... Mann-Pflege-Marathon des gestrigen Vormittags gab es neben den üblichen Tätigkeiten keine größeren Vorkommnisse mehr für mich. Abends staunte ich, dass, just als ich mich niedergelassen hatte, um mir Rütter und seine unvermittelbaren Hunde anzuschauen, mein Cousin anrief, er wollte hören, wie es mit F. gelaufen sei, hatte sich mal eben um zwei Wochen vertan. 😅
Was uns aber natürlich nicht hinderte, ein wie immer sehr vergnügliches Gespräch zu führen, in dessen Verlauf ich dann auch erfuhr, dass er zu den Flugschissern gehört.
Ich ja eigentlich auch, aber ... bei mir haben Neugier und Unternehmungsgeist dann doch immer wieder mal dazu geführt, dass ich mich trotzdem in einen Flieger setzte, was bei ihm niemals geschen wird. 😁
Später schauten wir uns etwas von Konserve an und als F. noch eine weitere Sendung vorschlug, passte ich, meinte, dafür sei ich viel zu müde, also baute ich unsere Schlafstätten um und wir legten uns hin.
Der Fernseher lief wie immer weiter, doch als ich durch die Programme zappte, stieß ich auf einmal auf den Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", der gerade anfing.
Und schon war ich wieder hellewach, sooo viele Erinnerungen rief das in mir hervor.
Als das Buch 1978 herauskam, hatte ich es ganz schnell und fühlte mich sehr in meine eigene Welt versetzt, all die kaputten Typen, mit denen A. und ich um die Häuser zogen, und vor allem das "Sound" erinnerte mich sehr an unser "Old Daddy", ein riesiger, total versiffter Laden in einem Kellergewölbe, in dem so ziemlich alles stattfand, was der Gesetzgeber so gar nicht mag, und in dem wir uns sehr zu Hause fühlten.
Im April1981 gab es dann den Film, natürlich war ich gleich im Kino - mit meinem damaligen Freund, mit dem ich auch zusammenlebte, in einer Wohnung ohne Heizung direkt neben einer Kriegsruine. Nach der Vorstellung ging es gleich weiter ins Daddy und ich weiß es wie heute, wie beschwingt ich mich fühlte, denn der Film hatte absolut nicht abschreckend auf mich gewirkt, sondern fast sogar animierend und es erschien mir mehr als natürlich, dass kurz darauf in einer dunklen Sitzecke neben den riesigen Boxen erst mal ein Joint kreiste, während einige sich auch Trips einwarfen.
Für mich war ein gutes Jahr später Schluss mit dem zumindest nächtlichen Lotterleben (tagsüber ging ich ja brav arbeiten), weil ich dann nach Stuttgart abwanderte, aber einen kurzen Moment steckte ich heute Nacht dann doch wieder in meiner damaligen, noch so jungen Haut und konnte es nachempfinden, warum mich das alles damals so reizte.
Übrigens fühle ich mich bei der Serie "Hartz und herzlich" mitunter ebenfalls in die damalige Zeit versetzt, wenn es nämlich um Familien geht, die über Generationen von Alkohol und Leben vom Amt geprägt werden. Damals waren wir oft bei solchen Leuten daheim, A. noch viel häufiger als ich, mitunter sprangen kleine Kinder in all dem Dreck herum, alles so herrlich locker und unspießig, aber klar, die waren ja alle jung, noch verkrafteten die Körper das, doch in der Serie sieht man dann, wie sich ein solches Leben auf lange Sicht auf Körper und Geist auswirkt, und ich möchte lieber nicht wissen, wie viele der damaligen "Spießgesellen" heute überhaupt noch leben und was aus den Kindern wurde ...
So, und nun hurtig zurück in die Gegenwart, denn nun wartet Herr Hoover auf mich.
Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉
Hallo, liebe Rex-Mama
AntwortenLöschenDas ihr - also du und dein Cousin - erneut ein tolles Gespräch hattet find ich toll, ihr scheint vom selben Menschenschlag zu sein?
"Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", war auch für mich ein wichtiges Buch und der Film wahrscheinlich sogar noch mehr.
Ich bekam beides in der Schule vorgeführt - 1994 müsste das gewesen sein. - Auch später lies mich das Schicksal der "Christiane F" über Jahre hinweg nicht ganz los.
Von Opa bekam ich ja immer die Zeitschrift "Stern" ausgehändigt. Dort wurde bestimmt 1 bis 2-mal im Jahr über "Christiane F" berichtet.
Ich bin längst nicht so mutig wie du.
Mich hatte das ganz erschreckt. Sehr sogar. Wichtiger war in Hinsicht auf Drogen - das ich sie wahrscheinlich noch nie ausprobierte auch "Frag mal Alice" - das wir auf der Wirtschaftsschule im Deutschunterricht lasen.
Wenn sie ihre Ankündigung wahr gemacht hat, lebt sie wohl heute Drogenfrei auf dem Land - das ist das letzet was ich finden konnte - aus dem Jahr 2023.
Vielen Dank für diese Erinnerungen.
Liebe - drogenfreie - Grüße
lifeminder
Ich glaube, gegensätzlicher als mein Cousin und ich gehts kaum, lieber lifeminder, aber trotzdem funktioniert es auf menschlicher Ebene einfach prima, lieber lifeminder. ;-)
Löschen"Frag mal Alice" kenne ich gar nicht, aber ich habe meine Erfahrungen ja eh lieber direkt vor Ort als in Büchern gesammelt.
Es waren halt ungeheuere Kontraste, die ich erlebte, auf der einen Seite Bildungsbürgertum, das mehr als strenge Regime meiner Mutter, dann elitäres katholisches Mädchengymnasium, der nicht weniger elitäre Schwimmclub und sobald ich von allem befreit war, gab es noch das "wirkliche Leben" da draußen, das zwischen ausgehender Hippiezeit, hartem Rockerdasein und so ziemlich allem nur vorstellbaren Wildem hin und her glitt.
Und natürlich war da auch noch das Dörfli mit dem Künstler-Onkel und der Jugend, die so anders tickte als die in der Großstadt - klar, dass ich auch dort eher nicht mit den allzeit Braven zusammen war, oder? ;-)))
Und nun habe ich mir gerade mal etwas zur Wirtschaftsschule durchgelesen, die ich so gar nicht kannte.
In welchen Klassen hast du sie denn besucht und war der Grund, dass du schon zuvor an Kaufmännischem interessiert warst?
Liebe 9:23-Grüße zurück! :-))