Samstag, 22. August 2026

Zwei Punkte fallen mir ...

 ... grad noch ein, über die wir vorgestern sprachen.

Zum einen ging es um Gefühle. 

"Für uns ist nicht leicht, wir wissen nie, wie ausdrücken", sagte A. und ich bin mir nicht ganz sicher, wen sie mit "uns" meinte, türkische Menschen generell, die, die im Ausland leben, oder vielleicht auch nur Frauen, die so sozialisiert wurden wie sie?

Da passte es ganz gut, dass ich, als wir uns über WhatsApp verabredeten, als letzen Satz dazugeschrieben hatte, dass ich mich auf sie freute.

"Ich freue mich. Punkt!", sagte ich, "Was daran ist schwer?" 😀

"Ja, nichts ...", das sah A. nun lachend auch so, aber ich begriff durchaus, dass der Haken etwas tiefer sitzt. Werde mich bei Gelegenheit sicher weiter mit ihr darüber unterhalten ...

Und dann ging es noch um Bayern, das ihr ja besonders landschaftlich so gut gefallen hatte, aber ... so meinte sie dann, sie sei trotzdem sehr froh, wieder hier zu sein, fühle sich hier viel mehr zu Hause, weil ja ganz viele Frauen so aussähen wie sie, also Kopftuch tragen. 

Klar, das kann ich sehr gut nachempfinden, mir selbst geht es ja auch oft so, nur eben in die andere Richtung. Im Bus ist es mir schon häufig aufgefallen, dass es bis auf mich keine weiteren deutschen Passagiere gab, und die Frauen tragen in der Regel die in ihrer Religionsauslegung für sie vorgesehene Uniform. Da bin ich dann die Außenseiterin und in Süddeutschland fühlte offenbar sie sich mitunter so.

Außerdem seien die Menschen hier freundlicher, stellte sie dann noch fest, etwas, das mir auch immer auffiel, wenn ich in meiner schwäbischen Zeit mal nach hier zu Besuch kam.

Die Schwaben haben mit ihrer alles verniedlichenden Sprache "Grüß Gottle" und "Adele" drauf, aber im Grunde ist das genauso Fake wie die in der Türkei üblichen Gäste-Wohnzimmer. Man spielt sich gegenseitig etwas vor und so liebevoll es klingt und obwohl ich selbst eigentlich überall gut klarkomme, hier bei uns geht man wesentlich offener, lockerer auf andere zu.

Unvergessen, wie es kneipenmäßig lief, als es solche noch gab, vor allem hier bei uns ja wirklich an jeder Ecke. Alle verfügten sie über eine Theke mit Barhockern, wo sich in der Regel fast alles abspielte. Kam man frisch hinein, stellte oder setzte man sich einfach mit an die Theke und war ruckzuck im Gespräch mit anderen. Bei den Schwaben hingegen stellte ich entsetzt fest, dass belebte Theken die absolute Ausnahme waren. Wer das Lokal betrat, setzte sich allein an einen Tich und blieb in der Regel auch allein. *koppschüttel* 

Es folgte eine kleine Exkursion in die Geschichte des Ruhrgebietes, ich erzählte A., wie sich diese Mentalität aus den Gegebeheiten entwickelte.

Die Männer arbeiteten unter Tage oder am Stahlkessel, hochgefährlich, und jeder musste sich hundertprozentig auf die Kollegen verlassen können, weil das Leben davon abhing.

Da war kein Platz für Show und Scheinwelten, und das färbte natürlich auf die Mentalität ab, erleichterte auch die Integration bei den großen Einwanderungswellen, die es ja auch früher schon gab, wenn auch aus ähnlicheren Kulturen als heute.

Und dann landeten wir sogar noch bei Hitler und den Juden. Sie wollte wissen, was da eigentlich vorgefallen sei, sie habe gemerkt, sie wisse unheimlich wenig. 

Will sagen, neben allem Spaß wurde ich auch ganz schön gefordert vorgestern ... 😁

Heute auch, wenn auch auf andere Art, denn in der Früh machte ich mich von außen über die Hecke her, befreite den Bürgersteig von Unkraut und fegte den ganzen Mist zusammen - man gönnt sich ja sonst nix.

Und nun überlege ich, ob ich vielleicht schnell noch einen Apfelkuchen backen sollte, denn nun fallen sie in großer Zahl vom Bäumlein.

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

 

 

4 Kommentare:

  1. Hallo, liebe Rex-Mama!

    Da habt ihr vorgestern ja voll in alle Themenbereichen hineingelangt.Von Gefhlen über Heimat und Zugehörigkeit bis hin zu offenbar charmanten Ruhrpottmentalität und deutscher Geschichte.

    Ist es nicht schön, wenn man feststellt: Eigentlich reden wir gerade über ganz viel mehr als das ursprüngliche Thema.

    Besonders hängen geblieben ist mir diesmal der Satz „Ich freue mich. Punkt!“ - Wie wunderbar einfach.

    Vielleicht würde uns allen manchmal tatsächlich ein bisschen Ruhrpott im Leben guttun – weniger Fassade, und noch mehr Mensch?!

    Dass „A“ sich hier durch die vielen Frauen mit Kopftuch mehr zu Hause fühlt, finde ich übrigens einen sehr berührenden Gedanken.

    Heimat hat eben auch damit zu tun, ob man sich selbst irgendwo wiedererkennt.

    Und nun bin ich gespannt, ob aus den gefallenen Äpfeln tatsächlich noch ein Kuchen geworden ist.


    Liebe – Mentalitäts - Grüße
    lifeminder

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    1. Auf der anderen Seite hat es aber für die ohne "Uniform" natürlich auch mit Verlust des Sichzuhausefühlens zu tun, lieber lifeminder, ansonsten, ja, weniger Fassade, mehr Echtheit, das könnte unserer Gesellschaft in ganz vielen Bereichen nicht schaden.
      Und nein, leider hat mir die Zeit für den Kuchen doch nicht mehr gelangt, denn da warteten noch Umfragen und das Bad verlangte auch nach einer Putzaktion, aber ... aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. ;-))

      Liebe Mentalitäts-Grüße zurück! :-)

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  2. Wie viele Umfragen sind denn das durchschnittlich?
    Das scheint immer "eine Menge Holz" zu sein?

    Ich liebe deine Badpuztaktionen - und das spornt auch mich an, noch genauer und vor allem noch öfters im Bad zu putzen.


    Liebe - 20 Uhr 56 - Grüße
    lifeminder

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    1. Seufz, die Fliesen wären eigentlich auch fällig, rundum vom Boden bis zur Decke, aber da habe ich das Problem, dass ich mich ja nicht mehr in die Wanne stellen kann.
      Wie also drankommen?
      Die Umfragen kommen laufend, gezählt habe ich sie aber noch nie. ;-)

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