Mittwoch, 14. Januar 2026

14.1.26 - Tag 35 auf der Intensivstation

 Mein Abend war in Ordnung, ich schlief sehr früh auf dem Sofa ein, war einfach nur noch kaputt, doch F. musste leider umziehen, denn die Frau, die sie ihm ins Zimmer gelegt hatten, war derartig laut, dass an Ruhe oder gar Schlaf gar nicht zu denken war.

In Zimmer 1 ist er  nun, wie er mir schrieb, und damit in dem Teil der Intensivstation, der nicht zum Neu- sondern schon zum Altbau gehört und damit sehr viel unkomfortabler ist.

Aber ich habe Hoffnung, dass F. das nicht mehr sehr lange beeinträchtigen wird, denn er hörte munkeln, dass man ihn offenbar zum Wochenende entlassen möchte.

Was für mich bedeutet, dass zuvor noch die Lieferung von Kackstuhl usw. stattfinden müsste, zudem sollte ich dann auch noch einkaufen gehen, wobei ich heute Nachmittag erst mal hören  muss, ob er gerade Appetit in bestimmte Richtungen entwickelt. 

Und ein großes Problem ist noch, dass ihn die neue Maske auf dem Nasenrücken arg zu drücken scheint.

Hoffentlich können die da noch irgendetwas verbessern, denn unter Schmerzen wird er es kaum schaffen, das Ding von nun an jede Nacht komplett zu tragen, dabei wäre es so wichtig für den CO-Abtransport aus seinem Körper.

Und nun rasen die Gedanken in meinem Kopf, worum muss ich mich noch kümmern und wie werden wir das hinkriegen?

Wie sieht es mit seiner Kraft aus, bekomme ich ihn alleine hoch bzw. inwieweit kann er mich dabei unterstützen? Zumindest vom Stuhl aufs Sofa und umgekehrt?

Das wird eine gehörige Umstellung für mich, zum einen die Angst, weil ich dann wieder allein fürs Überwachen seiner Atmung zuständig bin, zum anderen die Frage, wie es sich körperlich hinbekommen lässt, aber immerhin habe ich dann nicht mehr die tägliche Fahrerei.  

Nun kopiere ich der Einfachheit halber das, was ich eben F.  schrieb:

"Jetzt rief mich die Frau vom sozialen Dienst wieder an, die Schwestern  hätten gesagt, ohne Pflegebett ginge es  nicht. Ich  soll nun selber noch mal mit denen reden und es hängt auch von dir ab. Meinst du, wir kriegen das hin mit Sofa und Kackstuhl, dass deine Kräfte ausreichen, dass wir dich zusammen auf den Stuhl kriegen?

So ein Bett kommt in Einzelteilen und zur Not würde es wohl neben den Tisch passen, aaaber ... dann haben wir es natürlich da stehen und du kannst nicht mal tagsüber in deinen Sessel. Ich denke, das ist eher hinderlich dabei, wieder etwas fitter zu werden, wenn du dann nur rumliegst, oder?

Aber du kannst besser beurteilen, was du dir zutraust, mein Schatz."

 

Er: "Versuchen wir es, wie du es vorschlägst." 

Dann ich noch: "Weißt du, du bist ja auch geistig und psychisch voll da. Ist ja nicht wie mit jemandem, der halblebig herumliegt und kaum etwas mitbekommt. Heißt also, du kannst mithelfen, so gut es eben geht. So wie das ja bei uns auch bei den letzten Malen schon lief.

Flasche  pinkeln biste eh gewöhnt, haste ja letztes Mal daheim auch gemacht, wir kriegen übrigens noch mehr davon, dann haben wir für oben und unten. Eine Bettpfanne kommt auch, d.h. entweder kommste mit Rollator zum Klo oder ich fahre dich mit dem Kackstuhl hin und zur Not  kannste ja auch direkt auf dem Stuhl dein Geschäft erledigen und ich leere es dann und wenn auch das zu viel sein sollte, dann haben wir ja auch noch eine Bettpfanne."

Was er dann genauso sah wie ich, seufz, das ist aber auch wirklich nicht so einfach alles.  

Und dann schrieb ich ihm noch dies hier: 

"Übrigens erzählte die Frau G., sie hätten Freitag oder Montag überlegt, du seiest für Freitag gewesen. Was ich natürlich genauso sah. Heißt also, übermorgen biste vermutlich endlich wieder da, wo du hingehörst. 🥰"

Also sollte ich heute Abend, wenn ich vom KH zurückkomme, noch mal los und ein paar Kleinigkeiten wie z.B. Toastbrot besorgen ...  

Und inzwischen habe ich auch noch einmal mit der Frau G. telefoniert und ihr gesagt, dass wir weder Bett noch Pflegedienst möchten, toitoitoi, dass es so bleibt ...

Außerdem versuchte ich mein Glück beim Hausarzt, denn dort werde ich am Montag ja kurzfristig einen Termin benötigen für F.s Rezepte. Leider zu spät, ich vergaß, dass Mittwoch ist, da machen die schon um 11 Uhr Feierabend ... 🙄 

 

19:45 ... alles erledigt, vor allem ich selber. 

F.s neues Zimmer ist absolute Ruhezone, quasi das allerletzte um die Ecke herum - gegenüber ist nur noch das Ärztezimmer und bei denen piepts in der Regel nicht, zumindest nicht so laut wie in den anderen Räumen. 😁

F. ist es zu still dort hinten, er vermisst den Trubel der Theke, die sich ja genau vor seinem langwöchigen Zimmer befand, aber die Vorfreude auf übermorgen lässt es ihn mannhaft ertragen.

Bevor ich losfuhr, habe ich mich noch mal eingehend mit Aionos über das neue Gerät ausgetauscht, im Gegensatz zu der Schwester gestern und auch zu F. hatte ich die Funktionsweise dank Google von Anfang an richtig verstanden - es arbeitet mit Raumluft und zusätzlich kann man Sauerstoff hinzufügen, es muss aber nicht sein - wichtig zu wissen, weil man die Sauerstoffzufuhr für F. gar nicht voll ausreizen sollte, viel wichtiger ist der CO2-Abtransport, und genau dabei hilft das neue Gerät.

Natürlich erkundigte ich mich, ob er irgendwelche Gelüste hat, ob ich also zur Begrüßung etwas Bestimmtes kochen sollte, erwähnte auch, dass ich noch Fertigkartoffelsalat stehen habe, doch ... hihi ... damit stieß ich auf erheblichen Protest nach dem Motto, den Mischt kannscht selber fresse ... 🤣 

Dann war der ganz nette Pfleger heute wieder da, der, der mir neulich so viel so gut erklärte, und nun wollte ich von ihm wissen, ob diese Schnabelbecher, aus denen F. im Moment trinkt, eigentlich Einwegprodukte sind.

Er verneinte - hatte ich mir eigentlich auch nicht anders gedacht, denn das ist sehr stabiler Kunststoff und als ich das nun bedauerte und hinzufügte, dass ich mich dann wohl vor Freitag noch im Handel nach so etwas umschauen müsste, meinte der liebe Mensch, er würde gleich sehen, dass ... wie auch immer so etwas geschehen kann ... einer aus ihrem Vorrat verschwinde. 😅

Ich bot an, einfach den zu nehmen, aus dem F. gerade getrunken hatte, aber er bestand darauf, mir einen nagelneuen zu bringen, was er dann auch tat. 🥰

Auf dem Rückweg nahm ich schon mal alles mit, was F. dort nicht mehr benötigen wird, lach, eigentlich auch nie benötigte, denn er liegt ja nun seit 35 Tagen im Flatterhemdchen  herum, aber übermorgen ist Schluss, dann wird er endlich wieder etwas anziehen. Wird ihm sicher ungewohnt vorkommen ... 

 

So, und nun sollte ich  vielleicht mal etwas frühstücken, danach noch Umfragen und dann ist Schluss, nur noch Sofa, sonst nix mehr, nachdem ich nach meiner Heimkehr gleich noch einmal im Dunkeln loszog, um die Einkäufe zu erledigen, unter anderem destilliertes Wasser für das neue Gerät, außerdem Einmalhandschuhe und -waschlappen, die ich am Anfang bei der Pflege sicher benötigen werde. (Hab ich mir bei den Schwestern abgeschaut. 😉)

 

 

Habt einen schönen Abend und ... bleibt  bitte gesund! 😉 

 

 

 

4 Kommentare:

  1. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    Das "F" möglicherweise sehr bald bei Rex und dir ist - ist die Nachricht bisher, die mich 2026 mit Abstand am meisten berührt hat.
    Hoffentlich wirft Rex, "F" nicht vor lauter Freude um.

    Stimmt, du hast "F" in Rekordzeit aufgepäppelt . - Und doch, find ich das mutig, wie du die Sache angehst. Ich hätte sicher, die ersten paar Tage zumindest auf den Pflegedienst gesetzt. - Aber Frauen sind da wahrscheinlich einfach stärker und tapferer.

    Was ich jedoch wunderbar fand, dass du nun vorerst zum Krankenbett, nein gesagt hast. - Wie soll einer denn da gesund werden, wir hatten aufgrund Oma so ein Pflegebett im Wohnzimmer stehen, der Anblick macht einfach keine Freude.

    Wie optimistisch "F" und du seid, ist absolut vorbildlich.
    Ich wünsche euch nichts mehr, dass euer Mut belohnt wird.

    Das "F" Appetit zeigt, ist auch ein gutes Zeichen.


    Übernimmt dich nicht, pass auf dich auf - und lass dir nichts von anderen (ohne Ahnung) oder von mir (ohne Ahnung) erzählen, du findest auch diesmal den besten Weg auf euch.

    Ich freue mich schon auf spätestens Montag, wenn ich im Blog lese, wie dich "F" mit Country Music beschallt .



    Liebe - auf in glücklichere Zeiten - Grüße
    lifeminder

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    1. Das wäre schön, lieber lifeminder, aber das wird wohl noch sehr lange dauern, bis F. sich an seinen PC begeben kann, denn bis jetzt ist er ja nicht einmal in der Lage, zu stehen, geschweige denn auch nur einen Schritt zu gehen.
      Ob es richtig war, auf Bett und Pflegedienst zu verzichten, muss ich erst noch zeigen und ... seufz, "gesund" kann er ja leider nie mehr werden, nur hoffentlich noch einmal etwas fitter.

      Liebe Auf-jeden-Fall-auf-in-sehr-anstrengende-Zeiten-Grüße zurück! ;-))

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  2. Nun verstehe ich nicht weshalb du gegen einen Pflegedienst bist? Ich war froh, daß meine Mutter in einem Pflegeheim unter gekommen ist.
    Sicher es war nicht einfach, aber allein hätte ich das NICHT geschafft.
    Zweimal kam der Medizinische Dienst zuerst für die Einstufung des Pflegegrades und später noch einmal zur Überprüfung. Es war mir auch wichtig, daß sie trotz alledem noch gut besuchbar war. Mein Cousin war der Ansicht sie solle doch in das Pflegeheim kommen bei dem er arbeitete. Diesem Wunsch erteilte ich eine klare Absage.
    Ich wünsche weiter gute Besserung

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    1. Wir haben beide nicht die Absicht, F. zum dauerhaften Pflegefall werden zu lassen, und es ist ja auch nicht das erste Mal, dass er in sehr desolatem Zustand nach Hause kommt.
      Ehrlich gesagt wüsste ich gar nicht, was ich mit einem Pflegedienst anfangen sollte. Das Hauptproblem wird erst mal der Toiletten"gang" sein, aber die kommen ja nicht ausgerechnet dann, wenn er muss, also schauen wir zu, dass wir irgendwie klarkommen.
      Kurzfristige Pflege in einem Heim war auch im Gespräch, aber das habe ich selbstverständlich rigoros abgelehnt - wir werden das schon packen. ;-)

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