Donnerstag, 22. Januar 2026

Die erste Nacht am Galgen ist immer die schlimmste

 Dieser Spruch klebte an unserer bereits vorhandenen Mülltonne, als wir unser Häuschen kauften, und ich finde, da ist was dran. 😁

F. hat den Aufkleber leider irgendwann einfach entfernt, trotzdem habe ich mir das gut gemerkt und auch jetzt trifft es wieder zu, denn die ersten Tage nach F.s Heimkehr bekam ich es nun wirklich knüppeldicke, auf einmal war ich nicht nnur allein verantwortlich für seine Atmung, überhaupt für die Einschätzung seines Zustandes, sondern ich musste ja auch erst mal eine Pflegeroutine entwickeln und nebenher die ganze Rennerei zu Ärzten und Apotheken neben jeder Menge Bürokratie erledigen.

Abgesehen von Rex, Essen, Umfragen, all dem halt, was eh täglich zu meinen Aufgaben gehört ... 🙄

Es geht morgens los, indem F. aufwacht und sofort schreit, dass er dringend kacken muss, was für mich bedeutet, den Stuhl schnell herbeizufahren, ihm ums Sofa herum draufzuhelfen, natürlich erst, wenn die Büx unten ist, dann geht es irgendwann weiter mit der Reinigung und Beseitigung der Ergebnisse und so weiter und so fort.

Wirklich von früh bis spät bin ich im Einsatz, aber ich hoffe darauf, dass es nun immer entspannter wird, nachdem eben auch schon die zweiten Sauerstofffüllung für diese Woche kam.

Vorgestern erfolgte die erste und kurz danach tauchte der Mann von ResMed auf, der uns noch einmal gründlich in die Benutzung des neuen Gerätes einwies, das übrigens laufend Daten an die Firma überträgt.

Und dann trudelte auch noch die Smartwatch, genauer gesagt die Fitbit Sense 2 ein, was mich mal wieder Stunden und einen intensiven Austausch mit Aionos kostete, denn nachdem die App aufs Handy hochgeladen war, ergaben sich noch einige Probleme, die nun aber nach und nach hoffentlich gelöst sind, sogar den Sauerstoffwert zeigt sie inzwischen an, etwas, dem sie sich am Anfang beharrlich verweigerte.

Gestern dann ging die Rennerei wieder los, erneut zur Apotheke, wo ich innerhalb einer Woche nun schon mehr als 130 Euro zuzahlen musste, dann weiter zum Lungenarzt, der sich nach langem Hin und  Her bereiterklärt hatte, das Rezept für den zweiten Tank auszustellen, das wir ... nun aber gar nicht mehr benötigen - dazu gleich noch mehr.

Zunächst hatte F. ja zwei verschiedene Inhalate verschrieben bekommen, die er laut  Krankenhaus viermal täglich mit dem neuen Pari-Zerstäuber inhalieren sollte, nun meinten die Praxisdamen aber, künftig solle er wohl hauptsächlich Kochsalzlösung dafür verwenden, die ich allerdings selber kaufen müsse.

"Ja, wo denn?"

Rossmann oder dm hätten so etwas, meinten sie, also flitzte ich gleich noch weiter zu Rossmann, wo man allerdings nur bedauernd den Kopf schüttelte.

Okay, dann nicht. Wenigstens eine Literflasche destilliertes Wasser für den ResMed nahm ich noch mit, dann weiter zu Netto, wo die Maishähnchen allerdings inzwischen leider ausverkauft waren.

Grrr, dann halt stattdessen eine Zwei-Kilo-Packung mit Hühnerbeinen mit Rückenanteil plus allem, was ich sonst noch benötigte, und ab  nach  Hause, wo ich mich gleich wieder F. widmen musste, der zum Glück mit gutem Appetit isst und auch sonst mit Feuereifer am Leben  teilnimmt, so gut das im Sitzen halt geht. 

Bevor ich das tun konnte, musste ich allerdings noch abklären, wer während meiner Abwesenheit angerufen hatte, denn F. konnte ja leider nicht drangehen. Tzzz, schon wieder war es meine Tante gewesen, jedes Mal falle ich darauf herein und rufe sofort zurück, immer damit rechnend, dass es etwas Wichtiges sein könnte.

Ist mir echt ein Rätsel, warum der Apparat ihre Nummer nicht erkennt, denn eingespeichert habe ich sie.

Dann scannte ich das Rezept ein und mailte es K.C., meiner Verbindungsfrau bei der Sauerstofffirma.  

Eigentlich sitzt sie dort in der Telefonzentrale und ich landete ganz am Anfang mal bei ihr, als ich eine Rückfrage hatte, und weil sie den Vorgang hinterher zufällig in die Finger bekam und sich an unser Gespräch erinnerte, schrieb sie mir eine Mail.

Dadurch hat sich ein dauerhafter Mailkontakt entwickelt, sobald ich ein eine Frage habe, ein Problem oder einfach etwas benötige, schreib ich ihr und inzwischen sind wir längst auch beim ein oder anderen Privaten angekommen.

Gestern schrieb ich dann dazu, dass ich mir wegen des zweiten Tanks inzwischen gar nicht mehr sicher sei, da ich die Literzahl für F. schon deutlich verringern konnte - letztlich ging es nur um die Sicherheit, im immer unwahrscheinlicheren Fall, dass der eine Tank wirklich mal leer sein könnte, nicht plötzlich ganz ohne Sauerstoff dazusitzen. D.h. wenn ich mich in diesem Falle darauf verlassen könnte, dass dann eine ungeplante Zwischenfüllung käme, wäre eigentlich alles gut.

Daraufhin rief sie mich an und es wurde ein Gespräch von mehr als einer Stunde daraus. Natürlich besprachen wir vorranging das Wichtigste, nämlich dass wir es mit dem Tank genauso machen werden, wie ich es mir vorstellte, und dann kamen wir noch vom Höcksken aufs Stöcksken, womit sich wieder einmal bestätigte, was ich nun schon so oft erlebte:

Lerne ich Leute zunächst einmal nur durchs Internet kennen, also rein schriflich, funktioniert es in der Regel dann telefonisch und bisher auch bei jedem später erfolgten realen Aufeinandertreffen genauso gut. 

Man merkt in der Regel an sehr vielen kleinen Dingen, ob es passt oder nicht, und sie selber drückte das am Telefon dann auch mit den gleichen Worten aus: Bei uns passte es einfach von Anfang an. (Was vor allem auch den Humor betrifft.) 

Später rief dann noch eine Nachbarin an, die, die vor Kurzem ihre Tochter so unvermittelt verlor. Sie hatte von ihrem Lebensgefährten, den ich mal unterwegs getroffen hatte, erfahren, dass F. im KH war, und wollte nun hören, wie es ihm geht.

Was mich sehr freute und ganz nebenher erfuhr ich dann auch noch, dass demnächst wohl Schluss sein wird mit dem Grün gegenüber.

Die ganze Kleingartenanlage kommt weg, muss offenbar Garagen weichen, na toll, überall wird von der Umwelt gelabert und angeblich zu ihren Gunsten verteuert man uns das Leben schneller, als man gucken kann, und überzieht uns mit immer mehr Vorschriften, aber wenn es darum geht, dass sich irgendwelche Gierhammel die Nasen weiter vergolden können, dann wird ruckzuck und ohne Bedenken Natur durch Beton ersetzt ... 😡😡😡

So, und nun muss ich  meine Hühnerbeine abpulen gehen, die inzwischen gar sein  dürften. Es durftet schon verführerisch nach der Suppe und auch Rex nörgelt mich mit Nachdruck an, weil er genau weiß, dass gleich jede Menge Haut und Knorpel für ihn abfallen werden.

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

4 Kommentare:

  1. Ich freue mich für dich, wenn es Menschen gibt, die auch das Zwischenmenschliche sehr schätzen. So erging es auch mit einer Dame von meiner Krankenkasse. Durch eine Veränderung Seitens der Krankenkasse war es ihr jedoch nicht mehr möglich, daß wir miteinander plauschen konnten. Das bedauere ich sehr. Eine direkte Durchwahl zu ihr war nicht mehr möglich. Deshalb habe ich aber nicht die Kasse gewechselt. Unsere ganz guten Freunde aus dem neuen Bundesland Ukraine lassen auf Kosten der saublöden Deutschen ihr Gefriss richten. Macht aber nix, denn auch wir sollten wissen, daß wir uns im Krieg befinden. Ich bewundere dich und dein Engagement. Ich wünsche dir dafür die notwendige Kraft.

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  2. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    Das Rennen von früh bis spät wird hoffentlich weniger werden. - Oder zumindest anders verteilt.

    Ob du wohl nun schon besser schläfst? - Ich weiß, nicht ob ich das so könnte, so von "null auf hundert" - so auf Pflege.

    Umso mehr freut es mich zu hören, das "F" isst und lust aufs Leben hat. Jetzt hoffe ich, dass er ein wenig Kraft zurückgewinnen will und schon bald daran arbeiten kann. So, dass er zumindest die Wege im Haus alleine zurücklegen kann.

    Warst du denn oft in dieser Kleingartenanlage unterwegs?

    Ich freue mich, dass du so viele Leute um dich herum hast, die dir ein wenig Abwechslung im All-und Pflegetag bringt.


    Liebe - Guten Morgen - Grüße
    lifeminder

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  3. Lach, lieber lifeminder, anders verteilen kann man ja nichts mehr, wenn die Zeit rundum vollgepackt ist, aber keine Sorge, für heute erwarte ich schon die erste deutliche Entspannung.
    So ganz von 0 auf 100 war es ja nicht, F. ist schon seit Jahren stark eingeschränkt und nach den beiden letzten KH-Aufenthalten kam er auch in sehr desolatem Zustand nach Hause, auch wenn er damals immerhin mit meiner Hilfe noch den Rollator benutzen konnte.
    Werde gleich im Eintrag noch mal auf das Thema eingehen, denn es beschäftigt mich auch, dass ich das tatsächlich relativ gut hinbekomme alles. ;-))

    Liebe Guten-Morgen-Grüße zurück! :-)

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  4. @ Helmut: Irgendwie spinnt Blogspot heute und lässt mich nicht direkt unter Kommentaren antworten, daher nun so. ;-)
    Die Gas-Frau kann ich auch nicht direkt anrufen, sie hat keine eigene Durchwahlnummer, aber immerhin ihre E-Mail-Adresse, unter der ich sie immer zuverlässig erreiche, und das ist sehr viel wert für mich.
    Übrigens betrifft es nicht nur Ukrainer, sondern Millionen von Menschen aus aller Herren Länder sind hier eingereist und profitieren vom gesamten Sozialsystem, in das sie nie einen Pfennig eingezahlt haben.
    Und ich verdrehe ehrlich gesagt die Augen, wenn ich im TV Leute sagen höre, nein, das stelle absolut keinen Anreiz da, denn ich weiß es ja aus erster Hand von A. und M., dass sie sich vor ihrer Flucht sehr gut im Internet und vor allem bei bereits im europäischen Ausland angekommenen Freunden informierten, in welchem Land es am meisten gibt. (So sagten sie es mir wörtlich.)
    Wobei man dem Einzelnen daraus ja nicht mal einen Vorwurf machen kann, es liegt an unserer Politik, die mit ihrem Verhalten die Sozialsysteme zum Einstürzen bringen wird, denn für so etwas waren sie nicht konzipiert worden, genauso wenig wie das Asylrecht übrigens.

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