Sonntag, 11. Januar 2026

11.2.26 - Tag 32 auf der Intensivstation

 F. meldete sich erst um 9:46 Uhr, schrieb, sie hätten bis eben an ihm herumgearbeitet.

Reflexartig bekam ich sofort einen Schrecken, befürchtete medizinische Maßnahmen und um das abzukürzen, rief ich kurz auf der Station an.

Nein, alles in Ordnung, sie seien nur sehr intensiv pflegerisch an ihm tätig gewesen, erfuhr ich, und nun sei er sicher erst mal ordentlich kaputt davon.

Isser, trotzdem schrieb er mir aber noch, ich solle den Nagelknipser wieder mitbringen, denn das ist etwas, worum die sich dort nicht kümmern, genauso wenig wie um die Ohren übrigens, für deren dringend notwendige Reinigung ich vor einigen Tagen mit  Ohrenstäbchen anrückte. 

Weder in der Nacht noch am Morgen war bis dahin die Maske notwendig gewesen, toitoitoi ... und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass sie ihn mir vielleicht demnächst nach Hause bringen könnten, natürlich erst, wenn ich hier auch über eine Sauerstoffmaske sowie Toilettenstuhl und Badewannenlift verfüge.

Sicherheitshalber habe ich heute früh das Haus gesaugt, denn am Abend will ich schon mal meinen Liegestuhl runterholen, damit der für alle Fälle bereitsteht, denn an unser Bett wird natürlich noch lange Zeit nicht zu denken sein, also müssen wir uns dann wieder im Wohnzimmer behelfen.

Gestern fragte F. mich auf einmal ziemlich verstört: "Sag mal, wenn die mich dann heimbringen, ich hab doch gar nix anzuziehen, die werden mich doch wohl nicht sooo....?" 😮😮😮

Ich lachte laut auf beim Gedanken, dass er sich im Flatterhemdchen auf die Reise begeben sollte, und beruhigte ihn sofort, denn am Tag, als er für einige Stunden auf der Normalstation war, brachte ich ja bereits  eine Tasche mit allem mit und heute werde ich zusätzlich noch eine lange Jogginghose sowie eine warme Fleecejacke mitnehmen, so ist er für alles ausgerüstet.

Mein Abend war ganz okay, obwohl mir klar war, dass ich von F. nix mehr hören würde, nachdem er mir schon um sieben mitgeteilt hatte, dass er nun schlafen werde.

Meine Freundin aus Süddeutschland hatte mir nachmittags geschrieben, dass sie jetzt bereit für ein Pläuschchen wäre, Pech, dass ich es nicht war, also antwortete ich ihr abends, dass ich nun zu Hause sei, und dann rief sie mich gegen halb neun an, was mir sehr gut passte, denn im TV lief eh nix, das mich irgendwie anmachte.

Später ging ich dann zu ZDFInfo, schaute mir Sendungen übers alte Ägypten an, eh mein Thema und da ich das meiste sowieso schon wusste, war das die beste Gelegenheit, dabei sanft ins Reich der Träume zu entschweben.

Heut früh schickte mir mein Bruder ein Foto seines Außenthermometers mit erheblichen Minusgraden, fragte, ob das in etwa den Temperarturen in meiner Küche entspräche, ich bestätigte, viel mehr kam aber dann  nicht, nicht eine einzige Frage nach F. und ob er überhaupt noch im KH ist ...

So, und nun mache ich mich langsam fertig, für den Hinweg habe ich eine ganz gute Verbindung gefunden, nur der Rückweg wird schwierig werden, weil die Bahnen und Busse sonntags teilweise nur einmal in der Stunde fahren, d.h. ich werde dann beim Umsteigen wieder lange in der Kälte ausharren müssen. 🙄 

Oder auch nicht ... 😁

Kurz bevor ich loswollte, schrieb mich A. an, ihre Freundin habe so viel  Kuchen mitgebracht und sie würde mir gern etwas davon vorbeibringen. Da ich ja auf dem Sprung war, einigten wir uns auf den Abend und als ich erwähnte, dass es wegen des Sonntagsfahrplanes aber später werden könnte, bot sie mir an, mich am KH abzuholen. Das tat sie schon x-mal, doch heute nahm ich es tatsächlich mal äußerst freudig an, denn das wäre wirklich kein Vergnügen geworden.

Mit F. war alles in Ordnung, er gefiel mir sogar ausnehmend gut, die Maske hat er seit gestern Abend nicht mehr benötigt und die goldige Schwester B. aus Simbabwe meinte, morgen  würde sicher auch mehr geschehen, wenn das Wochenende endlich vorbei sei.

Wieder war ich beeindruckt von ihrem guten Deutsch und wie schon bei ihren Kolleginnen und Kollegen hatte ich auch bei ihr das Gefühl, dass ich ihr mit meiner Fragerei nicht auf die Nerven gehe, sondern sie mir ganz im Gegenteil sehr gern alles erklärt, was ich wissen möchte.

Heute ging es mir vor allem um eine Kanüle, die F. seitlich im Hals stecken hat und auf die ich mir so recht keinen Reim zu machen wusste.

Die ist für Medikamente gedacht, so sie denn auf einmal schnell nötig sein sollten - was zum Glück aber nicht der Fall ist (toitoitoi), denn seit den Stunden auf der Normalstation nimmt er seine Pillen oral ein, bekommt abgesehen von etwas Kochsalzlösung gar keine Infusionen mehr.

Da ich ja mit den meisten Vorgängen dort inzwischen bestens vertraut bin, weiß ich natürlich auch, was es bedeutet, denn die mit den Worten kommen: "Ich muss Ihnen nur mal etwas Blut rauben."

Nadel und Schlauch dafür stecken an seinem Handgelenk fest, so dass sie ohne weiteren Piekser direkt etwas entnehmen können, und das dient der CO2-Kontrolle. Heißt also, immer wenn die zum Zapfen kommen, erfrage ich den Wert sofort und war heute mehr als zufrieden damit, wobei ich nun auch immer besser durchblicke durch das Zusammenspiel von CO2- und Sauerstoffwert. Gut so, denn wenn F. erst daheim ist, muss ich ja alleine damit klarkommen, das so ausgewogen wie möglich zu halten ...

Für 17 Uhr war ich mit A. verabredet auf der Straße vor dem Haupteingang, doch dann kam über WhatsApp ihre Frage, wo ich sei, sie sei nämlich dort.

Nach ein wenig Hin und Her fanden wir dann zueinander - das Gebäude wird vorn von einem riesigen Parkplatz gesäumt und ihr Navy hatte sie zum anderen Ende geführt, von dem ich bis dahin nicht einmal wusste, dass es existiert, weil ich ja nie weitermarschiere als bis zur Tür. 

Hach, war das schön, im warmen Auto nach Hause kutschiert zu werden. Unterwegs ein nettes Pläuschchen, nein, nicht nur über F., sondern auch über die Anerkennung ihres Studiums, also Fachliches.

Noch mit reinzukommen, dafür fehlte ihr die Zeit, aber ich versprach ihr Fotos von allen Lungenmedikamenten, die F. bisher nahm, sowie vom Sauerstofftank, was ich natürlich prompt erledigte, hatte ich neben der Fahrt doch zuvor schon eine weitere Belohnung erhalten, nämlich diese hier:


 Da werde ich gut zu tun haben, bis ich das alles aufgemümmelt habe, aber ich bin sicher, ich kriege das hin. 😁

 

Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉 

4 Kommentare:

  1. Ich freue mich für dich, daß du in einem warmen Auto zurück gefahren wurdest und nicht in der Kälte stehen musstest. Die Wetteraussichten für morgen sagen Regen voraus und am Freitag klettern die Temperaturen auf 10 Grad plus. Mal sehen was kommt. Die türkischen Leckereien sehen sehr gut aus. Das Verhalten deines Bruders ist für mich befremdlich. Aber ich bin da aus etwas anderem Holz geschnitzt. In zwei Monaten gibt's hier in BW die Landtagswahlen. Das größte Problem für die grüne Sekte sind Rückschritte bei der Geschlechtergleichheit. Und Windmühlen und Solarparks liefern nicht die notwendige Energie für KI. Aber Hauptsache es ist alles Klimaneutral

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    1. Der Witz ist, dass es im Grunde gar keine türkischen Leckereien waren, denn das waren ganz normale Kuchen, wie man sie hier auch isst, allerdings wirklich lecker gebacken.

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  2. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    "F" macht im Blog und hoffentlich auch auf dich einen guten Eindruckt. - Dass, das alles noch sehr Anstrengend ist - verständlich!

    Deine Freundin aus Süddeutschland scheint auch ein besonders lieber Mensch zu sein.
    Dass sie sich in der schweren Situation auch nach dir richtet, auf dich wartet, bis du bereit zu einem Gespräch bist. Klasse.

    Von "A" hatte ich bisher immer ein gutes Bild.
    Doch nach heute - ist das Ansehen bei mir nochmals um einiges gestiegen. Was für eine Freundin. Solche Freunde sind ein Traum - die einen aufsammeln am Krankenhaus, Kuchen bringen, geduldigt sind - und trotzdem nicht böse sind, wenn man ihnen sagt: Momentan sind treffen, weniger drin.

    Wenn du so weiter machst, werden sie dir bald eine Stelle im Krankenhaus anbieten.

    Wir Männer sind sensible Geschöpfe, ich hätte auch die Klamottenfrage gestellt. - Wer will schon im Flatterhemdchen heimgebracht werden?

    Dein Bruder macht mir ein wenig zu schaffen? - Ich verstehe nicht, warum der nicht nach "F" fragt, ich würde ja sagen, er hat es schlicht vergessen, doch vor einiger Zeit, war das schon einmal der Fall. - Ob dein Bruder ihm noch den Weihnachtsstreit vor einigen Jahren nachträgt?

    Ich hoffe sehr, du ruhst dich gerade aus, freust dich über "F´s" Fortschritte, schöpfst ein wenig Energie für die neue Woche.


    Liebe - 22 Uhr 45 - Grüße
    lifeminder

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    1. Lach, lieber lifeminder, diese Freundin ist in Rente und muss sich um nichts kümmern als um sich selbst und ihre winzige Wohnung. Trotzdem ist sie immer so im Stress, dass ich mich ihr stets anpasse mit den Gesprächszeiten, will sagen, es war das allererste Mal, dass sie sich nach mir richtete, und dass sie so realtiv spät am Abend überhaupt noch wollte, lag vermutlich hauptsächlich daran, dass sie ein PC-Problem hatte, dass ich aber zum Glück lösen konnte. ;-))
      Mein Bruder, nein, dieser Streit damals war ja allein auf seine Kappe gegangen, im Grunde war es gar kein Streit, sondern er maulte F. zusammen, so wie er es ab und zu mit jedem mal macht.
      Ich denke, um solche Themen, vor allem auch Gefühle macht er einfach einen riesigen Bogen bzw. erkennt vieles vielleicht einfach gar nicht.
      Da ich durch U.s Sohn recht gut im Thema Asperger-Syndrom drin bin, habe ich immer mehr den Verdacht, er könnte davon betroffen sein, denn etliche der typischen Symptome finde ich bei ihm wieder.
      Und A., ja, sie ist wirklich ein Goldschatz und es ist schön, wie sich vieles zwischen uns eingespielt hat, besonders wenn ich an die Anfangszeiten zurückdenke, als wir ja noch kaum einen ganzen Satz miteinander austauschen konnten.
      Das klappt heute alles schon sehr gut, auch das Korrigieren ihrer Arbeiten per WhatsApp, und heute entdeckten wir, dass wir bereits auf eine ganz stattliche gemeinsame Vergangenheit zurückblicken nach dem Motto, weißt du noch ... ;-)))
      F.s Fortschritte, oh jaaaa, heute war ich wirklich begeistert von ihm, auch davon, dass er eben noch so lange TV schaute und sich zwischendurch immer mal meldete. Eindeutig ein Zeichen, dass er wieder teilnimmt am Leben. 🥰

      Liebe 00:54-Grüße zurück! :-))

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