Montag, 25. Mai 2026

Wunderschön war es, ...

 ... auch wenn mich das Treffen mit meiner Schwester sehr  nachdenklich zurückließ.

Pünktlich um 10:21 wartete ich an der Bushaltestelle auf sie und wir hatten großes Glück, dass wir vor der Bäckerei auf dem Marktplatz noch einen Tisch im Freien ergatterten.

Sicherheitshalber verhaftete ich diesen gleich, während sie ins Innere ging und mit riesigen Tassen voller leckerem Kakao zurückkam.

Alsbald waren wir in ein munteres Gespräch vertieft, kamen von einem Thema aufs andere und es war ihr deutlich anzumerken, wie sehr sie sich auf das nächste Sabbatjahr  freut - am 30.6. geht's los, dann "radeln" sie mal eben los nach Madrid, von wo aus es mit Flieger und mitsamt den Rädern weitergeht nach Argentinien. Zunächst wollen sie dort ihre Tochter mit ihrer Lebensgefährtin besuchen und dann ein Jahr lang große Teile der angrenzenden Länder mit den Rädern erkunden.  

Ich erzählte ihr von A. und M., die ja der Meinung sind, ihr kleiner Sohn bräuche bei der Einschulung eine  besonders zartfühlende Lehrerin, weil er doch so sensibel sei, und war erstaunt über E.s Reaktion, die mir zeigte, dass sich ihre einst, hm, ziemlich linksalternative Einstellung zum Thema Kindererziehung seit den Unizeiten doch etwas gewandelt hat.

Sie sei oft sehr genervt von den Kindern, meinte sie, weil diese immerzu alles Mögliche verlangten, sei es nun, dass sie mitten in der Stunde dringendst nach Essen oder Trinken verlangten, einfach extrem unselbstständig seien und vor allem auch nicht willens oder in der Lage, sich auf irgendetwas zu konzentrieren.

Ja, ich kann es mir vorstellen, dass dieser Job im Laufe der Jahrzehnte nicht eben leichter geworden ist, zumal sie sich auch regelmäßig mit muslimischen Eltern auseinandersetzen muss, die ihre Töchter schon in den ersten Grundschulklassen mit Kopftüchern hinschicken wollen und ihnen nach und nach die Teilnahme an immer mehr Aktivitäten verbieten, z.B. Sport- oder Sexualkundeunterricht, Klassenfahrten, Ausflüge usw. ...

Und dann hatte sie das unübersehbare Bedürfnis, über unsere Mutter zu sprechen, meinte, sie wundere sich, wie Papa es trotz ihrer Launen  geschafft habe, ein so ausgeglichener und fröhlicher Mensch zu bleiben. Was tatsächlich an ein Wunder grenzt ...

E. ist ja fast 10 Jahre jünger als ich und erwischte mit ihrer Jugend tatsächlich Mutterns beste Phase, d.h. die wirklich schlimmen Dinge bekam sie gar nicht mit, weil sie entweder noch gar nicht geboren oder einfach noch zu klein war, trotzdem hat auch sie reichlich üble Erinnerungen, vor allem quälen sie nun aber Schuldgefühle rund um Mutters Tod, völlig ungerechtfertigt, wie ich denke.

Ich muss das alles erst mal sacken lassen und in Ruhe verarbeiten, hoffe aber, dass ich ihr fürs Erste diesen bösen Zahn ziehen konnte, denn sie trägt an gar nichts die Schuld, genauso wenig wie Papa und ich, obwohl wir es ständig suggeriert bekamen, dass es ausschließlich an uns lag, wenn es Muttern nicht gut ging oder sie sich gar von dieser Welt verabschieden wollte ... 🙄

Unfassbar, was Menschen in anderen anrichten können, und nun tut es mir richtig leid, dass ich meine Schwester länger als ein Jahr nicht mehr sehen werde, denn mir ist jetzt erst bewusst geworden, wie viel Redebedarf da noch besteht, zumal wir ja auch so lange Zeit so  gut wie keinen Kontakt hatten, weil alles über Muttern lief. Warum auch immer ... 

Nichtsdestotrotz hatten wir gestern aber auch viel Spaß, lachten, bis sie um viertel nach eins meinte, nun müsse man mal langsam schauen, wie sie wieder zurück in die Stadtmitte kommen könne, wo sie zwar in einem Hotel nächtigen, sich ansonsten aber um die Schwiegermutter kümmern, die mit nun auch schon 86 Jahren quietschvergnügt im betreuten Wohnen lebt.

Sie entschied sich für den Bus um 14:01, meinte, dann könne sie ja noch mit bis zu uns laufen, weil sich hier auch eine Haltestelle befindet, und ich sagte: "Ja, dann lass uns doch gleich losgehen, dann könntest du nämlich F. auch mal hallo sagen", was sie für eine gute Idee hielt.

Hihi, für F. war es der reinste Kulturschock, mit jemand anderem als mir zu reden 🤣, aber er überlebte es und dann setzte ich mich mit E. noch für ein halbes Stündchen in den Garten.

Kaum war sie weg, schellte es, schon wieder C. von gegenüber, der mich einigermaßen schockte.

Wir hatten uns ja neulich über unseren Anhänger unterhalten, ich erwähnte, dass der wegkönne, und er meinte sofort, er wolle seinen Vater fragen, ob er ihn gebrauchen könne.

Was nicht der Fall war und dann fiel ihm nichts Besseres ein, als ihn ohne jede Rücksprache zu annoncieren. 

Zuerst habe er es mit 300 Euro versucht, erzählte er, dann sei er runter auf 100 gegangen und als sich keiner meldete, habe er ihn schließlich als "zu verschenken" angeboten. 

Morgen, nun also heute, um 14 Uhr käme jemand, um ihn zu holen. 😮

Sicher gut gemeint, aber etwas übergriffig finde ich es schon, vor allem F. sah es so, jedoch einigten wir uns dann darauf, dass wir ja froh sein müssen, wenn das rund 50 Jahre alte Ding weg ist. Sofern der Typ denn wirklich kommt ... 
Ich kenne C. ja noch kaum, daher habe ich mir dann die Mühe gemacht, nach der Anzeige zu suchen, und fand sie auch. Alles in Ordnung, sie sah genauso aus, wie er es beschrieben hatte ... (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. 😉)

Ach ja, und dann sah ich mich gestern Abend noch gezwungen, mich mal zu messen, denn als meine Schwester aus dem Bus stieg, waren wir gleich groß, obwohl sie doch immer fünf  Zentimeter kleiner war als ich. 

Sollte ich denn schon so sehr geschrumpft sein? 😮

Sie meinte zwar, sie habe Turnschuhe an mit einer sehr hohen, weichen Innensohle, aber ... sie sei auch schon ein wenig geschrumpft, was mich natürlich vollends erschreckte. 😮🤣

Also stellte ich mich der Realität, war aber kurz darauf beruhigt, denn zwar packe ich die 1,70 m nicht mehr, aber 1,68 m sind es dann doch noch - datt reicht mir. 😅

So, inzwischen ist F. gebadet und nun in leichte Sommerkleidung gehüllt, ich selbst trage eh nur noch Top und kurze Büx, denn die Hitze ist schon wirklich enorm, aber ... so lässt es sich aushalten.

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

 

4 Kommentare:

  1. Es freut mich sehr, daß du einen so tollen Austausch mit deiner Schwester hattest. 172 cm stehen bei mir im Reisepass. Ob das heute noch stimmt, kann ich nicht sagen. Ich habe schon lange keine messung vornehmen lassen.Was deine Schwester mit dem Radl unternimmt ist schon etwas Besonderes. Mit E-Rad oder ganz "normal".
    mit Muskelkraft ? Ich habe das Gefühl, daß es kaum noch Interessenten für irgendwas gibt. Und wenn, dann es NIX oder nicht viel kosten. Schwimmen lernte ich im Alter von 14 Jährchen. Mit Brustschwimmen hatte ich meine große Not. Immer wieder kam ich zum Kraulen. Was dem Lehrer nicht gefiel.

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    1. Die strampeln mit Muskelkraft durch die halbe Welt, Europa haben sie so ziemlich durch inzwischen und ich könnte mir vorstellen, dass es mit dem Aufladen von Akkus in irgendwelchen südamerikanischen Dörfern auch gar nicht so einfach ist.
      14 ist echt spät, aber Hauptsache, du hast es überhaupt noch gelernt.

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  2. Hallo, liebe Rex-Mama!

    Was für ein wunderschöner Bericht über euren gemeinsamen Tag. Man spürt beim Lesen wie gut euch dieses Treffen getan hat.

    Ernste Gespräche, Erinnerungen, aber eben auch dem vielen Lachen zwischendurch.

    Vor einigen Tagen „A“ und nun deine Schwester.

    Besonders hat mich eingefangen, wie feinfühlig du über die Schuldgefühle deiner Schwester schreibst.
    So viele schöne, lebendige Momente: der Kakao auf dem Marktplatz, das gemeinsame Lachen, F.s „Kulturschock“. Die Größenmessung ist einfach Rex-Mama at her best!!!

    Mit dem Anhänger hätte ich übrigens auch erst einmal schlucken müssen.



    Liebe -Ich wünsche dir sehr, dass das Gespräch mit deiner Schwester noch lange wohltuend nachklingt und ihr trotz der großen Entfernung in engem Kontakt bleibt. Und die 1,68 m reichen dafür definitiv völlig aus – Grüße
    lifeminder

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    1. Sie müssen ja ausreichen, lieber lifeminder, also tun sie es auch. 😅
      Und ja, dieses Treffen wird noch lange in mir nachklingen, einen Teil davon muss ich erst mal aufarbeiten, weil es einfach nicht sein darf, dass nun auch sie sich noch mit Schuldgefühlen herumplagt, aber ich kann mir damit ja Zeit lassen, werde ich sie doch ein Jahr lang nur noch auf Insta verfolgen können.

      Liebe Nun-ohne-Anhänger-Grüße zurück! :-))

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