... zu Aldi traf ich gestern wieder diese (im weitesten Sinne) Nachbarin, die vor einiger Zeit nach 40 Jahren Ehe von ihrem Mann für eine andere verlassen wurde.
Sie läuft mir nicht sehr oft über den Weg und der letzte Stand war gewesen, dass der Gatte reumütig zurückgekehrt war, doch das war nun auch schon wieder Schnee von gestern, denn nu isser endgültig weg, diesmal aber auch auf ihr Betreiben hin, weil sie merkte, dass sie ohne ihn inzwischen glücklicher und vor allem zufriedener leben kann.
Das allerdings nur dank ihres Hundes.
"Zu Ihnen kann ich so was ja sagen", meinte sie, während ich mit dem kleinen Wuschel spielte, "Sie verstehen das, andere würden mich nur ratlos ansehen."
Zusätzlich zum ganzen Kummer oder vielleicht auch dadurch mit verursacht hatte sie auch noch einen Schlaganfall erlitten, gleich fünf Stents eingesetzt bekommen und nun betrachtet sie ihren Hund als Lebensretter.
"Wissen Sie", sagte sie, "danach wollte ich gar nicht mehr, hätte mich am liebsten nur noch verkrochen oder wäre am besten gleich gestorben, aber ... der kleine Kerl ließ mich nicht. Er war immer da, sofort an meiner Seite, wenn ich weinte, er zwingt mich einfach weiterzumachen und für ihn macht mein Leben nun wieder Sinn."
Wie gut ich sie verstand, erlebe es ja selbst seit nun schon 30 Jahren, wie sehr so ein Hund das Leben bereichert, wie er das ganze Haus mit Lebendigkeit erfüllt, und besonders in den für mich so ungeheuer schweren Wochen, als F. im Koma bzw. so bös auf der Kippe lag, war es für mich ein unbezahlbares Geschenk, zu Hause immer von Rex freudig begrüßt zu werden.
Mit ihrer Anpassungsfähigkeit an den Menschen sind Hunde wahre Wunder, sie retten Ertrinkende, Verschüttete, erschnüffeln Rauschgift und Krankheiten, sie beschützen uns, stehen mit unverbrüchlicher Treue an unserer Seite, geben unendlich viel Liebe und sind vor allem für ältere Menschen oft der einzig verbliebene Lebensinhalt.
Trotzdem und ... obwohl sie uns auch noch zur Bewegung zwingen und damit nicht nur psychisch, sondern auch noch körperlich gesund halten, werden wir für ihre Haltung mit einer Steuer bestraft - unfassbar für mich!
Nach diesem Pläuschchen ging es für mich weiter zu Aldi, wo ich die vage Hoffnung hatte, Kartoffeln womöglich zum gleichen Preis wie bei Netto zu finden, nämlich 5 kg für nur 2,50 Euro, aber leider war dem nicht so, also erledigte ich meinen Einkauf und zog mit schon halb vollem Trolley weiter zu Netto, wo ich neben einigen großen Getränkeflaschen für F. (ich muss immer schauen, dass ich etwas Leckeres und Abwechslungsreiches für ihn habe, damit er genug trinkt) gleich drei Säcke in meinen Einkaufswagen packte und natürlich wurde es dann eng, nun auch noch 15 Kilo Kartoffeln neben allem anderen in den Trolley zu bekommen.
Eine große Tasche voller Zeugs passte nicht mehr hinein, die musste ich dann obenauf nach Hause balancieren, aber irgendwie bekam ich es hin, auch wenn mein Kreuz am Ende ziemlich sauer mit mir war.
Abends ab sechs ging dann die Warterei wieder los auf die Mitteilung in der Sauerstoff-App, wann ich heute mit der Lieferung rechnen kann, und obwohl die Mitarbeiterin, die mich wegen der Verschiebung anrief, mir fest zugesagt hatte, dass die dann morgens kämen, besaß diese Firma die Frechheit, mir ein Zeitfenster von 16 bis 20 Uhr mitzuteilen, womit sie mir dann also den Feiertag auch noch zerhackt hätten, denn bei denen kann es ja immer auch geschehen, dass der Fahrer Stunden vorher auftaucht, d.h. ich muss den ganzen Tag parat sitzen. 😡
Bei meinen Eltern gab es am Karfreitag übrigens immer Fisch und ich entsinne mich gut, wie Muttern mich als Kind immer ins Fischgeschäft schickte, dicke Stücke Rotbarsch oder Schellfisch besorgen, und damals waren die wirklich noch dick, weil die Meere noch nicht so leergefischt waren und die Tiere einfach größer wurden.
In einem lecker würzigen Sud kochte Muttern sie, dazu gab es dann Salzkartoffeln, Kopfsalat und ein "holländisches Sößchen". wie sie ihre Bechamelsoße auf Basis des Fischsuds immer nannte - ein köstliches Mittagessen war das immer, wir alle liebten es, mal abgesehen von den Gräten, die uns besonders als Kinder natürlich weniger angenehm waren.
Das waren noch Zeiten - ein Fischgeschäft gibt es inzwischen weit und breit nicht mehr, wäre eh unbezahlbar geworden und da mir Religion ja zum Glück am Allerwertesten vorbeigeht, gibt es bei uns heute stattdessen Schnitzel, Bratkartoffeln und Erbsen- und Möhrengemüse.
Was aber natürlich alles erst mal angefertigt werden will, also ab mit mir in die Küche.
Habt einen schönen Karfreitag und ... bleibt bitte gesund! 😉
Hallo, liebe Rex-Mama!
AntwortenLöschenDieses Gespräch auf dem Weg zu Aldi geht einem richtig nah. Man spürt förmlich, wie viel diese Frau durchgemacht hat und wie entscheidend ihr Hund für sie geworden ist.
Hunde sind eben doch offenbar weit mehr als nur Haustiere und manchmal wirklich so etwas wie ein Rettungsanker?
Dass du das aus eigener Erfahrung so gut nachempfinden kannst, merkt man deinen Worten deutlich an.
Einkaufen mit Kampfgewicht, Trolley bis obenhin voll, der Rücken meldet sich (mal wieder) und parallel der Ärger mit der Sauerstofffirma, der einem den ganzen Tag zerschießt. Da kann ich deinen Frust wirklich gut verstehen haben.
Besonders schön fand ich auch mal wieder die Erinnerung an deine Kindheit. Diese kleinen kulinarischen Zeitreisen haben etwas sehr Warmes und Vertrautes – selbst wenn sich die Zeiten (und die Fischgeschäfte) geändert haben.
In Worms haben auch vor kurzem zwei Fischgeschäfte geschlossen.
Liebe – Zeitreise – Grüße
lifeminder
Einige meiner endeten durch mich. Und ich habe nie eine Partnerin wegen einer anderen Frau verlassen. Solche Ereignisse sind immer sehr unangenehm. Ich bin froh, wenn die Frau durch den Hund eine andere Sichtweise der Dinge bekommen hat. Hier vor Ort gibt es auch kein Fischgeschäft mehr, aber einige verkaufen fangfrischen Fisch. Ehrlich gesagt habe ich das noch nicht ausprobiert. Aber ich habe wieder durch dich eine Reise zurück in meine Kindheit gemacht. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine runde Heringsdose mit einem blauen Deckel. Bismarkheringe waren da drin und die mochte ich sehr. Dazu gab es Pellkartoffeln. Immer kam ein schwarzer Dosenöffner zum Einsatz. Wie ich gesehen habe gibt es diesen Dosenöffner noch immer.
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