angeht, kann ich ja mitreden, aber zumindest hatten wir damals Strom.
Gerade fragt A. an, ob wir uns nicht mal auf einen Kaffee treffen wollen?
Hm, nicht so einfach gerade, denn eben den trinke ich natürlich nicht vor der Fahrerei und hinterher ist es zu spät. Vielleicht geht es, wenn F. irgendwann auf die Normalstation verlegt werden sollte, dann bin ich nicht mehr an feste Besuchszeiten gebunden.
So, und nun mache ich mich fertig, denn um viertel vor zwei muss ich zum Bus und ... Toilettenstuhl und Badewannenlifter darf ich nicht vergessen, gleich bei dem Gespräch zu erwähnen, beides werden wir unbedingt benötigen.
19:19, wieder daheim und die Frau vom Sozialdienst tauchte gar nicht auf, doch dafür gab es andere Neuigkeiten, die mich komplett umhauten.
Als ich die Station betrat, sah mich"Schwester Rabiata" (eigentlich ist sie eine Nette und ich kann auch gut mit ihr 😉), schon von Weitem den langen Gang ankommen und sagte vor F. Schiebetür zu mir: "Gehen Sie mal rein, Sie werden staunen ..."
Oha, was sollte das nun wieder heißen? Ich wagte mich gar nicht so richtig auf das zu hoffen, was ich mir schon so lange herbeisehne, und als ich am Bett war, galt mein erster Blick wie immer neben F. allen Apparaturen und Monitoren, doch so schnell konnte ich gar nicht schauen, wie er mich dann höchstpersönlich begrüßte: "Hallo, meine Eule..."
Du liebe Zeit, er tat es mit seiner eigenen Stimme, von der ich noch gestern befürchten musste, sie womöglich nie wieder hören zu dürfen. 😮😮😮🥰🥰🥰🥰🥰
Das Ding ist raus aus dem Hals, er kann sprechen, auch wenn seine Stimme natürlich noch sehr tief und rauh klingt, klar, der ganze Hals muss ja innen erst einmal verheilen.
Ich war so erschüttert, dass mir die Tränen einfach so herausschossen, und dann konnten wir uns endlich zum ersten Mal seit fast vier Wochen unterhalten.
Sehr richtig gelegen hatte ich damit, dass er während des Komas mitunter von heftigen Alpträumen geplagt wurde, denn nun rückte er mit einer Schote heraus, von wegen, er müsse meinem Bruder noch kräftig Bescheid stoßen, seine Thais seinen ja derartig schlecht mit ihm umgegangen.
Hähhhhh?
Ja, die hätten ihn doch über ein Dach gezwungen und ihn dabei am Popo und am Bein verletzt, wo er nun große Schrammen davon habe ...
Jesses, ich vermute, das war die Verlegung ins andere KH, offenbar hat er davon im Unterbewusstsein sehr viel mehr mitbekommen, als die Ärzte sich das vorstellten, und ich hatte ziemlich viel Mühe, ihm klarzumachen, dass es wirklich nur ein Alptraum war.
Was für ein Segen, dass er nun endlich über alles sprechen und ich ihm helfen kann, etwas mehr Klarheit in das viele Diffuse zu bringen, das er nun wochenlang erlebte, teilweise in Vollnarkose, teilweise unter Morphinen und leider ja die ganze Zeit kommunikationsmäßig von der Welt abgeschnitten.
Wenn ich jetzt über alles nachdenke, fällt mir auf, dass ab dem Moment, wo ich der Frau am Telefon klarmachte, dass F. bis vor vier Wochen absolut kein Pflegefall war und dass auch keiner von uns beiden mit dem künstlichen Koma wirklich einverstanden gewesen war, sich alles zu verändern begann.
Sie nahm Rücksprache mit dem Arzt, kurz darauf (wie ich inzwischen weiß) kam die Schwester zu F. und zog ihm das Mistding aus dem Hals ...
Schon auffällig, dieses Timing, nicht wahr?
Sie sagte mir dann noch einmal, dass es eine Art Pool für Reha gäbe, d.h. er wäre da nun auf der Liste und es kommt darauf an, wer wann Platz für ihn hat, wo auch immer das dann sein mag.
Nur ob sie wirklich nötig sein wird, diese Reha, das muss sich wohl erst noch zeigen.
Erst einmal sind wir gottfroh über die wiedergewonnene Stimme und nun heißt es feste Daumen drücken, dass er weiter so tadellos eigenständig atment, nur mit Nasenbrille übrigens, also genau wie daheim.
Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉
Also, dass dein F wieder spricht freut mich doch sehr. Ehrlich gesagt war ich wütend, wenn er durch den Aufenthalt im Krankenhaus zum Pflegefall geworden wäre? Oder ist das gänzlich aus zu schließen? In meinen Gedanken habe ich durchgespielt wie es wohl gewesen wäre, wenn ihr Privatpatienten gewesen wärt?
AntwortenLöschenWie ich höre wurden die Notstromaggregate durch das THW ins neue Bundesland gebracht, deshalb fehlen sie hier. Aber das macht doch NIX ! Und wenn hier ein paar Leute erfrieren? Was solls. Und dieser geistige Tiefflieger namens Roderich Kriegsgewitter fabulierte davon, dass es der Russe war. Es gibt schon bemerkenswerte Erfindungen: Bier OHNE Alkohol, etc. Nur Politiker ohne Idiotie hat man noch nicht geschafft.
Na, so sicher wäre ich mir da nicht, wer diese Linksterroristen letztlich "inspiriert" hat.
LöschenMeine Eltern waren ja Privatpatienten und ich dadurch natürlich auch, bis ich selber versichert war.
Du hattest dann im KH Anspruch auf ein Einzelzimmer und der Chefarzt schaute ab und zu herein, und natürlich musst du die heftigen Kosten erst mal vorschießen.
Ansonsten, keine Ahnung, ob sich die eigentliche Behandlung am Ende wirklich unterscheidet.
Fakt ist jedenfalls, mein Papa könnte womöglich noch leben, wenn er nicht dieses doofe Einzelzimmer gehabt hätte.
NUN, ich bin nach wie vor in der GKV versichert. Ich habe nur mein Krankenversicherung gewechselt. Das wird zum März geschehen. Und die Herrschaften aus dem neuen Bundesland kommen hier her und lassen sich auf Kosten aller Zeitgenossen aus Dummland ihre Zähne richten. Deshalb werden die Krankenkassen teurer. Aber das macht doch NIX. Wie kann die blöden Deutschen weiter entlasten? Klar Einführung einer Atemsteuer ! Meine Bekannte als Bäuerin kann ja ihren Hof nicht unter den Arm klemmen und auswandern.
LöschenJa, natürlich waren unsere Sozialsysteme nicht dafür gedacht, dass immer mehr Menschen davon profitieren, die nie etwas beigetragen haben. Man kann es sich an zehn Fingern ausrechnen, dass das so nicht dauerhaft gutgehen kann.
LöschenHallo, Liebe Rex-Mama,
AntwortenLöschenDieses Auf und Ab zwischen Hoffnung, Ohnmacht, Wut und dann plötzlich dieser eine Moment, der alles verändert – das ging mir eben beim Lesen mächtig unter die Haut – wie muss es dir dann wohl erst damit gehen.
Und dann dieser Augenblick: seine Stimme (also die von "F"). „Hallo, meine Eule …“ – genau als ich diese Stelle las, flog mir eine fliege ins Auge und ich hatte auch kurz feuchte Augen. – Gestern schrieb ich es noch: „Eulähhhhhh“.
Was für ein Geschenk nach all den Wochen der Angst und und vor allem der Sprchlosigkeit .Dein Eindruck, dass sich etwas verändert hat, nachdem du klar gemacht hast, dass „F“. vorher kein Pflegefall war.
Dass die auf einmal einfach das Ding aus „F“ nehmen konnten, da habe ich aber Bauklötze gestaunt. Zufall? - !!! - ? Eher nicht oder?
Sollt ich jemals in einer ähnlichen Situation sein und Beistand brauchen, weiß ich an wenn ich mich wenden muss.
Ich wünsche euch, so was von Herzen, dass das eigenständige Atmen nun wirklich selbstverständlich bleibt, dass die nächsten Schritte behutsam und sinnvoll sind, damit meine ich nicht von deiner Seite aus.
Liebe - Ganz viel Kraft, Hoffnung und weiter gedrückte Daumen – Grüße
lifeminder
Lach, lieber lifeminder, das sehe ich selber auch so, es ist wohl in einigen Situationen nicht so verkehrt, mich an der Seite zu haben. ;-)))
LöschenNoch die Tage sprach ich mit meinem Cousin darüber, der seinen Ärzten blind vertraut, nichts hinterfragt, sondern alles so hinnimmt, währed ich ja der Typ bin, der dann mit Fragen löchert, alles genau verstehen und im Blick behalten will.
Die Schwestern brinnge ich auch oft ins Rennen, wenn ich Werte wissen will, die die Monitore gar nicht anzeigen, und da ich kaum einmal einen Arzt zu Gesicht bekam, war es nun wichtig, F. von einer fast namenlosen Nummer zu einem Menschen mit Geschichte und Background zu machen, denke ich, auf jeden Fall gehts nun auf einmal vorwärts und sie trauen ihm etwas zu.
Hast recht, dieser schnelle Wechsel war manchmal kaum noch zu verkraften, im einen Moment denkt man, es geht aufwärts, im nächsten ziehen sie einem den Boden unter den Füßen weg und ... wenn schon bei dir diese Fliege ins Auge geriet 😉, dann kannst du es dir sicher vorstellen, wie mir die Tränen kullerten, als ich F.s Stimme hörte ...
Ein unbeschreiblicher Moment war das. 🥰
Liebe Danke-dir-so-sehr-fürs-Mitfühlen-Grüße zurück! :-))