... gestern Abend, als ich es mir vorgestellt hatte, es wurde zu einem Wechselbad der Gefühle.
Mein Früh-/Mittag-/Abendstück hatte ich gerade intus, dachte immer noch darüber nach, was ich bei Facebook mit großer Bestürzung gelesen hatte, dass nämlich ein hier ziemlich bekannter grüner Ratsherr, nebenher auch noch zweiter stellvertretender Bezirksbürgermeister, gestorben ist.
Noch vor den letzten Wahlen hatte ich am Wahlstand auf dem Markt mehrmals intensiv mit ihm diskutiert, nicht ahnend, dass er bald darauf schwer erkrankte und mit nur 66 Jahren mitten aus dem Leben gerissen werden sollte.
So etwas schockt mich immer, nichtsdestotrotz wollte ich mir nun ein kurzes Nickerchen gönnen, aber diese Rechnung ging nicht auf, weil nun mein Handy schellte.
Nanu, U.?
Durch ihre Scheidung hat sich unsere einst so tolle Nachbarschaft mit dem Mittelpunkt in der Partyhütte ja komplett aufgelöst, zunächst oder eigentlich gerade in dieser Phase hatte ich viel Kontakt mit U., weil sie ihn einfach suchte, hatte viel Redebedarf und benötigte auch immer wieder mal Hilfe bei ihrem Fernstudium.
Dann tauchte vor nun auch schon fast zweieinhalb Jahren ihr neuer Freund auf, meist ist sie bei ihm, führt nun ein ganz anderes Leben, in dem für mich nicht mehr viel Platz ist, deshalb war ich umso erstaunter, dass sie mich jetzt anrief.
Sie wollte nur Bescheid sagen, dass sie ihren Wagen kurz bei uns vor die Garage gestellt habe, würde aber gleich wieder wegfahren - an sich überhaupt nicht erwähnenswert und gleich darauf erfuhr ich dann auch den wahren Grund ihres Anrufes.
Sie musste es einfach loswerden, dass ihr Vater vor ein paar Stunden gestorben sei, im Pflegeheim in ihren Armen und sie war völlig aufgewühlt, dass man im Heim verlangte, dass das Zimmer noch am gleichen Tag geleert werden müsste.
"Stell dir das mal vor", sagte sie, "Papa liegt noch tot auf dem Bett und wir sind um ihn herum dabei, alles auszuräumen ..."
Das ist in der Tat nicht zu fassen und an Pietät- und Taktlosigkeit kaum noch zu überbieten! 😡
Viel Zeit zum Quatschen hatte sie nicht, weil sie die Autos noch ausladen mussten und es auch sonst natürlich noch viel zu tun gab, aber wir vereinbarten, dass sie sich meldet, wenn sie Redebedarf hat.
Sollte ich mich nun doch noch etwas hinlegen?
Nein, kein Denken drann, denn jetzt schrieb mir A., fragte, ob sie mir kurz etwas bringen dürfe.
Natürlich darf sie, was für eine Frage, und natürlich ahnte ich, dass sie wieder Essen übrig hatte.
Eine Dreiviertelstunde später stand sie vor dem Haus mitsamt Sohnemännchen und dessen Roller.
Rex hatte ich vorsorglich in den Garten getan, also trauten sie sich hinein, ich lotste sie in die Küche, aber A. wollte erst mal F. begrüßen, also marschierte der ganze Tross nach nebenan.
Jut, hat F. auch mal ein anderes Gesicht gesehen als immer nur meines ... 😁
Dann packte A. aus, diesmal eine Styroporverpackung mit türkischem Reis, Gurkensalat und einem gegrillten Hühnerbein und ich vermute, dass eine Freundin von ihr einfach zu viel gekauftes Essen mitbrachte zu ihr.
Wirklich gut in den Kram passte mir das nicht, denn wir waren beide satt und ich plane ja auch die Kocherei immer so durch, dass für solche Zusatzmahlzeiten eigentlich gar kein Platz ist, aber irgendwie werde ich es heute verwerten.
Erst nachdem die beiden wieder weg waren, fiel mir auf, dass ich ihnen gar nichts angeboten hatte, weder A. etwas zu trinken noch dem Kleinen ein Eis. 😮
Schlimm von mir und eigentlich nicht meine Art, aber ich hatte es schlichtweg verpennt ... 🙄
Inzwischen ging es schon auf zwanzig Uhr zu, endlich fand ich die Zeit, in die App der Sauerstofffirma zu schauen, denn wenn die einigermaßen günstig kämen, würde ich noch einen Gang zu Netto einplanen, wo es diese Woche 5 kg Kartoffeln für nur 2,50 Euro gibt.
Pustekuchen, keine Nachricht da, sehr seltsam ... und eine halbe Stunde später, endlich hatte ich mich wirklich auf dem Sofa niedergelassen, wurde ich schon wieder hochgerissen, erneut vom Telefon, diesmal aber Festnetz.
Eine Mitarbeiterin der Sauerstofffirma entschuldigte sich für den späten Anruf und fragte, ob es okay wäre, wenn sie erst am Freitag zum Auffüllen kämen.
Ha, und ob das okay war, denn solche Feiertage sind mir, seit ich keine Arbeitnehmerin mehr bin, ja eh nur noch lästig und so hätte ich ausnahmsweise mal den Donnerstag zur freien Verfügung.
Und natürlich habe ich ihn genutzt, aber dazu morgen mehr, denn nun muss ich hier schleunigst mit meiner Arbeit weitermachen.
Lasst es euch gutgehen und ... bleibt bitte gesund! 😉
Ich verstehe die Frau ganz gut. Was du hier schreibst ist an Respektlosigkeit kaum zu überbieten. Und ich kann nachvollziehen, daß sie brauchte bei dem sie einfach mal ihr Herz ausschütten konnte.Bei mir kommt jetzt gerade der Gedanke zurück an dem Tag, an dem ich am Abend von Seniorenheim angerufen wurde, daß ich kommen solle meine Mutter ist gestorben. Aber ich bekam keinen Termin wann ich den Kleiderschrank leeren sollte. Oder ähnliche Vorgaben. Ich hatte mir vorgestellt, daß ich beim Sterbeprozeß da sein könnte. Ich hätte dann das Fenster geöffnet, so wie ich mir das gewünscht habe. Erst am nächsten Tag wurde ich gebeten den Kleiderschrank zu leeren. Man versorgte mich großen Mülltüten in denen ich ihre Kleidung unterbringen konnte.
AntwortenLöschenJa, das wäre sicher schön gewesen, bei U.s Vater war es absehbar, daher hatte sie schon seit Tagen jede freie Minute bei ihm verbracht und so konnte er dann in ihren Armen gehen.
LöschenHallo, Liebe Rex-Mama!
AntwortenLöschenMan spürt richtig dieses Hin und Her zwischen Alltag, kleinen Unterbrechungen und dann plötzlich Momenten, die einen komplett aus der Bahn werfen.
Der Einstieg über den verstorbenen Ratsherrn hat schon etwas Nachdenkliches, aber was U. dir dann erzählt hat, geht wirklich stark unter die Haut. Diese Situation im Pflegeheim wirkt einfach nur kalt. Ich kann man ihre Aufgewühltheit absolut nachvollziehen.
Ich finde es gut , dass sie dich angerufen hat, manchmal braucht man genau so einen vertrauten Menschen, um das überhaupt aussprechen zu können. Ich hoffe, du hast dich auch darüber gefreut, dass sie sich gemeldet hat.
Bist und bleibst eine Menschenfängerin 😊
Der Besuch an der Tür, Essen in der Hand, der kleine Trubel mit dem Sohnemann von „A“ und Roller – fast schon surreal nach so einem Gespräch. Dass du da vergisst, etwas anzubieten, ist ehrlich gesagt mehr als verständlich. Dein Kopf war eben ganz woanders.
Nichts läuft nach Plan, ständig kommt etwas dazwischen, Emotionen wechseln im Minutentakt. Und trotzdem regelst du alles irgendwie. – Gut gemach!!!
Liebe – aufgewühlte – Grüße
lifeminder