Montag, 15. Juli 2024

Ein altes neues Ausflugsziel ...

 ... habe ich A. vorgestern mal vorgeschlagen, nämlich dieses hier.

Vor vielen Jahren waren F. und ich in diesem Freilichtmuseum, es ist so lange her, dass sogar Püppi noch mit von der Partie war, mit der man ja alles machen konnte, im Gegensatz zu Rex, mit dem gar nix geht. 

Ich habe es als sehr schön in Erinnerung und da ich inzwischen weiß, dass A. genauso auf Historisches steht wie ich selber, könnte das ein Tag werden, wie gemacht für uns zwei, vorausgesetzt, Petrus spielt ausnahmsweise mal mit.

Abwarten, ob und wann wir es umsetzen, jedenfalls zeigte sie sich hellauf begeistert, als ich ihr den Link schickte.

Als Muttersprachler macht man sich übrigens kaum ein Bild davon, wie ungeheuer schwer es für Ausländer tatsächlich ist, die hochkomplizierte deutsche Sprache mit ihrem großen Wortreichtum zu erlernen.

Das Türkische verfügt über sehr viel weniger Wörter, daher gibt es für vieles gar keine wirkliche Übersetzung und am Freitag blieben wir eine ganze Weile an "relativ" hängen.

Im neuen Kurs begegnete ihr das schon mehrmals, aber wirklich etwas anzufangen wusste sie damit nicht.

Ich verwies auf Einsteins Relativitätstheorie, von der sie zwar vage gehört hat, doch über die Bedeutung wusste sie nichts.

Hm, wie sollte ich das erklären?

Wenn sie fragt, was ein Tisch ist, dann zeige ich darauf und sie weiß es, aber mit Begriffen wie "vergleichsweise" oder "verhältnismäßig" geht das natürlich nicht - besonders mit dem "Verhältnis" verkomplizierte ich die Sache noch, also versuchte ich anders und sagte:

"Du bist 36, in meinen Augen relativ jung, aber wenn du deine Tochter fragst, wird sie dich relativ alt finden."

Nun schien es klick zu machen und weiter ging es zu Konjunktionen und Präpositionen, die sie nach wie vor heftig in Bedrängnis bringen.

Würde ich F. allein mit diesen beiden Ausdrücken kommen oder auch mit "Infinitiv", "Akkusativ", "Plusquamperfekt" oder "Partizip" usw., würde er mich angucken wie ein Auto.

Er hat in den Sechzigerjahren die Hauptschule besucht, Grammatik ist für ihn ein Buch mit sieben Siegeln, er spricht Deutsch völlig intuitiv - keine große Sache, wenn man es von Anfang an so erlernte.

Schwierig wird es dann aber natürlich mit Fremdsprachen, denn es bleibt einem nicht anderes übrig, als auch diese einfach per Aufschnappen zu lernen. Ich habe da noch sehr gut die portugiesische Pflegerin meiner Oma in Erinnerung, seit Jahrzehnten im Lande, aber ihr Deutsch war kaum verständlich und grammatikalisch natürlich eine Katastrophe.

A. und M. dagegen sind Akademiker und legen Wert darauf, die neue Sprache von der Pike auf und möglichst korrekt zu verinnerlichen, was aber so ungeheuer schwer ist, dass sie meinen allergrößten Respekt dafür haben!

In einen Lückentext des Kursbuches musste man beispielsweise Wörter einfügen, die aus einer Liste auszuwählen waren.

A. machte alles richtig, benötigte aber für jede einzele Lücke relativ (😁) viel Zeit und sagte dann auch, warum.

- "Um zu" passt nicht, denn das benötigt einen Infinitiv, der aber in diesem Satz nicht vorkommt.

- "Nachdem" passt nicht, es würde verschiedene Zeiten benötigen, hier stehen aber beide Sätze im Präsens.

Und so weiter, sie spult für jedes Wort das ab, was in ihrem Gehirn dazu gespeichert ist, eine ungeheuere Lernaufgabe und daran sieht man, wie schwierig das Ganze tatsächlich ist.

Ich selbst habe mich mein Leben lang ziemlich intensiv mit der deutschen Sprache beschäftigt, trotzdem käme ich nie auf die Idee, über solche grammatischen Zusammenhänge nachzudenken, habe es schlicht nicht nötig, weil es ja die Muttersprache ist.

"Irgendwann wird es leichter für dich, wenn du erst mal mehr Gefühl fürs Deutsche entwickelt hast, geht vieles ganz automatisch", versuche ich sie immer zu trösten, aber dabei ist natürlich sehr hinderlich, dass sich ihr ganzes Leben in türkischem Umfeld abspielt, abspielen kann, weil die heimische Community einfach so riesig ist.

Will sagen, ein Ausländer, der eine solche hier nicht vorfindet, wird Deutsch wesentlich schneller lernen, was auch bei meiner Schwägerin nicht zu übersehen war, die ja zunächst überhaupt keine anderen Thailänder hier kannte und wohl oder übel mit Deutschen Kontakt haben musste.

Bei F.s Schwager das Gleiche andersherum, er ist Amerikaner, der Freundeskreis besteht fast nur aus Landsleuten, ergo spricht er auch nach 40 Jahren immer noch sehr schlecht Deutsch.

So, und nun genug davon, ich sollte dringend den Staubsauger schwingen, denn diese Woche ist ja wieder randvollgepackt mit Terminen.

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉