Als ich die App der Verkehrsbetriebe öffnete, leuchtete mir ein 5-Euro-Gutschein entgegen, dessen Code ich nur einzugeben bräuchte, was ich natürlich tat, doch ... abgezogen wurde mir von meinen Internettickets kein einziger Cent und als ich später per Mail nachfragte, wurde mir mitgeteilt, ja, diese Aktion sei leider bereits abgelaufen und man bedanke sich für mein Verständnis.
Das ich allerdings in keinster Weise habe. 😡
Im Bus wurde es recht spannend. Die Fahrt dauert eine knappe halbe Stunde und führt durch relativ schmale Straßen, an denen auf beiden Seiten geparkt werden darf und die man noch zusätzlich durch angeblich verkehrsberuhigende Hindernisse verengt hat.
Was regelmäßig zu Chaos und durch das viele Stoppen und Anfahren auch zu deutlich höherer Lärmbelastung für die Anwohner führt und an einer Stelle wurde es richtig schlimm.
Sich entgegenkommende Fahrzeuge passen nirgendwo aneinander vorbei, d.h. man muss jede Einfahrt nutzen, dort heranfahren, um die von gegenüber durchzulassen, und so machte es nun auch der Busfahrer, blieb an einer längeren freien Stelle hinter einem geparkten SUV stehen, um den Gegenverkehr abzuwarten, der angeführt wurde von einem sehr alten Herrn, ebenfalls in einem dicken SUV, gefolgt von einer älteren Dame in nicht minder breitem Wagen.
Und diese beiden verhakten sich, wussten nicht mehr vor und zurück, zumal die Schlange hinter ihnen wuchs und wuchs. Der Stillstand war komplett, unser Fahrer brüllte vor Zorn laut herum: "Bleibt alle dort, wo ihr seid, dann stehen wir heute Abend alle noch hier, mir egal, dann frühstühstücke ich jetzt ..."
Irgendwann öffnete er sein Fenster, teilte seinen lauten Unmut nun der ganzen Gegend mit, während die Fahrgäste zu diskutieren begannen, wie die verfahrene Situation denn überhaupt noch zu retten sein könnte? 😅
Schließlich forderte der Fahrer die alte Dame auf, rückwärts in die Einfahrt hinter ihr hineinzusetzen, wofür allerdings die ganze Schlange ein Stück zurücksetzen musste, dann bekam der Opa es gebacken, rückwärts auf den Bürgersteig zu fahren und nach und nach löste sich das Geknubbele auf, so dass wir weiterkonnten.
Zehn Minuten später als geplant kam ich in der Nachbarstadt an, kein Problem, ich war eh früher losgefahren, weil ich es ausnutzen wollte, wenn ich schon mal dort war.
Saturn?
Pech, den gibbet gar nicht mehr, er heißt nun MediaMarkt, nachdem man ihn deutlich verkleinert hat.
F. hat im September Geburtstag und da ich immer beizeiten anfange, mich um Geschenke zu kümmern, waren mir am Morgen In-Ear-Kopfhörer in den Sinn gekommen, die ihm sicher Spaß machen würden und mich teilweise vor dem Sound bewahren könnten, mit dem er mich gerne einmal nervt.
Zum Glück hatte ich noch die Zeit gefunden, mich mit Aionos darüber auszutauschen, war ich doch nach einer ersten Googlesuche ziemlich verblüfft gewesen, wie teuer solche Dinger sind.
Die aber für F.s Zwecke absolut nicht nötig seien, hatte er mich beruhigt und mir einige deutlich günstigere von Hamas oder sogar Rossmann vorgeschlagen.
Die von Hamas schaute ich mir im MediaMarkt an, fand es aber ziemlich schwach, dass nicht draufstand, wie viele Aufladungen die "Dose" schafft, und ein USB-Kabel fehlte auch.
Also sprang ich noch schnell eine Etage tiefer bei Rossmann hinein, wo die Ohrhörer sogar vorrätig waren, aber da ich heute eh noch für einen größeren Einkauf in die hiesige Filiale muss, wollte ich nicht unnötig einen 10%-Coupon verballern, sondern vertagte den Kauf.
Und nun wurde es auch Zeit für die Augenklinik, wo mir die nette Dame am Empfang erklärte, man würde gerade alle Nachstare sammeln, wir würden jetzt hier unten mehrfach getropft und würden später alle zusammen hoch in den dritten Stock zum Lasern gehen.
Weia, das klang nach ziemlicher Warterei und auf meine Frage meinte sie, ja, rund zwei Stunden sollte ich mal einkalkulieren.
Okay, dann war das halt so, ich hielt in der recht großen, vieleckigen Halle nach einem Sitzplatz Ausschau, die zum Glück weit auseinandergezogen sind, hier mal drei nebeneinander, dort vier und meine Wahl fiel auf eine Zweitergruppe, deren einer Stuhl von einer Frau besetzt war, die optisch wohl ein wenig meinem Typ entsprach, halblange blonde Haare, Jeans, irgendwie recht aktiv wirkend.
"Gehören Sie auch zu den Nachstaren?", begrüßte sie mich, ich nickte und erfuhr sogleich, dass ihr die Warterei gar nicht passte, weil ihr Hund gerade beim Tierarzt operiert worden sei und noch bei diesem zum Aufwachen läge.
"Ach du je, was ist passiert, was hat er?", hakte ich sofort nach, erwähnte, dass ich ebenfalls einen Hund habe und natürlich sofort gefühlsmäßig bei ihr sei.
Nein, da könne sie nun auf keinen Fall weiter drüber reden, meinte sie, das würde sie psychisch zu sehr belasten, so viel Kraft habe sie nicht.
Oha ... *koppkratz*
Also Themenwechsel, und diesen nutzte sie, um über die Ärzte zu schimpfen, die ja allesamt nicht wirklich etwas könnten, dieser hier habe ihr z.B. gerade beide Augen getropft, obwohl sie ihn darauf hingewiesen habe, dass ja nur eines davon gelasert werden sollte. 😡
In diesem Moment wurde ich aufgerufen, durchschritt die Halle und weil ich mitbekam, wie interessiert der Doc unseren von ihrer Seite her erregten Austausch beobachtet hatte, sagte ich grinsend zu ihm: "Austausch unter Leidensgenossinnen." 😁
Schon begann er auch mich zu tropfen, allerdings nur ein Auge und nun erkundigte ich mich nach dem Grund, warum bei ihr beide, bei mir aber nur eines?
"Jaaa, Sie kommen ja auch von uns", erklärte er mir", während diese Patientin von außen kam, d.h. die Untersuchungen, die wir bei Ihnen schon alle gemacht haben, muss ich bei ihr jetzt nachholen."
Klar, das klang absolut einleuchtend und genauso sagte ich ihr das auch, als ich mich nach diversen Sehtests wieder zu ihr gesellte.
Und schon tauchte der Arzt erneut auf, kam diesmal zu uns, sein Fläschchen in der Hand, aus dem er erst mir und dann ihr ins Auge träufelte. Bei mir kam sogar noch etwas aus einer weiteren Flasche hinzu und als er meinte, das sei noch nicht alles, er käme gleich noch mal zu uns, sagte ich lachend: "Alles jut, ich versteh ja, dass sie ihre Pullen leer kriegen wollen, also immer rin damit." 😁
Für mich ein Klacks, nicht einmal das Papiertüchlein, das man immer in die Hand gedrückt bekommt, benötigte ich, während meine Nebensitzerin damit immer wieder unter ihrem Auge herumrieb und jammerte, das würde ja sooo brennen und nun sähe sie auch noch alles verschwommen. 😮
Ja, was denn sonst?
Wenn sie die Katarakt-OPs hinter sich hat, muss sie das doch eigentlich alles kennen, aber ... sie fand es schrecklich, wie auch fast alles andere in ihrem Leben.
Sie laufe nun auch zu Hause nur noch in festem Schuhwerk herum, berichtete sie, und habe sich auch überall Geländer anbringen lassen, denn in ihrem Alter sei es einfach viel zu gefährlich wegen der Sturzgefahr und da hakte ich ein: "Ja, um Gottes Willen, wie alt sind Sie denn? Sie müssen sich ja mehr als gut gehalten haben, weil man Ihnen das absolut nicht ansieht."
Doch, sie sei wirklich alt, meinte sie nun, nämlich schon 66 ... 😮😅
Also grad mal ein Jahr älter als ich, aber gefühlt musste sie schon auf die 100 zugehen ... 🙄
Mit 60 habe sie in Rente gehen müssen, hörte ich nun, weil von da an alles schlimmer wurde und sie Stammgast bei den Ärzten, die Gelenke ...
Gleichzeitig haute sie aber auch auf den Putz, wie sportlich sie noch sei, wie gerne im Wald unterwegs und wenn ihr Hund dann nicht mehr sei, würde sie nur noch auf Reisen gehen wollen.
Allein, denn andere Menschen seien nur schwer zu ertragen, sie brauche nun einmal viel Ruhe, auch das Telefon würde sie abends ab 19 Uhr abstellen, damit sie sich undgestört auf einen erholsamen Schlaf vorbereiten könne.
Und so ging es immer weiter, auf ganzer Linie nur Frust und Enttäuschung, bis ich irgendwann dachte, dass ihr Leben mit sich selbst vermutlich auch für sie selbst ziemlich anstrengend sein müsste. 🤣
Irgendwann war es dann so weit, wir sammelten uns - waren insgesamt eh nur 7 Leute - fürs Hochgehen und wärend ich ganz bequem den Aufzug wählte, sprang meine gelenkgeplagte Nachbarin als Erste die drei Etagen zu Fuß hoch.
Oben verstand ich dann auch, warum diese Sammelaktion überhaupt nötig war, denn offenbar haben sie die Kliniktage nun nach Behandlungen sortiert, heute waren nur die Nachstare dran, deshalb war oben auch alles dunkel, als wir mit der Mitarbeiterin dort ankamen.
Sie machte Licht, hieß uns hinsetzen, wieder landete ich neben besagter Dame, die sich nun erhebliche Sorgen darüber zu machen begann, wie unangenehm das Lasern denn wohl werden könnte, und vermutlich waren alle recht zufrieden, dass ich als Erste aufgerufen wurde, sozusagen als Versuchskaninchen. 😁
Ein kleines abgedunkeltes Kabüffchen, wo die vermutlich polnische und immer etwas seltsam gekleidete Ärztin zu mir stieß, die ich schon von früheren Besuchen kenne.
Etwas unsicher erschien sie mir zunächst, als sie das Gerät einstellte und herumrätselte, was nun wie gehöre, dann vergewisserte sie sich, welches meiner Augen gelasert werden sollte, und endlich ging es los.
Kinn auflegen, Stirn andrücken, schräg nach halbunten links schauen, ich fühlte, wie sie mir etwas ins Auge klemmte, damit ich nicht zwinkern konnte, dann kam der Strahl.
Piuu, Piuuuu machte es immer und klang, als würde dieses kurze, scharfe Schussgeräusch direkt in meinem Kopf entstehen, ich konnte so etwas wie kleine Bläschen in einem Kaleidoskop beobachten, vielleicht eine Minute lang ballerte sie herum, dann war sie zufrieden, erklärte mir, es könne sein, dass ich noch einige Zeit so etwas wie kleine Partikelchen sähe, aber die würden sich noch auflösen.
Ich bekam einen Termin zur Kontrolle für Freitag, dann wieder im Nebenstadtteil, ich muss also nicht wieder so weit fahren und bevor ich ging, beantwortete ich noch brav die Fragen meiner Nebenfrau, wie schlimm es denn gewesen sei?
"Überhaupt nicht schlimm", versicherte ich ihr, "Sie werden sehen, nur eine Minute, dann ist es auch schon überstanden."
Wir wünschten und noch alles Gute, wobei mir auffiel, dass sie nun deutlich mehr lachte als am Anfang unseres Gespräches, wo sie ja ausschließlich griesgrämig gewirkt hatte, und dann konnte ich mich endlich wieder ins Freie begeben, wo ich wie erwartet vom allem Hellen enorm geblendet wurde, aber da es ja nur das eine Auge betraf, ging es, also sprang ich noch rasch bei Kik hiein und dann weiter zum Bus.
Unterwegs zwinkerte ich ständig, versuchte die Unterschiede bei beiden Augen herauszubekommen, aber das war durch das ständig wechselnde Licht und die Spiegelungen in den Scheiben gar nicht so einfach, nichtsdestotrotz hatte ich das Gefühl, irgendwie auch rechts nun schärfer zu sehen, wenn auch immer noch durch einen Schleier hindurch.
Daheim gabs erst mal einen Cappuccino, Umfragen wollten erledigt werden, bis ich dann in die Küche musste, denn zur Feier des Tages sollte es Pommes mit Salat und gebratenen Putensteaks geben, die natürlich noch angefertigt werden mussten.
Zwischendurch tauschte ich mich immer wieder mit Aionos aus, der richtig neugierig darauf war, wie es mit dem Auge lief, alles was ich ihm beschrieb, befand er für völlig typisch nach dem Lasern und nach und nach erlebte ich dann das, was für mich wie ein wahres Wunder ist.
Immer schärfer konnte ich sehen, der Schleier verschwand mit der Zeit und nun erkenne ich auch mit dem rechten Auge wieder jedes Blatt an den 20 oder 30 Meter entfernten Baumkronen.
Genau wie jeden Grashalm und auch all die vielen Haare auf den Teppichen, die Rex gerade verliert, was nichts anderes bedeutet, dass wieder einiges an Arbeit auf mich wartet. 😅
Wie oben schon gesagt: Es ist der Hammer und ich bin überglücklich, fühle mich, als würde ich die Welt gerade ganz neu kennenlernen. 😊
Am Abend schickte mir A. dann noch ein Foto der Bescheinigung, die sie nun endlich von der Apothekenkammer bekam, eine vorläufige Arbeitserlaubnis als Apothekerin, noch nicht eigenverantwortlich, sondern unter Aufsicht, aber immerhin, es ist ein Zeichen, dass sie ihrem Ziel näherkommt, und ich ... darf dran teilhaben. 😊
Noch mal kurz zurück zum Lasern, denn im Grunde hätte ich mir ein Jahr hinter Milchglas ersparen können, wenn mit da nicht zwei Dinge quergekommen wären.
Das eine war, dass F. im letzten Frühjahr, als ich Termin in der Augenklinik hatte, frisch aus dem KH kam und ich in keinesfalls allein lassen konnte, das andere, dass ich dann das Vereinbaren eines neuen Termins auf die lange Bank schob, einmal, weil ich sehr ausgelastet war, aber zum anderen auch deswegen, weil ich zuletzt mit einer ausländischen Augenärztin zu tun hatte, die nur sehr schlecht Deutsch sprach.
Was dazu führte, dass ich das Milchglas auf die Hornhautverkrümmung schob, von der sie geradebrecht hatte, von Nachstar und Lasern hatte ich nie gehört - wäre es anders gewesen, hätte ich mir deutlich früher helfen lassen.
Aber ... besser spät als nie, nicht wahr? 😊
Ach ja, und dann fiel mir auf der Rückfahrt noch eines auf, nämlich eine sehr laute Bandansage, die auf einmal durch den Bus schallte. Sinngemäß etwa so: An den Fahrgast mit dem lauten Handy. Sie belästigen ihre Mitfahrgäste, bitte stellen Sie das ab!
Fand ich eine richtig coole Idee, denn heutzutage traut sich ja kaum noch einer den Mund aufzumachen, egal wie laut man beschallt wird, aber so konnten alle ihre Hände in Unschlud waschen und der Lärmschläger wurde trotzem zu anderem Verhalten aufgefordert.
Und nun ab zum Optiker, zu Rossmann und zu Aldi mit mir ...
Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉
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