Donnerstag, 5. November 2026

Noch vorgestern Abend ...

... hatten F. und ich uns darüber unterhalten, wie ich es wohl hinkriegen werde, ihn im April nächsten Jahres mit dem Rollstuhl per Bus zum Kardiologen zu transportieren, und da ahnte ich noch nicht, dass man mir wenige Stunden später ein weiteres Brett vor die Brust schnallen würde.

Den Weg zum Lungenfacharzt bewältigte ich ganz gut, von einer erzwungenen Unterbrechnung einmal abgesehen. Der Bürgersteig entlang der Durchfahrtsstraße ist nicht der breiteste, vor dem Soziallädchen waren zwei E-Bikes auf ihm abgestellt und blöderweise fuhr nun auch noch genau vor unserer Nase ein UPS-Sprinter halb auf ihn. Eine moppelige Frau sprang heraus, fischte einige dicke Umschläge aus dem Ladebereich und stapfte mit ihnen quer über den Marktplatz in Richtung Rathaus.

Bis sie wieder auftauchte, vergingen mindestens fünf Minuten, und so lange standen wir halt dumm dort herum. 🙄

Ansonsten lief es aber glatt, wobei ich immer wieder staune, wie achtlos man normalerweise solche Wege macht.

Selbst da, wo die Bürgersteigkanten abgesenkt sind und ich mit meinem Trolley natürlich spielend weiterkomme, gibt es mit dem Rollstuhl Hürden und allmählich erkenne ich schon beim Näherkommen, welche Stellen wir schaffen und an welchen ich F. drehen und rückwärts ziehen muss - selbst wenn es sich nur um einen Zentimeter handelt, die Vorderräder packen das anders nicht. 

Die kleine Steigung zur Praxistür brachte mich ins Schaufen, dann waren wir drin, doch von da an gab es nur noch Nackenschläge.

Ob der Lungenfunktionstest gemacht werden sollte, fragte mich die Dame am Empfang, darauf ich: "Ja sicher ... und natürlich auch CO2."

Neiiin, beides in nur einem Quartal bezahle die Krankenkasse leider nicht mehr, wurde ich informiert, ich müsse mich schon entscheiden, welche Untersuchung ich für dringender halte.

Ich bevorzugte das CO2, aber sie fragte sicherheitshalber auch noch ihren Chef, der war für die Lungenfunktion, die sich dann mit leider nur noch 19% herausstellte. Jeder Infekt, jeder Krankenhausaufenthalt hat es weiter verschlechtert, aber so ist das bei  COPD Gold, letzte Stufe, also 4. 😢

Außerdem wurde ich informiert, dass F. ja beim Hausarzt im COPD-Programm sei, wovon ich erstmalig hörte, denn bisher machten sie bei diesem sogar bedenkliche Gesichter wegen bestimmter Medikamente - für deren Verschreiben ja eigentlich der Lungenarzt zuständig sei.

Später sprach ich mit diesem darüber, als wir endlich ins Sprechzimmer gerufen wurden. Beim Hausarzt sei F. ja in engmaschiger Kontrolle, erfuhr ich und guckte blöd, denn der hat sich noch nie auch nur ansatzweise für die COPD interessiert, weil ... dafür ja der Facharzt zuständig sei. 😮

Und wie es denn mit der NIV-Kontrolle aussähe, die ja einmal im Jahr im Krankenhaus durchgeführt würde, wollte er dann wissen. Das Beatmungsgerät müsse ja immer wieder neu genehmigt werden ... 

"Bitte was???"

Noch nie im Leben sprach einer davon zu uns und als später F. seine Schwester per WhatsApp über den neuesten Stand informieren wollte, kam er ins Straucheln, also schrieb ich ihr kurz, was es mit diesem Gerät überhaupt auf sich hat.

Dann sei die stationäre Kontrolle doch prima, meinte sie, ich bejahte, erwähnte aber auch, dass das dann für mich schon wieder sehr viel zusätzlche Rennerei bedeutet.

Darauf sie, es sei ja nur einmal im Jahr.

Ich: Stimmt, dann kommt es darauf eigentlich auch nicht mehr an ... 😠

Ich glaube, von außen sieht das kaum einer, wie viel Aufwand ich hier täglich betreiben muss, und das seit sehr langer Zeit und ohne auch nur mal einen einzigen freien Tag ... 

Morgen früh werde ich beim Hausarzt vorbeigehen, zum einen benötigen wir endlich einen Termin für die Pneumokkenimpfung, zum anderen möchte ich Aufklärung über das Durcheinander und ob man sich dort dann wirklich zuständig fühlt für alle  Medikamente sowie Einweisung und Transportschein.

(Mit Grausen denke ich an März zurück, wo ich mir für beides die Hacken ablatschen und unzählige Telefonate führen musste.)

Als heute Morgen der Sauerstoffmann kam, fand ich im Briefkasten ein Schreiben der AOK, in welchem F. der Betrag genannt wurde, den er überweisen kann, um fürs nächste Jahr von Anfang an von den Zuzahlungen befreit zu sein, nur was nicht erwähnt wurde, war, ob das dann auch mit für mich gilt, wo  man doch die Familienversicherung aufgelöst hat, seit ich die Rente beantragte.

Also Anruf, der mich insgesamt mehr als  eine Stunde kostete, immerhin gilt das mit der Befreiung auch für mich, aber der Rest verstärkte das Durcheinander noch gewaltig.

1.: Selbstverständlich darf der Arzt beide Untersuchungen in einem Quartal durchführen, es hängt nur von seinem Budget ab, ob sich das für ihn finanziell noch rechnet.😡

2.: Nein, die Krankenkasse schreibt keine jährliche NIV-Kontrolle vor. Das Gerät wurde ja im Juni ausgetauscht gegen eines, das der AOK gehört, nur fürs Zubehör - einmal im Jahr können Schläuche und Maske ausgetauscht werden - wird einmal jährlich ein Rezept benötigt.

3.: F. befindet sich seit 2017 im COPD-Programm. Damals fuhr er einmal im Quartal noch eigenständig zum Lungenfacharzt, daher war mir dieses Programm kein Begriff, ihm selbst sowieso nicht. 

4.: Seit September wird das COPD-Programm auf einmal nicht mehr vom Lungen-Doc, sondern vom Hausarzt durchgeführt, ohne dass wir davon wussten.

Völlig unerklärlich ... und eigentlich kann es nur damit zusammenhängen, dass ich, nachdem ich F. endlich mit dem damals noch neuen Rollstuhl zum Labor gefahren hatte, bei der Besprechung mit dem Hausarzt fragte, ob er vom Lungen-Doc eigentlich Infos erhält.

Er verneinte, ich fragte nach dem Grund, die Antwort lautete, dann  müssen Sie eine Überweisung mitnehmen.

Was ich tat, aber eigentlich nur, um den Informationsfluss zwischen den Ärzten zu beflügeln, an einen Programmwechsel dachte dabei kein Mensch.

Wie war das noch mal mit der elektronischen Patientenakte, die so vieles erleichtern sollte??? 🙄

 Heißt also, unterm Strich weiß ich jetzt noch weniger als gestern, werde morgen wie geplant beim Hausarzt vorbeigehen, denn vielleicht lässt sich das Krankenhaus ja auf den nächsten Sommer verschieben - da sind eindeutig weniger Viren unterwegs als im Winter, und Krankenhäuser sind nun einmal heftige Ansteckungsorte. 

Was ich jetzt schon ahne, die Mädels am Empfang werden auch ratlos gucken ... schaun mer mal und nun schnell ab mit mir in die Küche, denn die Spaghettisoße kocht sich ja nicht von allein.

Durch das ganze Theater wird es sehr spät werden mit dem Essen, aber ich habe die Hoffnung, dass F. mit bis dahin nicht gleich verhungern wird ... 😁

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

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