Dieser Satz und die freundlich eniladenen Bilder von 2015 scheinen sehr nachhaltig zu wirken, vor allem natürlich auch die hohen Sozialleistungen, die man hier zu erwarten hat, wenn man bei der Einreise das Wort Asyl erwähnt, und so kommen sie in Scharen zu uns, die Menschen aus vielen Teilen der Welt.
A. war gestern ein wenig müde und erzählte, dass sie spät ins Bett gekommen war, weil sie am Vorabend Besuch von einer anderen türkischen Familie hatten, die ebenfalls vor Erdogan floh und sich seit einem halben Jahr in Deutschland befindet.
Bereits in die dritte Unterkunft hat man sie verfrachtet, diesmal in ein ausgemustertes Gebäude auf dem platten Land mit nichts drumherum, keine Stadt, kein Dorf, nicht einmal andere Häuser gibt es und vor allem keine Bushaltestelle, so dass sie abgeschnitten von jedem Leben dort ausharren müssen und nicht einmal etwas einkaufen können.
Was da denn wohl los sei, wollte A. wissen, denn sie selber hatten es ja deutlich besser getroffen gehabt, auch wenn der Aufenthalt in solchen Einrichtungen auch für sie natürlich nicht eben erfreulich gewesen war.
"Deutschland ist voll,", erklärte ich ihr, "es kommen einfach zu viele ...", hier unterbrach sie mich und warf ein, dass in ihren Augen sehr viele davon gar keinen wirklichen Grund für eine "Flucht" gehabt hätten, sondern einfach ein schöneres Leben wollten.
Wirklich interessant, wenn man mal die Eindrücke "von beiden Seiten" miteinander vergleicht, und nun berichtete ich weiter, dass Deutschland das Geld ausgegangen sei und es auch keinen Wohnraum mehr gäbe, was zunehmend den sozialen Frieden bedroht.
Und toll auch, wie gut wir uns inzwischen schon über alle möglichen Dinge austauschen können. Ihr Deutsch wird mit jeder Woche flüssiger und ich selbst weiß immer besser, wie und wo sie mir folgen kann und wo ich mit Händen und Füßen weiter ausholen muss, um ihr klarzumachen, was ich meine.
Wie es denn wohl in den Niederlanden sei, fragte sie, womöglich besser als hier?
Ganz schlechter Zeitpunkt, denn wie in anderen europäischen Ländern auch, die sich einst als so weltoffen und aufnahmebereit zeigten, ging der Schuss dort ja nun nach hinten los.
Es ist schon verrückt irgendwie und überall das gleiche Spiel, links-grüne Strömungen sorgen mit ihrem vermeintlich hohen Moralanspruch dafür, dass der Zeiger irgendwann genau in die andere Richtung ausschlägt.
Das kann eigentlich keiner wollen und obwohl genau das seit jeher absehbar war, verschließt man sorgsam die Augen davor. 🙄
Noch einmal erzählte sie, wie sie selbst sich vor ihrer Flucht genau ansahen, welche Leistungen sie in welchen Land zu erwarten hätten. Holland war in der engeren Wahl, aber dann wurde es doch Deutschland, weil es hier einfach mehr gab, und tatsächlich leben sie ja auch nicht schlecht hier in einer schicken Wohnung mit Balkon, zentrumsnah und doch im Grünen, sogar Parkplätze gibt es vor dem Haus.
Trotzdem trauert sie ihrem einstigen Leben natürlich nach.
"Es ging und so gut", sagte sie, "wir hatten beide gutbezahlte Jobs und einen tolles Umfeld aus Familie und Freunden. Ohne Erdogan ..."
Ich kann es ihr gut nachempfinden, wie hart das alles für sie gewesen sein muss, denn in ihrem Heimatland hätte es ja tatsächlich nirgendwo mehr ein sicheres Plätzchen für sie gegeben.
Was mich gerade an die Ukraine denken lässt. Rund die Hälfte der Leute in A.s Deutschkurs stammt von dort, allerdings sagte man gestern Abend in irgendeiner Politsendung im TV, dass das Leben dort wohl in den meisten Landesteilen so gut wie normal abläuft. Warum hilft man sich dann nicht erst einmal gegenseitig im eigenen Land, sondern geht gleich ins Ausland, während dort doch vermutlich dringend Arbeitskräfte gebraucht würden, weil so viele ausfallen, die nun an der Front sind?
Schwer zu erklären, oder?
Und damit bin ich auch gleich beim nächsten Erklärproblem, denn im Deutschkurs geht es gerade um Partizipien und obwohl A. sich eigentlich bestens aufs Konjugieren versteht, sogar auf das unregelmäßiger Verben, hat sie damit gewaltig ihr Tun.
Ich frage mich, ob sich unsere "moralisch Höherstehenden" überhaupt klarmachen, welche Steine sie nicht nur den Deutschen, sondern auch Einwandernden in den Weg legen mit ihren Wortverhunzungen und mit dem krampfhaften Bemühen, bei allem auf political correctness zu achten bzw. auf das, was sie dafür halten?
Einst sprach man von Asylanten, was dann auf einmal als zu wenig freundlich erachtet wurde, obwohl dieses Wort nun wirklich von jedem verstanden wird, zumal Asyl ja auch der Grund fürs Herkommen ist.
Dann wurden sie zu "Flüchtlingen" - so lernte A. es kennen und so bezeichnet sie sich auch selbst, doch als sie mich gestern dazu befragte, was denn nun der Unterschied zu "Geflüchteten" sei, kam ich ins Trudeln. Sollte ich ihr sagen, dass die Moralexperten das, wie sie sich selber nennt, nun quasi als Schimpfwort betrachten?
Schwer zu vermitteln, erst recht, als sie dann noch nachhakte, ob sie demzufolge eine "Gestudierte" sei ...? 😁
Über Sternchen, Doppelpunkte und "Innen" schweige ich mal lieber, denn das bringt sie regelmäßig zur Verzweiflung, weil sie schlicht nicht mehr durchblickt durch das, was sie liest, aber ansonsten war unser Treffen wieder sehr erfreulich.
Wir beide "ticken" immer besser miteinander und sie genießt die Rollenspiele mit mir sehr, denn wenn sie diese mit Mitschülern machen muss, bringt es ihr nichts, weil sie ihrer Klasse weit voraus ist und die anderen so gar nicht in die Pötte kommen, was das Deutsche angeht.
Als ich heimkam, gabs eine "nette Überraschung", denn schon wieder hatten die Arbeiter diesen Streifen quer über die Nebenstraße aufgerissen und wieder einmal dröhnten die Maschinen los genau zu der Zeit, zu der ich mir ein kleines Mittagsschläfchen gönnen wollte. 🙄
Und die dickste Überraschung trudelte eben ein, nämlich die Jahresabrechnung für Gas.
250 Euro bekommen wir zurück, kein Wunder, wo wir ja kaum etwas verbraucht hatten, aber was mich mächtig ärgert, ist dass man uns die künftigen Abschläge trotzdem um mehr als 50% erhöht hat. 😲
Wer soll das alles denn noch bezahlen können???
Schon doof, nun haben wir endlich wieder eine funktionierende Heizung und werden sie doch kaum einmal benutzen können, weil es einfach zu teuer ist.
Es wäre sicher an der Zeit, mal wieder den Versorger zu wechseln, doch blöderweise habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, was ich in den Vergleichsportalen als Verbrauchszahl eintragen soll.
Seit zwei Jahren lief hier nichts mehr normal mit dem kaputten Gerät und ich habe keine Vorstellung, wie viel das neue überhaupt verbrauchen könnte, so dass ich absolut im Ungewissen schwimme und mir im Moment nichts anderes bleibt, als mich nur ordentlich zu ärgern über den Anstieg. 😖
Unnu gehe ich Betten beziehen, denn Einkaufen habe ich dank Dauerregens vertagt auf morgen bei hoffentlich trockenerem Wetter.
Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉