Gerade höre ich in den Nachrichten, wie die Zahl der Arbeitslosen stetig wächst, und muss an ein Gespräch zwischen zwei Jugendlichen denken, das ich gestern in der Bahn mitbekam.
Ca. 18 Jahre alt mögen sie gewesen sein, ein Mädel und ein Junge, vielleicht Klassenkameraden auf einer Gesamtschule, jedenfalls stöberten sie beide auf ihren Handys nach Lehrstellen und übertrafen sich gegenseitig in Entsetzensbekundungen.
"Was? Voraussetzung gute Mathe- und Deutschkenntnisse?", stöhnte er auf. "In Deutsch hab ich ne Fünf und Mathe kann ich auch nicht ..."
So ging es weiter, immer wieder stolperten sie über Deutsch und Mathe und waren sich einig, dass es überhaupt nur zwei Möglichkeiten für den künftigen Job gab: Entweder musste er besonders "chillig" sein oder richtig dicke Kohle einbringen.
Sie las ihm die Voraussetzungen für den Bankkaufmann vor, wieder jammerte er los, nee, das klinge ihm doch sehr langweilig und Deutsch und Mathe hätte er ja eh nicht zu bieten.
"Vielleicht einfach direkt Bürgergeld?", überlegte er dann, schön chillig sei das auf jeden Fall.
Ob er dann nicht vielleicht doch noch Abitur machen wollte, fragte sie, doch ihn störte daran erheblich, dass er dann ja schon 21 sei und immer noch kein Geld für sein Tun bekommen hätte ...
Kurzum, es klang nicht so, als hätten sie ernsthaftes Interesse, überhaupt irgendetwas zu machen, nichtsdestotrotz amüsierte ich mich köstlich über die Sprüche, die sie so von sich gaben.
Endlich kann ich mich wieder über Dinge amüsieren ... 😊
Und nebenher sehe ich ja auch auf der Intensivstation die vielen, größtenteils noch recht jungen Krankenschwestern und -pfleger, die ich alle aufrichtig bewundere dafür, dass sie sich für einen so verantwortungsvollen und anstrengenden Beruf ausgesucht haben.
Unnu überschlugen sich heute die Ereignisse, hier der Kurzbericht an meine Schwägerin:
"Wegen des angekündigten Sturmes hatte ich beschlossen, lieber schon morgens hinzufahren, doch kurz vor dem Start kam Nachricht von F., dass er auf Normal verlegt wird, und es war das perfekte Timing, denn kaum war ich da, kamen zwei nette Schwestern, stellten sich sogar mit Handschlag vor, halfen F. in ein anderes Bett und schon ging die Reise los durch ein Labyrinth von Gängen - ich immer hinterher.
Dreibettzimmer mit zwei TV-Bildschirmen, aber nur einer Fernsteuerung und es ist sehr ungewohnt, ihn nun ohne jede Überwachung oder Tropf zu sehen, nur die Nasenbrille ist in Aktion.
Dann tauchte ein junger Mann vom sozialen Dienst auf, eigentlich zum Patienten gegenüber, aber dann stellte sich heraus, dass er auch mit F.s Fall grob vertraut war.
Und wieder sind da Entscheidungen sehr schnell gefallen, denn eigentlich hatten sie vorgehabt, ihn bist zur Entlassung auf Intensiv zu behalten, und dann entweder erst mal (mit Unterstützung) nach Hause oder direkt in die Reha, sofern sich ein Platz findet.
Auch eine Kurzzeitpflege erwähnte er, aber das will ich natürlich vermeiden, wenn es irgendwie möglich ist.
Heißt also, nichts Genaues weiß man im Moment noch nicht, und ideal wäre natürlich die Reha-Möglichkeit hier im Ort, stationär natürlich, aber ich könnte jeden Tag hingehen.
Also heißt es weiter abwarten, zum einen, was die erreichen, zum anderen, wie er auf die Beine kommt.
Morgens hatte er gefrühstückt und just, als ich zur Bahn wollte, kam das Mittagessen, also zog ich mich wieder aus und fütterte ihm, stellte sicher, dass er einen guten Teil davon aufmümmelte, und das auch durchaus mit Appetit. 😊
Ach ja, und Oberarzt-Visite fand auch noch statt, wobei der mir aber nichts wirklich Neues zu sagen hatte. Sehr viele Pillen muss er jetzt schlucken und der Mann vom Sozialdienst erwähnte noch mal, dass sie ja die Pflegestufe beantragt haben. Eventuell würde da noch einer zu F. kommen, aber es sei auch gut möglich, dass sie das rein nach Aktenlage beurteilen."
Und weiter ging es:
"Als wir kamen, war nur ein Bett belegt und der war zu irgendeiner Untersuchung, also konnten wir uns erst mal einrichten. Dann tauchte er auf, ein Italiener, vermute ich, sehr nett, aber auch eine Labertasche. Der dritte Mann kam erst, als ich weg war, mehr weiß ich noch nicht über ihn, aber Fredl wird damit schon klarkommen, ist auf jeden Fall alles etwas lebendiger und normaler als auf Intenisv. Die Schwestern sind auch dort richtig nett und eine hat es mir besonders angetan, eine etwas prallere, mütterlicher Typ. Sie kam wegen des Speiseplanes für morgen und dann haben wir zu dritt beratschlagt, was F. schmecken könnte, und sie gab sich richtig Mühe, hier noch was Leckeres, Nahrhaftes dazuzupacken und dort auch noch. Er müsse ja schließlich wieder zu Kräften kommen, meinte sie, und genauso sehe ich das auch. Ganz wichtig ist, dass er nun wieder Kraft in den Beinen kriegt."
Schon seit gestern versucht sie mich davon zu überzeugen, dass es doch sicher sehr gut wäre, würde ich mit in die Reha gehen, aber erstens zahlt die Kasse das nur bei medizinischer Notwendigkeit und zweitens muss ich nun mit meinen Kräften auch ein wenig haushalten und sollte mir solch zusätzlichen und vermutlich eher überflüssigen Stress besser nicht antun.
Sofern es denn überhaupt wirklich zu einer solchen kommt, im Moment gibt es ja eine Überraschung nach der anderen, also warte ich jetzt einfach mal ab.
Eigentlich hatte ich überlegt gehabt, wenn ich heute schon den Nachmittag freihabe, könnte ich mich ja vielleicht noch auf einen Kaffee mit A. treffen, bevor das Unwetter losgeht, aber ehrlich, ich bin einfach zu kaputt dazu, denn die letzten vier Wochen forderten ja nicht nur psychisch sehr viel von mir, sondern waren auch körperlich in höchstem Maße anstrengend. Diese halbe Weltreise jeden Tag bei solchem Wetter, noch dazu mit wackeligen Beinen, nein, ein reines Vergnügen ist das wahrlich nicht, aber immerhin muss ich mich von jetzt an nicht mehr an Besuchszeiten halten, sondern werde nun wohl immer am späten Vormittag losdüsen, so dass ich F. beim Mittagessen helfen kann und auf dem Heimweg nicht mehr im Dunkeln an meiner "Lieblingshaltestelle" herumstehen muss.
Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉

Es muss doch nicht sein, daß der Junge und das Mädel sich direkt ins Migrantengeld rein machen. Gebraucht wird der Junge bei Pistorius an der Ostfront. Vielleicht kann das junge Mädel so lange die Heimat schützen gegen den pösen Putin.
AntwortenLöschenEine Reha vor Ort wäre doch das BESTE und mit deiner Unterstützung wäre der Heilungsprozess sehr positiv. Außerdem wäre es mit Rex vollkommen problemlos. Er bräuchte nicht irgendwo untergebracht werden. Für das Wochenende (Samstag / Sonntag) sind hier Temperaturen von - 3 bis - 7 Grad angesagt. Am Samstag soll es Schneefall geben.
Immer wieder spannend zu sehen, wie Leute - egal welcher Couleur - den Despoten dieser Welt in die Fänge gehen ...
LöschenUnd ja, ich wäre auch überglücklich, wenn das mit der Reha vor Ort klappen würde.
Hier regnet es jetzt auch, das heißt, die Schneemassen tauen, und nun wird es spannend, ob das Wasser auf dem Boden gefriert und es höllisch glatt wird.
Ich hoffe nicht, denn ich will ja morgen unbedingt wieder zum Krankenhaus, sofern Petrus mich irgendwie lässt.
Hallo, Liebe Rex-Mama!
AntwortenLöschenDas Gespräch der Jugendlichen in der Bahn ist zugleich amüsant und erschreckend.
Man(n)- also ich - lachte kurz auf, und im nächsten Moment blieb mir das Lachen arg im Hals stecken. – Hoffentlich finden das Mädel und der Bub Leute die sie ein wenig in die richtige Richtung schubsen, mehr kann man ihnen nicht wünschen.
Mit wie viel Aufmerksamkeit, Wärme und Selbstverständlichkeit du „F“ auch weiterhin. begleitest, ihn fütterst, organisierst, abwägst, Entscheidungen mitträgst, davor kann man nur großen Respekt haben. Dass du auch Pfleger so siehst und würdigst, sagt viel über dich aus. – Nämlich nur gutes!
Ich freu mich so sehr mit, dass „F“ auf „die Normale Station“ verlegt wurde.
Es ist wichtig, dass du jetzt auch ein bisserl an dich denkst, deine Kräfte einteilst und dir zugestehst, einfach kaputt zu sein. Die letzten Wochen waren nicht nur eine enorme Belastung körperlich wie seelisch. – Das war Horror, wenn man um das Leben seines liebsten Menschen bangen muss.
Dein Plan, es dir künftig ein wenig leichter zu machen, klingt vernünftig.
Ich wünsche euch weiterhin so viel Glück mit den Menschen, die euch dort begleiten, und dass sich gute, vor allem aber tragfähige Lösungen ergeben, Schritt für Schritt.
Bleibt zu hoffen, dass nicht nur „F“ weiterhin zu Atem kommt, sondern du auch! – Hörst du!?
Liebe – einmal mehr: einfach alles, wirklich alles Gute für „F“ & Dich“ – Grüße
lifeminder
Ja, lieber lifeminder, das muss ich, wie heute nicht zu übersehen war.
LöschenAn sich hätte ich an diesem so unverhofft freien Nachmittag einiges zu erledigen gehabt, doch was geschah?
Nur kurz aufs Sofa, einen Moment die Beine hochlegen, daraus wurden vier Stunden, die ich einfach so verpennte wie ein Stein.
Danke-für-deine-guten-Wünsche-Grüße zurück! 🤗