Dienstag, 28. April 2026

Wechselbad der Gefühle

 Hatten ich Fa.s kurzfristige Absage und der Missbrauch unserer Mülltonne zunächst deutlich missmutig gestimmt, besserte sich meine Laune zusehends, denn ich wusste die neu gewonnene Zeit ja gut zu nutzen, wenn es auch ziemlich anstrengend wurde.

Immerhin hatte ich mit der riesigen und vor allem sauschweren Teleskopschere letzte Woche gute Vorarbeit geleistet und die sehr breite Oberseite der Hecke abrasiert, so dass ich nun weder innen noch außen eine Leiter brauchte, sondern mit Über-Kopf-Technik im Wechsel mit Bücken alles Verbliebene schneiden konnte.

Nach dem Zusammenkehren und Einsammeln der Berge war ich ziemlich kaputt, war ich doch am Morgen auch schon einkaufen gewesen, also seit dem Aufstehen ununterbrochen in Aktion, aber das Wissen, nun - je nach Wetter - zumindest für einige Wochen Ruhe davor zu haben, befriedigte mich dann doch sehr.  

Und es kam noch sehr viel besser, als ich nämlich erfuhr, wie meine liebe A. mit der unerwarteten Freizeit umgegangen war.

Eigentlich hatte sie gemeint, nach dem anstrengenden Online-Fachsprachen-Kurs und der Prüfung erst einmal einige Wochen Ruhe zu benötigen, zumal ihr im Moment eh die Hände gebunden waren, weil das Jobcenter sich mit der Bearbeitung ungeheuer viel Zeit ließ, doch nun war das so dringend erwartete Schreiben offenbar eingetroffen, denn am Abend schrieb sie mir, dass sie Herrn V. eine Mail geschickt hatte, und zeigte mir ihren Text, der ihr wirklich perfekt gelungen war.

Herr V. ist der Inhaber der Apotheke, in der sie im letzten Herbst ein Praktikum machen durfte, wenn auch erst, nachdem ich mich vor Ort vehement für sie eingesetzt hatte.

Sie teilte ihm mit, dass sie ihre Prüfung bestanden hat, und bat um ein Gespräch, woraufhin dieser sie direkt in der Mittagspause zu sich bat.

Ein wirklich toller Mann!

Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich sie damals zum Vorstellungsgespräch begleitete?

Eine Mitarbeiterin brachte uns hoch zu seinem Büro, er empfing uns an der Tür und bevor ich ein Wort sagen konnte, fragte er, wer ich denn nun eigentlich sei? 😅

Ich erklärte ihm, wie ich mit A. zusammenhänge und dass sie mich gebeten hatte mitzukommen für den Fall, dass sie irgendetwas nicht gleich verstehen würde, aber .... wenn er mich als störend emfinden würde, könnte ich auch blitzeschnelle wieder verschwinden. Es hatte sofort klick gemacht zwischen uns, er lachte und fand das alles sogar sehr gut so, bat mich dann auch von sich aus, dabeizubleiben.

Neben dieser gehören ihm auch noch zwei weitere Apotheken im Nachbarstadtteil und zufällig hatte A. vor einiger Zeit festgestellt, dass eine türkische Bekannte von ihr in einer davon arbeitet, was sich nun als nicht unwichtig erweisen sollte, denn Herr V. und seine Mitarbeiterinnen sind genauso begeistert von A. wie ich und sofort machten sie Nägel mit Köppen, als sie ihn mittags aufsuchte:

Zunächst war die Frage, wie er es sieht, zunächst praktische Erfahrung sammeln und sich dann auf die entscheidende Prüfung stürzen oder andersherum?

Wie ich meint auch er, dass die Praxis als Erstes erfolgen sollte - richtig einsteigen wird A. erst können, wenn der Kleine nach den Sommerferien in die Grundschule kommt, doch bis dahin wird sie die Zeit an drei Vormittagen in der Woche zur Einarbeitung nutzen, und zwar im Zusammenspiel mit ihrer türkischen Bekannten, die ihr das Verstehen des komplizierten Abrechnungssystemes vermutlich stark wird erleichtern können. Und die ihr übrigens auch sagte, dass sie noch nie einen so tollen Chef wie Herrn V. gehabt habe ...

Gut möglich, dass wir uns morgen noch treffen, damit sie mir das alles näher erklären kann, aber erst einmal bin ich hellauf begeistert und wurde fast ein bissl rot, als sie dann schrieb: "Vielen Dank auch dir bisherige Unterstützung ab App-Tag. Auch für den Praktikumsort!"

Mit App-Tag meinte sie unseren allerersten Kontakt, als ich nämlich M.s Anzeige in dieser Nachbarschafts-App entdeckte und nach einigem Abwägen darauf reagierte.

Immer noch wie ein kleines Wunder für mich, denn normalerweise schaue  ich fast nie rein in diese App, lösche die Benachrichtigungsmails in der Regel einfach, nur an diesem Tag vor mehr als drei Jahren verhielt ich mich anders, warum auch immer.

Bloß ein bissl helfen wollte ich und hatte keine Ahnung, was daraus entstehen würde, die hatten wir beide nicht, aber es ist wunderbar, wie sich alles entwickelte, und nun antwortete ich ihr, dass es absolut nichts zu danken gäbe, weil mir das alles ja schlicht sehr viel Freude macht.

Und obwohl ich das Wort mit großer Vorsicht benutze, weil ich es eigentlich nicht besonders mag, fügte ich noch hinzu, dass ich sehr stolz auf sie bin, was sie mit Herzchensmileys quittierte. 🥰

 

Unnu muss ich los zum Zahnarzt ...

 

Habt  einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

 

4 Kommentare:

  1. Ich hatte einen wirklich sehr schönen Tag. Ich freue mich für deine Freundin. Du darfst doch sehr stolz auf dich sein. Ich hoffebeim Zahnarzt gab es keine schmerzen für dich.

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    1. Freut mich, wenn du einen schönen Geburstag hattest, und beim Zahnarzt gab es zumindest pyhisch kaum Schmerzen, dafür hat er mir aber psychisch mächtig zugesetzt und tut es noch.

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  2. Hallo, liebe Rex-Mama!

    Das ist wirklich ein echtes Wechselbad der Gefühle.
    Wie anstrengend erneut dein Einsatz mit der Teleskopschere gewesen sein muss und gleichzeitig, wie zufrieden einen so ein sichtbares Ergebnis machen kann. – Das kenne ich auch, wenn auch weniger mit Hecken.

    Und dann diese wunderbare Wendung mit „A“!
    Ist es nicht wirklich schön zu sehen, wie sich Engagment, Geduld und Unterstützung irgendwann auszahlen.

    Man merkt, wie sehr du an sie glaubst – und wie wichtig du auf ihrem Weg bist, auch wenn du das selbst vielleicht: nur ein bisserl helfen“ nennst.

    Dass sie sich so mutig meldet, ihre Prüfung besteht und direkt den nächsten Schritt angeht, ist großartig. (und das auch alles DANK DIR)

    Dein Stolz auf „A“ ist absolut nachvollziehbar.

    Ich hoffe, der Zahnarzttermin ist glimpflich verlaufen und du kannst den restlichen Tag ein bisschen ruhiger angehen lassen.


    Liebe - und weiterhin so viele schöne Entwicklungen – Grüße
    lifeminder

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    1. Ja, lieber lifeminder, wenn ich daran denke, wie A. anfänglich nur wie ein verschüchtertes Mäuschen durch den Raum huschte oder in der Sofaecke saß, ist es wirklich eine tolle Entwicklung, die sie durchmachte.
      Bei M. kann ich es nicht beurteilen, weil ich ihn ja seit fast drei Jahren nicht mehr gesehen habe, und ... ich habe auch deutliche Zweifel, ob es richtig ist, wie der deutsche Staat das handhabt, da ich ja auch immer die junge Palästinenserin vor Augen habe, die bei Tedi an der Kasse steht.
      Sie kam später her als meine beiden, spricht aber sehr viel besser Deutsch und ihre einfache Erklärung lautet: Ich habe ja auch von Anfang an gearbeitet.
      M. dagegen bekommt nun seit rund 7 Jahren neben allem anderen einen teuren Kurs nach dem anderen bezahlt, ist aber erst jetzt, seit die Umschulung läuft, ganztags damit beschäftigt.
      Im Prinzip hätte er also durchaus halbtags irgendwo arbeiten und einen Teil des Lebensunterhaltes dazuverdienen können, so wie ja z.B. U. ihr Fernstudium auf eigene Kosten und neben ihrer Berufstätigkeit absolvierte.
      Nicht falsch verstehen, ich gönne den beiden alles von Herzen, aber wenn ich die finanzielle Misere sehe, in der Staat und vor allem auch die Kommunen stecken, dann frage ich mich schon, warum man das nicht anders handhabt.

      Liebe Entwicklungs-Grüße zurück! ;-)

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