Freitag, 10. Juli 2026

Von A. bis süße Omi

 Als ich gestern in der Apotheke war, kam Frau D. herausgesprungen, die Apothekerin, der ich damals A. so schmackhaft gemacht hatte, dass sie mit dem Inhaber über sie sprach, der sie dann zum Vorstellungstermin einlud, bei dem ich ja dabei war.

A. mache ja sooo tolle Fortschritte, schwärmte sie nun, was ich nur bestätigen kann, denn endlich hat sie das, was ihr die ganzen Jahre fehlte, nämlich Kontakt zu Deutschen, also Übung, ohne die man keine Sprache lernen kann.

Ich glaube, es ist schon drei Wochen her, dass ich sie zuletzt sah, die Hitze hatte sie noch mehr  umgeworfen als mich, deshalb schrieb ich ihr gestern über WhatsApp, wie sehr sie gelobt worden war, und wie erwartet freute sie sich dolle darüber. Dann folgte eine Entschuldigung, dass sie sich im Moment kaum mal melde, aber sie sei nach der Apotheke immer sooo müde.

Was mir nun doch ein wenig Sorge bereitet. Sie ist im Moment dreimal in der Woche für jeweils 4 Stunden dort und nach den Sommerferien sollte es ja eigentlich richtig losgehen, also wohl mindestens mit einer Halbtagsstelle, aber ... wird sie das kräftemäßig überhaupt hinbekommen können?

Die Steherei macht ihr so zu schaffen. Immer auf den Füßen sein, das kennt sie so aus der Türkei nicht, wo man sich wohl gemütlich hinsetzen darf, wenn grad nichts zu tun ist, während man sich hier ja ununterbrochen beschäftigen muss. So war es schon in meiner Zeit bei Karstadt, wo wir uns nicht einmal irgendwo hätten anlehnen dürfen. 

Warten wir's ab ...  

Heute musste ich die gestern fehlenden Medikamente abholen und unterhielt  mich kurz mit der Apothekerin darüber, wie sich der Lungendoc wegen der Inhalate anstellt. Auch sie konnte das überhaupt nicht nachvollziehen, zumal die auch wirklich nicht teuer, aber eben rezeptpflichtig seien. 

Auf dem Weg dorthin blieb ich wieder einmal ratlos vor dem Ladenlokal stehen, in dem einst die  Commerzbank und dann ein arabischer Supermarket residierte.

Schon seit Wochen ist dort alles verlassen. Die breiten Auslagen, auf denen Obst und Gemüse angeboten wurden und die den Bürgersteig so versperren, dass man auf die Straße treten muss, wenn man vorbei will, stehen nach wie vor dort, nur leer, und innen herrscht Dunkelheit und es wirkt chaotisch, so als habe man schnell das Nötigste eingepackt, um damit zu verschwinden, während einige Regale nach wie vor mit Waren bestückt sind.

Wirklich seltsam und vielleicht hatte A. recht, die diesen Laden ja immer mied, weil sie meinte, dort stimme etwas nicht.  Nicht einmal Zitronen durfte ich ihr von dort mitbringen, als sie kürzlich welche benötigte.  

Eigentlich hatte ich ganz früh losgehen wollen, damit ich wieder daheim wäre, bevor die ganz große Hitze wieder einsetzt, doch erst musste ich ja warten, bis die Apotheke um neune öffnete, und dann schoss ich mir bei Netto auch noch selber ins Knie, wenn auch auf sehr nette Weise.

Ich hatte den Wagen schon recht voll, benötigte nun aber noch sechs Flaschen sauren Sprudel sowie Apfelschorle und Eistee Zero für F. und während ich mir die Regale anschaute, bekam ich ein Gespräch mit zwischen einer älteren Dame mit Rollator und einem bärtigen Mann, der ebenfalls mit einem unterwegs war. 

Um Apfelsaft ging es, den beide nicht entdecken konnten, also mischte ich mich ein und empfahl ihnen, doch ganz rechts in der Ecke  zu schauen, wo sie ihn auch fanden.

Der Mann zog seiner Wege, doch mit der Frau kam ich alsbald ins Gespräch, sie erzählte, dass sie hier noch neu sei und sich in dieser Filiale noch gar nicht auskenne.

Ausgerechnet aus dem Stadtteil meiner Kindheit und Jugend ist sie hergezogen, womit wir sofort ein Thema hatten, denn sie lebte 55 Jahre lang auf der gleichen Straße wie wir, sogar beim gleichen Vermieter und schon schwelgten wir in Erinnerungen an die vielen guten Fachgeschäfte, die es dort einst gab, während man heute für den deutschen Bedarf kaum noch Angebot findet.

Ins betreute Wohnen ist sie gezogen, zahlt dort knapp 1300 Euro für eine 50-qm-Wohnung, obwohl sie sich noch komplett allein versorgen kann.

Ich staunte nicht schlecht, als sie mir verriet, dass sie schon 92 ist, wirkte sie doch so viel jünger mit ihren wunderschönen grauen Locken, die sie zu einer niedlichen Frisur hochgesteckt trug, so wie sie überhaupt einen wirklich jugendlichen Eindruck machte. 

Der Rollator, ja, neuerdings habe sie den, sei aber nicht wirklich glücklich, weil er das Bus- und Bahnfahren so erschwere. Sie ist zu unserem Hausarzt gewechselt - ganz lustig, denn im alten Stadtteil war sie ebenfalls bei der Praxis, die meine Familie schon aufsuchte, als ich noch Kind war, wenn auch natürlich die Ärzte inzwischen gewechselt haben, und nun ist sie wieder beim selben wie ich.

Sie habe noch mal in die alte Heimat gemusst, um die Unterlagen für die neue Praxis abzuholen, erzählte sie, und weil die Linie drei teilweise Wagen habe ohne absenkbare Stufen, habe sie ein Taxi vorgezogen, sei aber aus allen Wolken gefallen, als dies ihr für gerade mal 7 Kilometer 30 Euro abknöpfte, und da sei die Rückfahrt ja noch nicht dabei gewesen. 😒

Sie sagte, sie gehe jeden Freitag einkaufen, also werde ich sie nun vielleicht öfter treffen, schön wäre es, denn das war mal wirklich eine tolle Omi. 😊

Mit der anderen tollen alten Dame, nämlich meiner Tante, telefonierte ich gestern, konnte aber gar nicht sehr lange reden, denn seit ca. 2 Wochen hat sich zum mir schon ewig vertrauten Tinnitus ein Rauschen im Kopf hinzugesellt, dass extrem lästig ist und dasTelefonieren tatsächlich so erschwert, dass es keine Freude mehr macht.

Hoffen wir mal, dass es genauso plötzlich wieder verschwinden wird, wie es angeflogen kam. 😉

 

Habt einen schönen Tag und ... bleibt bitte gesund! 😉 

5 Kommentare:

  1. Hallo, liebe Rex-Mama!

    Ich glaube, dass du auch bei "Karstadt" gearbeitet hast, wusste ich nicht. - Aber ich mag es sehr, wo du überall schon Einblicke hattest und diese auch mit uns - deinen Lesern teilst.

    Das Stehe - muss man üben. und da "A" unter 50 ist - sollte sie sich nach einigen Wochen daran gewöhnt haben, es wird trotzdem hin und wieder schwer fallen, denn mehrere Stunden auf den Beinen sein, ist eben kein Zuckerschlecken. - Ich hoffe sehr, ihre Müdigkeit gibt sich bald und ihr sehr euch auch mal wieder live.

    Toll finde ich, dass sie endlich den regelmäßigen Kontakt zu deutschen hat. Ich bin sehr gespannt, wie das ihr weiteres denken beeinflusst.


    Mehr Sorgen macht man sich über das Rauschen und den Tinitus bei dir - hoffentlich verschwindet er wirklich bald - denn damit zu Leben ist ebenfalls alles andere als angenehm.

    Die Omi, die macht auch beim Lesen Freude. - Hoffentlich triffst du sie bald mal wieder, aber ich fand es vorausschauend, dass sie obwohl noch fit ins betreute Wohnen gewechselt ist - vor allem wenn sie alleine ist.


    Liebe - sprudelnde - Grüße
    lifeminder

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    1. Ja, sie hatte das große Glück, es sich gerade so leisten zu können, was ja leider nicht bei jedem der Fall ist.

      A. ist noch nicht einmal 40, aber halt auch nicht sehr belastbar. Man muss es einfach abwarten, wie es weitergeht und ob sie sich daran gewöhnen kann.
      Bei Karstadt machte ich nach dem Abi die Weiterbildung zur Einzelhandelskauffrau und Handelsassistentin, was direkt zum Abteilungsleiter hätte führen sollen, wenn ich dann nicht zu den Schwaben abgehauen wäre. ;)

      Liebe Sprudel-Grüße zurück! :-))

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  2. Das freut mich doch sehr, daß du mit der alten Dame ins Gespräch gekommen bist. Warscheinlich werdet ihr euch öfters treffen. Ich kann mich bei Arthur immer hin setzen, wenn es bei der Postagentur nicht für mich zu tun gibt. Heute kam eine Frau die etwas nach China zurück schicken wollte. Das Porto war 29,99 Euro. Warenwert: 22 Euro. Sei verzichtete auf die Rücksendung. Ja und nächsten Freitag ist Feierabend auch für mich. Mein Bekannter aus dem Elsass fährt Velo Solex und kein Radl.

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    1. Also hast du Arthur in der Postagentur geholfen und nächsten Freitag hört er dort auf?
      Eine Velo Solex hatte ich in meiner Jugend ja auch, leider gibts keine Fotos davon.

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  3. NIEMANDEN, der das machen möchte. Und eine Hauptpost die es früher einmal gab gibts auch nicht mehr, statt dessen wurde ein Ärzthaus daraus. ImmerJa, das ist wirklich so. Aber die Verwaltung findet angeblich hin hat die Stadt etwa 45000 Einwohner. Mein Bekannter hat eine große private Velo Solex Sammlung mit 45 Exemplaren. Dazu gehören auch Sonderexponate wie die von der Post und Roland Garros dem Tennisplatz in Paris.

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