Samstag, 29. August 2026

Funkenflug

So kann man das tatsächlich bezeichnen, denn es war mehr als nur ein Funke, der übersprang, wenn es auch zunächst gar nicht danach ausgesehen hatte.

Losgehen musste ich tatsächlich in strömendem Regen, kam in entsprechender Laune an und wenn ich auf eine kurze Wartezeit gehofft hatte, weil ich mit viertel vor zwei ja offensichtlich den letzten Termin vor dem Wochenende ergattert hatte, weil die Praxis freitags um zwei Uhr schließt, dann war das ein Trugschluss.

Es saßen noch vier Frauen im Wartezimmer, eine davon sehr schwanger, komplett verhüllt, dafür aber mit Mann, der ganz locker in T-Shirt und kurzen Hosen steckte, was mich innerlich kochen ließ, weil ich es einfach nicht nachvollziehen kann bzw. will, warum Frauen sich derartig ihrer Individualität berauben lassen.

Im Gang auf dem Sofa saßen mit einem Kinderwagen zwei weitere von Kopf bis Fuß in Tücher gehüllte Damen, von denen nur ein ganz winziger Gesichtsausschnitt sichtbar war und auch die eine der beiden Mitarbeiterinnen hinter dem Tresen trägt stets den Hidschab.  

Bei Nonnen und Pfarrern kann man es beobachten, wie sie die Bekleidung noch tragen, die zu der Zeit, als ihre Religion sich etablierte, im Nahen Osten üblich war, und das gilt genauso für muslimische Frauen. Ihre Männer haben sich weitgehend von den langen weißen Gewändern getrennt, tragen ganz lockere westliche Kleidung, doch wer das Pech hatte, ohne "unteren Anhang" geboren zu werden, dem bleibt das verwehrt und es wird von Generation zu Generation weitergegeben, das dies Gottes Wille sei, jedes kritische Hinterfragen kommt schon einer Todsünde gleich.

Nein, das ist nicht meine Welt, dafür habe ich nicht mein Gehirn mitbekommen und mir gefällt es auch nicht, wenn in unserer direkten Nachbarschaft die Mauern zwischen immer mehr Grundstücken erhöht werden, damit die Damen sich in ihren Gärten abgeschottet wie in einem Harem fühlen können. 

So in etwa meine Gedankengänge, mit denen ich mich von der gähnenden Langeweile im Wartezimmer abzulenken versuchte, bis ich dann irgendwann doch noch aufgerufen wurde.

Frau Doktor würde gleich kommen, sagte mir die Hidschabfrau, doch nun wurde es erst recht langweilig, denn nun musste ich auch hier noch einmal eine halbe Stunde ausharren mit nichts zu tun, als den Ventilator anzustarren, nachdem ich das, was über mich bereits auf dem Monitor zu lesen war, längst verinnerlicht hatte.

Inzwischen ging es auf halb vier zu, und plötzlich überkam mich die Vorstellung, man hätte mich hier vergessen und sei längst ins Wochenende  gegangen. Der Ventilator rauschte so laut, dass er alle anderen Geräusche überdeckt - womöglich war also gar keiner mehr da und ich hier eingesperrt? 😮

Hihi, kurz überlegte ich, ob ich wohl etwas finden könnte, um mich aus dem ersten Stock abzuseilen ... 😅..., dann überwog allmählich die Wut und ich spielte mit dem Gedanken, mich wieder anzuziehen und  zu verschwinden, denn ich hatte einfach keinen Bock mehr, aber dann öffnete sich die Tür doch noch und ab dieser Sekunde kehrte sich alles ins Gegenteil um.

Die Ärztin - vielleicht um die 40 Jahre alt - ist arabischen Ursprungs, trägt aber, wie A. es nennt, immerhin nur das "kleine Kopftuch" und nun kam sie so locker und herzlich auf mich zu, dass der erste Funke sofort zu fliegen begann.

Ein einziges Mal sie mich bisher im letzten Jahr gesehen, und das nur kurz, trotzdem konnte sie sich genau an mich erinnern, erkundigte sich nicht nur, wie es mir, sondern auch, wie es F. gehe, und später wusste sie auch genau, dass ich Mammographie ohne Anlass ablehne, was sie zu meiner Überraschung in meinem Falle sogar befürwortet, da bei mir alles sehr gut abzutasten ist.

Von Anfang an war es ein Gespräch auf Augenhöhe und so erzählte ich ihr von der fast wundersamen Wandlung, die in meinem Unterleib seit Anfang Juli stattfand.

Fast drei Jahre lang bin ich von heftigsten Schmerzen gequält worden, verursacht durch die zu sehr ausgetrocknete Scheidenschleimhaut (Scheiß-Wechseljahre 😡), mitunter tat jeder Schritt brutal weh und die Einkauferei artete oft in Hölle aus, zumal ich nachts auch kaum noch schlief, weil ich jede halbe Stunde rausmusste, wenn nämlich jedes Tröpfchen in der Blase nach "nebenan" signalisierte, hier ist Druck, also alles auf Wehtun stellen. 🙄

Die Östrogen-Salbe, die mir schon der Arzt bei der Probenentnahme in der Nachbarstadt und auch sie mir letztes Jahr dann weiterverschrieben hatte, brachte absolut gar nichts und Ende Juni wurden die Schmerzen dann so schlimm, dass ich die Sache selber in die Hand nahm.

Ich entschied mich für eine Salbe, die durchaus da hingehört, und für eine weitere, bei der das eigentlich nicht der Fall ist, und gleichzeitig versuchte ich mein Glück mit Konzentration.

Ich habe ja schon öfter von diesem "Konzentrationspunkt" erzählt, den ich irgendwann in meinem Kopf fand und von dem aus ich mir häufig Zahnschmerzen linderte, vor allem aber auch ruckzuck fürs Erwärmen eiskalter Füße sorgen kann. (Die tibetischen Mönche können das alle, es ist also ganz normal, wenn man es denn nur beherrscht.)

Ich erzählte ihr also von dem Salbenmix, sagte dann: "Lachen Sie mich jetzt bitte nicht aus, aber ...", und erwähnte auch Letzteres, dass ich also auf diese Weise versucht hatte, für bessere Durchblutung zu sorgen.

"Nein, da lache ich absolut nicht", antwortete sie, "ganz im Gegenteil, ich weiß, dass Autosuggestion sehr gut funktionieren kann."

Sie war rundweg begeistert, selbst von den Salben und empfahl mir, das unbedingt so beizubehalten, wenn es so gut hilft. Tatsächlich bin ich ja seit Anfang Juli schmerzfrei und fühle mich wie neugeboren. 😊

Von dem, was sie bei der Untersuchung sah, war sie genauso erfreut, denn was auch immer letztlich den Ausschlag für die Heilung gab, nun sieht alles tippitoppi aus, dann allerdings kam sie auf Sonographie zu sprechen, die früher beim Frauenarzt ganz selbstverständlich gemacht wurde, heute aber von der Krankenkasse nicht mehr bezahlt wird.

Als  ich die Praxis betrat, hatte ich unterschrieben, dass ich auf von mir zu bezahlende Zusatzleistungen verzichte, nun aber kam ich ins Wanken, denn es könnte wirklich nicht schaden, wenn sie mal einen Blick auf Gebärmutter, Blase und Eierstöcke werfen würde. 

"Wie teuer ist der Spaß denn?"

"56,99 Euro."

"Kann ich das überweisen? Ich bin gerade nicht sicher, wie viel ich im Geldbeutel habe."

An sich nicht, offenbar hat sie üble Erfahrungen gemacht, aber dann meinte sie, sie würde bei mir auch mal eine Ausnahme machen, wobei ich inzwischen aber nachgedacht hatte und eh zu dem Schluss kam, dass ich genug dabei haben müsste, auch wenn dadurch mein noch geplantes Vorbeispringen bei Aldi etwas bescheidener ausfallen würde.

Also besahen wir uns gemeinsam mein Innenleben auf dem Monitor, sie erklärte prima und irgendwie war es fast wie ein Glücksgefühl, das zwischen uns beiden hin- und hersprang, denn ... alle Ränder sauber, wie gemalt, genau, wie sie sein sollten ..."da ist nichts, wo auch nur ansatzweise etwas herauswachsen könnte, das da nicht hingehört."

Besser hätte es nicht laufen können und ich glaube, ich war noch nie so froh über eine ungeplante Ausgabe, denn ich muss ja fit bleiben.

Was sie dann auch von sich aus sagte: "Das war genau das, was wir sehen wollten, denn Sie werden ja gebraucht."

"Das können Sie aber laut sagen", antwortete ich lachend und nun erkundigte sie sich noch einmal genauer nach F.

Ich erzählte kurz von der Krankenhausodyssee und wie toll sich vor allem auch sein Kopf von dem Koma erholt hat, was sie erstaunte, denn sie hatte anderes befürchtet.

Und dann funkte es gleich schon wieder, denn natürlich musste ich nun auch die Cordyceps erwähnen, ging aber davon aus, dass ihr das nichts sagen würde.

Irrtum!

"Klar sagt mir das was, das ist ein Vitalpilz ..."

Und  schon tauschten wir uns über das aus, was uns die Natur zu bieten hat, und ich bin nach wie vor begeistert, dass sie zu den wenigen Ärzten gehört, die nicht nur auf Chemie bauen.

Während ich mich anzog, sagte ich irgendwann: "Schade und unerklärlich eigentlich, dass kaum ein Arzt so etwas jemals erwähnen würde."

"Nein, gar nicht unerklärlich, denken Sie mal an die Chemielobby, die genau das mit aller  Macht verhindern will."

Ja, natürlich, die riesigen Pharmakonzerne haben absolut kein Interesse daran, dass Menschen mit einfachen Mitteln geheilt werden, denen geht es ausschließlich um den Umsatz ... 😡

Und damit waren wir auch gleich beim nächsten Thema, nämlich der Gesundheits-"Reform", die heftige Verschlechterungen für die Versicherten mit sich bringt.

Besonders auch Frauen wird es sehr hart treffen, wie man hier nachlesen kann. 

"Ein erheblicher Teil davon soll durch strengere Budgetvorgaben und eine Begrenzung der Ausgaben erreicht werden. Ärztinnen und Ärzte müssen das umsetzen, in dem sie nur noch eine politisch festgelegte Zahl an Patientinnen behandeln – egal wie hoch der Bedarf ist."

Was unterm Strich dann Folgenes bedeutet: 

"Das funktioniert wie ein Bus, dessen Türen sich schließen, sobald er voll ist: Wer noch draußen ist, muss auf den nächsten Bus hoffen. Der kommt aber nicht bzw. erst sehr viel später. Wer Geld hat, nimmt ein Taxi. Aber was ist mit dem Rest? Das Signal der Politik ist also: Gesundheit wird zur Frage des Geldbeutels."

Was ich richtig toll finde, sie fährt mit zwei Freundinnen nach Berlin, um an der Demo dagegen teilzunehmen, und keine Frage, dass sie auch in der Praxis mit Plakaten auf die laufende Petition aufmerksam macht.

Leider hatte sie keine Unterschriftslisten mehr, bat mich, dass zu Hause per Internet zu erledigen, was aber leider gar nicht so einfach ist, da man sich dafür zunächst ein Konto beim Deutschen Bundestag anlegen muss. 

Kein Wunder, dass es bisher erst gut über 4000 Unterzeichner gibt, so hält man sich also Protest vom Hals. 😡

So quatschten wir noch einen Moment weiter, u.a. auch über Stimmungen und darüber, wie wichtig Humor und Lachen bei jedem Miteinander sind, schließlich verabschiedeten wir uns und sie meinte, sie würde sich schon richtig darauf freuen, mich im nächsten Jahr wiederzusehen. 🥰

Geht mir genauso, denn auch wenn ich zunächst gedacht hatte, dies würde mein letzter Besuch dort sein, empfinde ich nun genau das Gegenteil, fühle mich sehr wohl mit ihr als Ärztin. 😊

 

Unnu geh ich das Bad putzen, Staub wischen und bissl was im Garten sollte ich auch noch tun.

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

 

 

 

2 Kommentare:

  1. Hallo, liebe Rex-Mama!

    Wow, was für eine Geschichte!
    Ausgerechnet nach diesem endlos langen Warten, der schlechten Laune und deinen Fluchtgedanken aus der Praxis entwickelt sich plötzlich so ein wunderbares Gespräch auf Augenhöhe.

    Wie schön, dass du mit dieser Ärztin offenbar einen echten Glücksgriff gemacht hast. Aufmerksam, herzlich, offen für deine Erfahrungen und sogar für Naturheilmittel. Am besten gefiel mir dieser wunderschöne Satz: „Sie werden ja gebraucht.“

    Besonders freut mich natürlich ausgesprochen, dass bei der Untersuchung alles tippitoppi aussah und du seit Juli endlich schmerzfrei bist.

    Und dass ihr am Ende noch über Gesundheitspolitik, Natur, Humor und Lachen gequatscht habt, passt eigentlich perfekt zu dieser Begegnung.

    Offenbar muss man sich eben manchmal erst eine halbe Ewigkeit langweilen, damit anschließend umso mehr Funken fliegen können? !


    Liebe - Ich wünsche dir, dass dieser Funke noch ganz lange erhalten bleibt und natürlich weiterhin Euch allen beste Gesundheit Grüße
    lifeminder

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    1. Das Reden über die Gesundheitspolitik war mehr als notwendig, lieber lifeminder, denn man muss sich das mal vorstellen, das ganze Land jammert über fehlende Ärzte, auf Facharztterime muss man sehr lange warten, und dann kommen die mit ihren Sparplänen und schreiben den Ärzten vor, wie viele Patienten sie annehmen dürfen, d.h. selbst wenn noch freie Kapazitäten vorhanden sind, sie dürfen nicht genutzt werden.
      So was geht gar nicht und man sollte die bei Ärzten ausliegenden Petitionen unbedingt unterschreiben.

      Liebe Danke-für-deine-Wünsche-Grüße zurück! :-)

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