Was, wir sollen bei Wind und Wetter zur Schule laufen, und das auch noch zu Fuß? 😮
Wir sollen in der Lehrzeit auch mal einen Besen in die Hand nehmen und am Ende womöglich gar 40 Stunden in der Woche arbeiten, womöglich sogar auf fünf Tage verteilt? 😮
Unzumutbar, völlig unzumutbar, genau wie die Äußerlichkeiten, die die Natur für uns vorsah - Geschlecht, Bauch, Busen, Beine, Po, die Nasen oder zunehmend gern auch die Schamlippen oder die Knie, wir lassen uns alles von mehr oder minder begabten Schönheits-Chirurgen zurechtschnippeln, bis es den Idealen von Instagram & Co entspricht, und natürlich achten wir streng darauf, unsere Worte stets so zu wählen, dass sich auch wirklich niemand "in seinen Gefühlen verletzt sehen" könnte und dass benachteiligte Randgruppen, wie z.B. wir armen Frauen 😁, immer gesondert erwähnt werden, damit wir uns niemals ausgeschlossen fühlen.
Ob Überbetüddeln und das Pflegen von Empfindlichkeiten der richtige Weg ist, die lieben Kleinen fit fürs Leben zu machen, will ich mal dahingestellt sein lassen, vor allem in Hinblick darauf, dass gleichzeitig die Kinder- und Jugendkriminalität um erschreckende 35,5 % gestiegen ist, wie man hier auf der Seite der Polizeigewerkschaft nachlesen kann.
Und weil sich vorgestern zum Thema Dicken-Bashing noch eine kleine Diskussion entspann, dachte ich darüber auch gestern noch weiter nach, als ich nämlich im Radio mehrfach hörte, dass in NRW die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund gewichtsbedingter Erkrankungen so hoch ist wie nie zuvor.
Das kommt also dabei heraus, wenn wir stark Übergewichtigen einreden (sollen), dass sie goldrichtig seien so, wie sie sind?
Raucher werden ausgegrenzt, wo immer es nur geht, und mit allmählich irrsinnigen Strafsteuern belegt, aber beim Speck verhält man sich genau andersherum, und dabei kann ich ja wirklich mitreden, schleppte ich doch etliche Jahre lang rund 40 Kilos zu viel mit mir herum.
Ich habe noch nie dazu geneigt, mich gängigen Moden oder Meinungen zu unterwerfen, aber einen gewissen gesellschaftlichen Druck habe ich doch empfunden, auch wenn ich das Glück hatte, dass die Pfunde bei mir gleichmäßig verteilt waren, ich also im Ganzen zu stämmig war, aber nicht etwa durch besonders dicke einzelne Körperteile hervorstach.
Hätte man mir damals ständig erzählt, wie schön ich so doch aussähe, und hätte es auch noch überall Hosen in meiner Größe gegeben, hm, keine Ahnung, wie das ausgegangen wäre. Hätte ich dann wirklich den Drive gefunden, endlich etwas zu ändern?
Vermutlich nicht, gut möglich, dass ich es bei den üblichen Ausreden belassen hätte: Bei mir ist das anders als bei anderen, mein Körper tickt anders oder ... die Hormone sind schuld.
Das ist eben die Kehrseite der Medaille und ich bin ziemlich froh, dass ich noch einen anderen Zeitgeist erlebte und Nägel mit Köppen machte, denn schwer ist es gar nicht, wenn man erst mal den Anfang gefunden hat, und ich fühle mich eindeutig wesentlich wohler so.
Und dann sind da noch die zwei Seiten meiner Gurken.
Zwei Pflanzen hatte ich ursprünglich gesetzt und von einer war eines Morgens ja leider nur noch der Stiel übrig.
Also besorgte ich Ersatz, packte ihn wieder mit in den Petersilienkübel und erfreute mich noch gestern Abend daran, wie prächtig das neue Pflänzlein angegangen zu sein schien.
Heute früh bot sich mir dann dieses Bild:
Ein trauriger Anblick und ich verstehe einfach nicht, was in diesem Pott vor sich geht. Jahrelang hatte ich dort Schwierigkeiten mit der Petersilie, tippte schon auf Dickmaulrüssler, nun kommt sie aber auf einmal, doch die Gurken, die sich eigentlich prima mit ihr vertragen müssten, wollen dort einfach nicht?
Immerhin die andere schaut aber nach wie vor vielversprechend aus:
Außerdem habe ich mal wieder mein Tun mit den Wochentagen. Als ich gestern zum x-ten Male die Leiter hoch und wieder hinunter kletterte, um die gesammelte Werke von den Oberseiten der Schränke in die Küche zu tragen, zu spülen und wieder zurück, gingen meine Gedanken weit in die Vergangenheit.
Da gibt es Vasen und Väschen, die mir seit frühester Kindheit vertraut sind, alle von namhaften Manufakturen, teilweise aus den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts und einige davon auch vom Großonkel im Aquarell festgehalten - ja, so was kann man doch nicht wegwerfen?
Nein, so sehr ich mich auch bemühte, kein einziges Teil fand ich zum Aussortieren, erst recht natürlich nicht die selbst ausgegrabene Bauernkeramik und die Gefäße aus römischer Zeit, mitte links im Bild, während wir den Kerzenständer an der rechten Ecke von unserer Hochzeitsreise aus Tunesien mitbrachten:
(Daneben übrigens ein Foto meiner Großtante mit ihrem bei der Bombardierung der Edertalsperre ertrunkenen Söhnchen und obendrüber das Krönchen, das sie zu ihrer Silberhochzeit trug.)
Und während ich so vor mich hin sinnierte, kam mir auf einmal der Gedanke, eigentlich isses für dich völlig wurscht, was für ein Wochentag ist, zu schaffen haste ja eh ständig, ganz aktuell, weil mir meine Freundin gerade eine WhatsApp-Nachricht schickte, sie sei eben am Rhein gewesen und genieße nun mit einem Buch die Sonne auf dem Balkon.
Solche Chill-Tage sind mir ziemlich fremd, worüber ich aber auch gar nicht bös bin, denn vermutlich würde ich mich eher langweilen, wenn ich nicht das Gefühl hätte, mir "Auszeiten" irgendwie "verdient" zu haben, trotzdem wurde ich aber spontan von etwas Selbstmitleid überfallen, denn Spaß machte die Kletterei ja nun wahrlich nicht.
Kurz darauf klagte ich F. im Vorübergehen mein "Leid", sagte: "Boah nee, watt is hier denn bloß los, datt ich auch noch sonntags nur am Wühlen bin? 😕
Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße: "Was willsch denn? Heit isch doch gar koi Sonntag!" 😂🤣😂
Wo er Recht hat, hat er Recht und ich verstehe auch gar nicht wirklich, wie mir dieser Sprung in die Zukunft gelingen konnte, hatte ich mich doch noch am gleichen Morgen bei ihm beklagt, dass er die Reifen nach dem Wechsel immer noch nicht aus dem Auto geladen hat und wir deswegen nicht zum Baumarkt fahren konnten, obwohl ich doch dringend nach einer Teleskopheckenschere schauen will.
Also war mir ja zumindest zu diesem Zeitpunkt noch klar gewesen, dass erst Samstag war. 🙄
Egal, Blumen im Garten habe ich grad schon alle mit Wasser versorgt, nun werde ich in die Küche hüppen, denn heut will ich mal einen "Roten Nudelsalat" produzieren mit Hack, sauer eingelegter Paprika und vielem mehr.
Habt einen schönen, ähm, Sonntag 😀 und ... bleibt bitte gesund!


