Mittwoch, 15. April 2026

"Immer wenn du denkst, ...

 ... es geht nicht mehr, dann kommt von irgendwo ein Lichtlein her."

Dieser Spruch hing im Flur des ehemaligen Fachwerk-Bauernhofes, auf dem der Großonkel sich einmietete, nachdem das gräfliche Schloss verkauft wurde, in dem er (und ich ja mit) bis dahin im Dörfli gewohnt hatte.

Und es ist verdammt viel dran. 

Gestern hatte ich mich lange mit der Apothekerin unterhalten, eigentlich nur verursacht dadurch, dass sie meinte, ich solle mich nicht über die Zuzahlung wundern, obwohl wir ja eigentlich davon befreit sind. Sie würde das Prinzip dahinter absolut nicht verstehen, aber sie müsste das Geld nun einmal einziehen.

"Ich wundere mich über gar nix mehr", antwortete ich, "seit ich im Hauptberuf Pflekretärin geworden bin, begegnen mir ohnehin die wunderlichsten Dinge." 🙄

Und dann wunderte ich mich doch noch, allerdings eher scherzhaft, als ich nämlich auch meine eigene Karte noch gab und feststellte: "Bitte nicht erschrecken, ich selber habe es auch fast schon vergessen, dass ich noch existiere, aber ... auch bei mir müsste ein Rezept drauf sein." 

Wir lachten beide und so kamen wir ins Gespräch darüber, wie drastisch sich das Leben vor allem auch von Angehörigen verändert, wenn jemand pflegebedürftig wird."

Es sind ja nicht nur die offensichtlichen Dinge wie mit Medikamenten, Essen und Trinken versorgen, Körperhygiene, Baden, Umziehen usw., sondern es kommt noch der ganze Papierkram hinzu und tausend Kleinigkeiten, für die man den ganzen Tag durch die Gegend springt.

Natürlich ist das anstrengend, zumal wenn man sich auch noch um Hund, Haus und Garten kümmern muss, und nachts ertappe ich mich immer öfter, wie ich fast flehentlich auf die Uhr schaue, in der Hoffnung, noch möglichst viele Stunden zu haben, bis ich wieder ins Rad muss, egal, wie unbequem meine Pritsche auch ist.

Heute früh wollte ich so gar nicht aufstehen, wusste ich doch genau, dass neben all dem anderen auch die Hecke auf mich wartete, die dringend geschnitten werden musste.

Mein Rücken war noch von der gestrigen Rennerei und dem Schleppen der schweren Blumenkästen ziemlich beleidigt, also gönnte ich ihm eine Ibu, denn ohne hätte ich gar nix auf die Reihe bekommen.

Diese lange Teleskopschere, die ich mir vor einigen Jahren besorgte, ist extrem schwer und unhandlich, dafür säbelt sie allerdings sehr viel robuster als die kleinere Akkuschere und eigentlich wollte ich nur die Oberseite der Hecke damit bearbeiten, denn mit der anderen Schere reiche ich weder von innen noch von außen komplett über sie hinweg, so dass immer Zibbels stehenbleiben.

In der Ecke  hinter der großen Regentonne musste ich erst mal mit dem Spaten für so viel Ordnung  sorgen, dass ich überhaupt hintreten konnte, denn Rex hat dort übel gewirtschaftet, aber dann legte ich los und ... überwand mich sogar, erstmalig auch von außen mit dem schweren Ding ranzugehen, wofür ich es aber erst mal übers ja eigentlich gar nicht vorhandene Törchen wuchten musste.

Und dann verselbstständigte sich alles, viel mehr als geplant schnitt ich, am Ende war es die ganze Hecke - nicht sehr schön, weil man mit dem Ding kein Feingefühl hat, aber immerhin hängt nix mehr im Weg herum und  es schaut einigermaßen ordentlich aus.

Anschließend musste ich noch alles fegen und die Bürgersteinritzen von Unkraut befreien - am Ende bekam ich die Schere kaum noch auseinandergenommen, weil ich absolut keine Kraft mehr in Händen und Armen hatte, aber ... immerhin hatte ich in nur einem Tag alles geschafft.

Mich selbst allerdings auch und als ich endlich die Zeit fand, mich kurz mal (innerlich laut stöhnend) an meinem Läppi niederzulassen, um nach Post zu schauen, erzählte F. von seiner Schwester, die ja ständig auf Reisen ist und ihm mal wieder ein Foto nach dem anderen schickte. 

Irgendwie bissl gemein, finde ich, fragte mich schon öfter, ob sie wohl einem Diabetiker auch ständig Bilder von Torte und Schokolade präsentieren würde 😁, und kam dann zu dem Schluss, dass ich irgendwie die Arschkarte gezogen zu haben scheine, denn gegen richtig schöne Erlebnisse hätte ich auch absolut nichts einzuwenden, nur sind sie bei mir halt sehr selten geworden.

Und während ich mir gehörig leidtat 😁, bewahrheitete sich obiger Spruch mal wieder und das Lichtlein kam, denn nun meldete sich A. und fragte, ob ich morgen Nachmittag Zeit habe. 

Wobei der Spruch natürlich nur bedingt gilt, denn morgen ist Donnerstag, ich somit meiner Freiheit beraubt, weil ja komplett von den Plänen der Sauerstofffirma abhängig. 😡

Es geht darum, dass ihr Religionsverein morgen eine Jugendabteilung eröffnet, es werden auch deutsche Jugendliche und Vertreter der Stadt erscheinen und man grillt.

Klar hätte ich da Lust zu, aber leider erfahre ich erst heute Abend, ob ich darf. 😡😡😡

Und für den Fall, dass sie mich lassen, habe ich nun mein ganzes Programm umgeworfen, denn eigentlich sollten  die Essensreste heute aufgefuttert werden, weil ich ja morgen, während ich warte, Zeit für volles Küchenprogramm hätte, das sich aber kaum mit einem Ausflug vereinbaren ließe.

Also habe ich die Reste nun gestreckt, damit F. morgen Mittag auf jeden Fall Warmes bekommt, und werde mit meinem heutigen Früh-/Mittag-/Abendstück wohl bis 19 Uhr warten müssen, denn sollte sich der Gasmann für nachmittags ankündigen, wäre mein Treffen mit A. damit erledigt, dann müsste ich die Reste selber vernichten, weil ich dann ja morgen Zeit zum Kochen hätte und somit am Freitag wie immer meine Einkäufe erledigen kann.

Jee, was ist das Leben doch kompliziert geworden ... und nun bekommt F. auch noch Bauchschmerzen. 😢

Seit ich ihm jeden Morgen Mannose gebe, ist das deutlich weniger geworden, also hängt es ja doch ziemlich offensichtlich immer noch mit der Blasenentzündung zusammen, die er im Januar nach der langen Katheterisierung bekam, aber hin und wieder treten die Schmerzen immer noch auf und obwohl ich letzte Woche dem Arzt im KH das mehrmals deutlich sagte, scheint sich dafür keiner wirklich interessiert zu haben. 🙄

So, unnu heißt es warten auf den Abend und natürlich Umfragen bearbeiten ...

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

2 Kommentare:

  1. Äh, Hecke schneiden? Bei uns gibt es ein Schneideverbot für Hecken von März bis Ende September. Bei euch nicht?

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    1. Nein, Stutzen ist immer erlaubt, sonst wären ja die Bürgersteige bald überwuchert.

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