Montag, 29. Juni 2026

Gestern Abend sahen wir uns dies hier an:

 The Bee Gees: How Can You Mend a Broken Heart und der Film fing uns beide ein, kocht doch unweigerlich einiges an Erinnerungen hoch, er ist wirklich informativ und auch menschlich anrührend, wie ich fand.


 "Massachusetts" ... meine Güte, wie geil ließ sich darauf Stehblues tanzen ... (auch wenn das Lied zu meiner Zeit schon als Oldie galt)?

Die Siebzigerjahre waren die Zeit der Feten. Konfirmandenunterricht vor Ort kannten wir gar nicht. Stattdessen fuhren wir alle paar Wochen für ein ganzes Wochenende in eine Jugendherberge, Achtbettzimmer mit jeweils vier Etagenbetten mit Pferdedecken darauf. Auf dem Gang ein Bad und Klo für alle und immer noch rieche ich den Hagebuttentee, der in Blechkannen dampfte, während das Essen mit Wagen in den Speisesaal gefahren wurde. Hinterher hieß es zum Spülen antreten, trotzdem blieb genug Zeit für die vielen Diskussionsrunden, für die Gruppenarbeiten und abends gab es dann immer Fete. Wieee groß war die Spannung, ob dieser oder jener uns wohl zum Tanzen holen würde? 

Von meinem Konfirmationsgeld meldete ich mich zum ersten Tanzkurs an, auch dort gab es jeden Samstagabend große Fete, die natürlich erst so richtig heiß wurde, wenn es Stehblues gab, die wir meist so intensiv verschmusten, dass wir hinterher erst mal in die Kellerbar mussten zum Abkühlen. 😁

Noch schärfer ging es auf den Feten zu, die die 10. Klasse des Jungengymnasiums hin und wieder für uns organisierte. So viel Freiheit gab es damals in den Schulen. Wir durften im großen Raum im Untergeschoss feiern, der Flur gehörte dazu, dort gab es reichlich Bier, während wir gern im Kreis auf dem Boden knieten und unsere langen Haare beim Headbanging zu "Born to be wild" fliegen ließen.

Einige von uns hatten sehr tolerante Eltern, durften sich einen Dach- oder Kellerraum zur Fetenmeile umrüsten. Ringsherum alte Matratzen (damals gab es noch die dreiteiligen in den alten Ehebetten und die eigneten sich hervorragend dafür), eine Lichtorgel war Pflicht, dazu immer der Geruch von Kerzen und Räucherstäbchen und natürlich ging auch bei uns im Jugendheim die Post immer gehörig ab ...

Allmählich begann sich die Spreu vom Weizen zu trennen, so dachten wir es uns jedenfalls. So wie sich die Jugend später in Popper und Punker aufteilte, war es jetzt mit Disco- vs. progressive und Rockmusik.

Die auf Erstere standen, das waren quasi die Popper, während wir doch ganz andere Ansprüche stellten.

Zumindest offiziell  und bei den Leuten, an denen uns etwas lag. Wenn A. und ich alleine unterwegs waren, dann verschlug uns unser Weg nämlich auch durchaus mal in vergleichsweise brave Glitzerdiscos, während sich das wahre Leben dann zu fortgeschrittenerer Stunde halt im Old Daddy abspielte, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem Berliner "Sound" aus "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". 

Klar, im Daddy hätten die sich lieber ein Ohr abgebissen, als so etwas wie die Bee Gees zu spielen, aber wir bekamen sie trotzdem häuftig mit, selbst als dann "Saturday Night Fever" herauskam, das für uns genau wie John Travolta natürlich gar nicht ging. Spießertum war etwas für die anderen, aber nicht für uns.😁

Erst gestern Abend wurde mir etwas sehr  Wichtiges klar, denn mir war es damals nicht bewusst, dass dieses hochnäsige Unterscheiden ein Trend war, der ... wie alles ... von Amerika zu uns herüberschwappte. Dort gab es sogar öffentliche Disco-Schallplattenzerstörungen, wie in diesem Film eindrucksvoll gezeigt wird.

Ich weiß es nicht, ob heutige Teenies auch nur annähernd so viel Herzklopfen empfinden wie wie damals, während sie auf Likes der Angebeteten warten, aber eines hat sich ganz sicher nicht verändert, nämlich dieses dämliche Auf-irgendwelche-Züge-Aufspringen, dieses unreflektierte Aufnehmen der Meinung anderer, die wir dann ganz schnell  für unsere eigene halten.

Das ist tatsächlich die Quintessenz, die ich aus dem Film mitnahm, auch wenn ich sicher nicht weniger wehmütig als Barry Gibb auf längst vergangene Zeiten zurückschaue.

So, und nun heißt es  hier weiter warten, diesmal nicht auf den Gas-, sondern auf den Maskenmann.

Heute wird ja F.s Beatmungsgerät ausgetauscht, das Zeitfenster lautet auf 12 bis 14 Uhr, schaun mer mal, wann er wirklich auftaucht.

Hoffentlich bald ...

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉

 

PS: Schad, grad kam eine Mail, in der die Lieferung des neuen Ventilators für morgen angekündigt wird. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn ich nur an einem Tag hätte hier herumsitzen müssen ... 🙄

 

  

1 Kommentar:

  1. Danke für deinen Rücklick auf die gute alte Zeit (musikalisch) erlebt.
    Ich hab mir auf YoiTube Oiner isch emmer dr Arsch von der schwäbischen Rockband Schwoisfuß Später aus den Schwobarocker die Band Grachmusikoff. All die Tiel die du hier beschrieben/erwähnt hast, waren auch meine Favoriten. Zwischen war auch mal was fetziges angesagt.
    Es hat zwar abgekühlt, aber nicht so stark ich ich erwartet habe.Nur Dienstag und Mittwoch soll Regen kommen. Mal sehen was wird.
    Eine Übernachtung in der Jugendherberge gab es bei einem Schulausflug an den Bodensee.
    Und dann kann ich mich noch an eine organisierte Freizeit erinnern: vier Bett Zimmer. In der Nacht gab es plötzlich einen heftigen Schlag. Einer aus einem Hochbett fiel raus - nicht auf den Boden, sondern auf den Tisch, der neben den Betten stand. Nach dem Frühstück versorgte ich ihn mit Kytta-Salbe.
    Ja, genau Kerzen und Räucherstäbchen waren Pflicht.
    Von meinem Konfirmantengeld kaufte ich mir damals einen KofferradioTelefunken bajazzo sport. Lange Zeit leistete er mit treue Dienste. Kult waren in früheren Zeiten die Flippers hier aus dergegend. Früher hießen sie Dancing Show Band.NEIN, das ist nicht meine Musik.
    Das hat mit Lokalpatriotismus zu tun. Aus den Skippies wurde Fernando Express, die auch unserer Gegend stammten.
    Schad, daß das Beatmungsgerät nicht rechtzeitig gekommen ist.

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