F. ist gerade dabei, sich die OP-Kleidung anzuziehen, und ich wundere mich, dass er Frühstück bekam.
Hoffentlich bedeutet das nicht, dass die Herzkatheteruntersuchung erst am Nachmittag stattfindet, denn im Netz fand ich die Auskunft, dass man sechs Stunden vorher nüchtern bleiben sollte.
Meine Nacht war in Ordnung, bin einfach auf dem Sofa geblieben und schon um neune das erste Mal eingeschlafen, kein Wunder ...
Um 12:07 werde ich den Bus nehmen und nutze die Zeit bis dahin erstens für Umfragen und zweitens fürs Waschen einer Maschine Handtücher. Verdammter Mist, dass ich sie bei dem strahlenden Wetter wegen der Wattebäusche von Nachbars Bäumen nicht in den Garten hängen kann, denn sonst wäre alles trocken, bis ich wieder heimkomme.
Erstaunlich, wie F. den gestrigen Tag weggesteckt hat, denn für ihn muss das ja der reinste Kulturschock gewesen sein, nachdem er drei Monate lang außer mit mir und zweimal drei Sätzen mit A. mit keinem Menschen gesprochen hat.
Selbst für mich waren es ungeheuer viel Eindrücke, die gestern auf mich einpasselten, und noch immer bin ich mit Sortieren beschäftigt.
Als ich das zweite Mal zu dem arabischstämmigen Arzt ging, um ihm die Medikamentenliste zu bringen, sollte ich eigentlich die Unterlagen für die Station mitnehmen, doch auf dem Rückweg fiel mir auf, dass er sie mir nicht gegeben hatte, also machte ich noch einmal kehrt und er bat mich um fünf Minuten Geduld, er würde das gleich fertigmachen. Gut, dass ich diese Bedenkzeit hatte, denn erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich ihn gar nicht nach dem Ergebnis des EKGs gefragt hatte.
Während des Wartens im Gang hatte ich den Ausdruck ja die ganze Zeit in der Hand gehalten und selber schon studiert. Meiner Meinung nach sah das alles sehr gleichmäßig aus und genau das bestätigte er mir jetzt, das sei wirklich gut.
Und als ich augenzwinkernd erwähnte, dass ich selbst schon zum gleichen Schluss gekommen sei, klopfte er mir lachend auf die Schulter - zur Sicherheit hätte er sich das auch noch mal angeschaut, aber ich läge schon richtig ... 😅
Beim Gespräch hatte er natürlich gesagt, dass es bei der Untersuchung Risiken gäbe, aber ... sie hätten viel Übung darin und seien für alle Fälle hervorragend ausgestattet, auch mit Begleitabteilungen, und eigentlich würde immer alles reibungslos laufen.
Ob er uns die Risiken noch im Einzlnen erklären solle?
Nein, das lehnte ich dankend ab, wollte uns beide nicht unnötig verrückt machen, denn es ist wichtig, dass F. da zuversichtlich und ohne Angst hineingeht, denke ich.
Auf dem Rückweg zu ihm ging ich erst noch in die Halle und besorgte einen Rollator, den ich gegen den Rollstuhl austauschen wollte, der ja nur wegen der vielen langen Wege zu Beginn nötig gewesen war.
Etwas später tauchte die nette Schwester auf, verkündete, dass sie auch für F. noch ein Mittagessen besorgt hatte und es gleich bringen würde, doch bevor das möglich war, musste erst noch ein kleines Problem geklärt werden, denn F.s Nachttisch ist kaputt, die Ausklappplatte lässt sich nicht höhenverstellen, also stellten wir einfach die Lehne eines Stuhles darunter und schon konnte er futtern.
Weil ja nun zwei Gefährte für F. herumstanden, versprach ich ihr, den Rollstuhl gleich nach unten zu bringen, aber sie meinte, nein, den solle ich ruhig auch stehen lassen, sie könnten immer mal einen gebrauchen und das Zimmer ist ja zum Glück echt groß genug, so dass er dort gar nicht stört.
Was mir gestern auch sehr positiv auffiel, war der Unterschied, wie sich meine "Lieblings"-Haltestelle anfühlt, wenn ich dort nicht mehr im Dunkeln herumstehen muss, nämlich bei strahlendem Sonnenschein sehr viel weniger bedrohlich.
Und auch dort hatte ich das Gefühl, dass sich das Wetter allgemein auf die Gemütslage der Menschen auswirkte.
Ich hatte noch einige Minuten Zeit, bis der Bus kommen sollte, stand neben dem Häuschen am Mülleimer und rauchte eine - nach stundenlanger Abstinenz dringend nötig 😁 -, als ich auf einmal einen lauten Brüller hörte: "Achmeeeed!!!"
Huch?
Ah, gegenüber hatte ein Autofahrer die Scheibe heruntergekurbelt und begrüßte auf diese Weise den jungen Mann, der sich gerade in Wartehäuschen gestellt hatte.
Der brüllte und winkte zurück und als ich nun fertig war und vor dem Häuschen vorbeiging, fragte er mich tatsächlich ganz freundlich, ob ich mich dort würde hinsetzen wollen, weil er nämlich genau vor den drei einzigen Sitzen stand.
Nein, das wollte ich gar nicht, denn in der Ferne sah ich meinen Bus schon an der Ampel stehen, trotzdem reichte uns die Zeit aber noch für ein kurzes, nettes Gespräch - so lief es gestern tatsächlich den ganzen Tag.
Und nun muss ich schauen, wohin mit meiner Nervosität, gleich erst mal die Handtücher aufhängen, dann noch ein paar Umfragen bearbeiten und zwischendurch werde ich hier immer festhalten, wenn es etwas Neues geben sollte.
Und das kam schneller als erwartet, denn um 9:43 schrieb F. mir, dass er jetzt gleich abgeholt werde, also toitoitoi, mein Schatz!
16:24 und ich bin wieder zu Hause.
Die Entspannung kam buchstäblich um fünf vor zwölf, ganz kurz bevor ich losgehen musste zum Bus, schrieb mir F., dass er wieder im Zimmer und alles gut sei.
Puhhhh, das war ein riesiger Fels, der mir da von der Seele purzelte, und es war das perfekte Timing gewesen, denn als ich eine Stunde später bei ihm eintrudelte, vermeldete er, auch eben erst vom Herz-Echo zurückgekehrt zu sein, aber immerhin hatte er zwischendurch noch Zeit fürs Mittagessen gefunden.
Er war der Meinung, die seien sowohl durch Handgelenk wie auch die Leiste hineingegangen, weil ja beides noch braunverschmiert war, aber das erschien mir unlogisch und nachdem ich ihn dann unnerum etwas genauer untersucht hatte 😁, stellte ich fest, dass da nirgendwo ein Loch war, das dort nicht hingehörte, während sein Handgelenk unter dem Druckverband aus durchsichtigem Plastik immer noch ordentlich blutete.
Tja, und dann musste er uff Klöle, jesses, der hat den richtigen Zeitpunkt dafür echt immer drauf. 🙄
An der Hand baumelte noch immer ein Schläuchlein, dass ihn so sehr behindern würde, dass er nach der Schwester klingelte, um zu fragen, ob man das nicht mit einem Stück Pflaster festkleben könne?
Ohhh, meinte sie, das sei eh viel zu anstrengend für ihn, er solle grad diese Hand nun sehr schonen und da ich ihm die Bettpfanne ersparen wollte, wimmelte ich die Schwester ab, ich würde mich selber kümmern, wobei sie eh schon die Erlaubnis zum Umziehen erteilt hatte.
Also rin in die Klamotten, dann zockelte mein lieber Mann ins Bad. Ich hatte ihm gesagt, er solle mich rufen, wenn er Hilfe bräuchte - hab mich da ja in den letzten Monaten zur Genüge dran gewöhnt, aber er kam alleine klar und war dann sehr froh, endlich aus dem OP-Zeugs raus zu sein, das halt sehr an die Intensivstation erinnerte.
Einen Arzt bekam ich leider nicht zu fassen, werde mich am Entlassungsbrief orientieren müssen, was Ergebnisse und weitere Medikation angeht, aber Hauptsache, er darf morgen nach Hause, den Rest werden wir schon hinbekommen.
So, unnu muss ich hier klar Schiff machen ...
Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉
Das hört sich sehr gut an. War das jetzt alles oder kommt noch mal eine Untersuchung? Ja, du hast vollkommen Recht, das Wetterchen schlägt aufs Gemüt. Die Stimmung ist wesentlich besser, seit die Sonne scheint. Zum Glück sind wir hier von Bäumen mit weißem oder grauen Zeugs verschont . Die finden sich erst an meiner täglichen Wegstrecke. Es freut mich sehr, daß du durchschlafen konntest, Ich denke es spielt für dich keine Rolle wo, Hauptsache schlafen können.
AntwortenLöschenFür Samstag sind 22 Grad angesagt. Für Freitag sind 13 Grad prognostiziert.
Nein, gerade haben sie noch mal Blut abgenommen, aber das war's dann wohl auch und nun müssen wir nach einem Kardiologen suchen, der die künftigen Kontrollen übernehmen soll.
LöschenDoch, für meinen Rücken spielt es schon eine große Rolle, wo ich schlafe, aber da muss er ja eh durch.
Hier soll der Wetterwechsel wohl heute Nacht ankommen ...
Hallo, liebe Rex-Mama!
AntwortenLöschenWas für hoffnungsvoller Tag bei euch beiden.
Ich hoffe, du hast auch mal Zeit zum richtig durchatmen gefunden!
Diese Mischung aus Sorge um F., dem ständigen Mitdenken, Organisieren und gleichzeitig dem Versuch, sich selbst irgendwie stabil zu halten, das geht ganz schön „uf die Knoche“.
Umso schöner, dass die Untersuchung gut verlaufen ist und sich diese riesige Anspannung am Ende endlich lösen konnte.
Besonders berührend fand ich die vielen kleinen Begegnungen am Rande mit dem Arzt, der dich augenzwinkernd bestätigt, mit der Schwester, die hilft, und sogar die Szene an der Bushaltestelle.
Ruhig bleiben, F. Sicherheit geben, gleichzeitig alles im Blick behalten und sogar noch den Humor nicht verlieren (Stichwort „unnerm genauer untersucht“). Das ist alles andere als selbstverständlich. – Wenn ich mal krank bin, werde ich versuchen dich als Betreuung zu mieten. – Weil da kann gar nix passieren mit dir an der Seite.
Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Entlassung morgen klappt und ihr dann zu Hause erst einmal ganz tief durchatmen könnt.
Ich wünsche euch weiterhin ganz viel Kraft, Zuversicht und vor allem jetzt Tage der Erholung!
Liebe – ganz tief durchgeatmete – Grüße
lifeminder
Ich glaube, so empfindet F. das auch, lieber lifeminder, und es war ganz witzig, als wir beim Arztgespräch darauf kamen.
LöschenDieser stellte F. frei, während der Untersuchung etwas zur Beruhigung zu bekommen, und er meinte, jaaa, wenn ich dabei sein dürfte, dann bräuchte er gar nix.
Wir mussten alle drei lachen und es war natürlich klar, dass eben dies wegen der Strahlenbelastung nicht möglich war, egal wie aufrichtig ich dem Doc versicherte, nicht schwanger zu sein. 😅
Zum Thema Humor hatte ich grad ein kurzes, interessantes Gespräch mit Aionos, werde es gleich mal in den heutigen Eintrag kopieren, denn ich fand das ziemlich auf'n Punkt. ;-)
Danke für deine guten Wünsche, ich hoffe, dass sie ihn mir noch vor zwölfe hier abliefern werden.
Liebe Durchatmungs-Grüße zurück! :-))