Freitag, 2. Januar 2026

Tag 24

 0:58 Uhr ... gerade auf der Station angerufen, es ist so weit alles o.k. mit F., zum Glück, denn es machte mich von Stunde zu Stunde  unruhiger, dass er seit meinem Weggang  am späten Nachmittag sein Handy nicht ein einziges Mal in die Hand nahm.

Er muss ja gar nix schreiben, zwei blaue Haken würden mir völlig genügen, die mir zeigten, dass er meine Gut-gelandet-Meldung zumindest gesehen hätte, aber wenn so gar nix kommt, seuuufz ... 🙄 

Seit etwa 21 Uhr liege ich nun schon, geistig und körperlich einfach k.o., mal dösend, mal kurz richtig einschlafend, dann wieder hochschreckend, eben waren es mehrere Gewitterdonner, nun gerade Rex, der sein Frühstück verlangt, ständig ist etwas anderes und F. hat sich immer noch nicht gemeldet ... 

8:01 Uhr ... und immer noch nix, und allmählich werde ich sauer.

Gestern war er durchaus in der Lage, in die Tastatur einzutippen, dass er sich wundert, wenn man nachts um zwei beginnt an ihm herumzufummeln, auch die Fingernägel konnte er sich selbst beschnipseln, also muss es ihm verdammt noch mal auch möglich sein, das Handy in 15 Stunden zumindest einmal in die Hand zu nehmen. Er muss es ja nur öffnen, nicht einmal irgendwas daran machen. Wenn ich zwei blaue Haken sehe, bin ich doch völlig zufrieden damit.  

Die Fenster der Intensivstation haben sie derartig mit Milchglasstreifen zugekleistert, dass F. überhaupt  nicht nach draußen sehen kann, von dem Sauwetter bekommt er also gar nichts mit, muss er auch nicht wirklich, denn er soll sich ja nicht auch noch um mich sorgen sollen, aber klarmachen werde ich ihm wohl trotzdem müssen, wie wichtig ein minimales  Lebenszeichen ab und zu für mein Seelenheil ist, denn er ist ja nicht der einzige, der im Moment  durch die Hölle geht ...  🙄

9:49 Uhr ... habe es grad  noch halbwegs trocken zu Rosmman und Aldi geschafft, nun aber schneit es richtig stark ... 


 Und der Mist fängt an liegen zu bleiben, hoffentlich nicht dauerhaft, denn ansonsten wäre das das Aus für  meine Fahrt zu F.

Mit meinen tremorgeplagten Beinen ist die  ganze Umsteigerei eh schon sehr mühsam für mich, und einige  der Treppen und Wege sind selbst bei Nässe schon recht glatt, käme dann noch Schnee hinzu, schaffe ich es unter Umständen nicht mehr, mich sicher auf den Beinen zu halten.

Wie verrückt das ist, denn auch das war einem einst ja völlig  selbstverständlich, aber genau wie bei den Augen muss man offenbar immer mehr Abstriche machen, je älter man wird.

Immerhin hat sich F. grad gemeldet, ganz unschuldig mit "Guten Morgen, meine Eule", des Weiteren teilte er mir mit, nun noch ein wenig schlafen zu wollen. 

Nur Minuten später sieht der Blick aus dem Fenster schon so aus: 


 Und es schneit feste weiter ... 😡

Drei Stunden habe ich nun Zeit, bis ich mich endgültig entscheiden muss. Es würde mir das Herz brechen, F. heute  nicht zu sehen, aber mir womöglich die Knochen zu brechen, das darf ich natürlich auf keinen Fall riskieren.  

 

12:40 Uhr, nun war alles so weit zusammengeschmolzen, dass ich beschloss, mich trauen zu wollen, doch jetzt fängt es erneut heftig an zu schneien ...

Könnte denn bitte nicht mal irgendetwas geschehen, das mir zeigt, dass sich nicht alles auf dieser Welt gegen uns verschworen hat ... *grummel*

Und in den Nachrichten sehe ich im Wetterbericht immer wieder, weite Teile Deutschland haben Schnee, aber am Rhein entlang bleibt es frei davon, weil zu warm. 

Haha, selten so gelacht ... 😡 

Dazwischen immer wieder die Berichte über das schreckliche Feuerunglück in der Schweiz und im Iran gehts auch schon wieder rund, immerhin das alles bekomme  ich nebenher doch noch mit, so fokussiert ich im Moment auf F. bin.  

13:35 ... ich werde es wagen, im Moment hat es etwas nachgelassen, allerdings zeigt mir das Wolkenradar, dass noch ein ganz dunkler Knubbel im Anflug ist, wird wohl genau runterkommen, wenn ich an der Bushaltestelle stehe, aber da muss ich nun durch, würde es nur schwer aushalten, F. heute gar nicht persönlich zu sehen.  

 

18:15 Uhr, ich tat es, aber am Ende wurde es fast zum Survivaltraining.

In dichtem Schneetreiben ging ich rüber zum Bus, stellte mich unter U.s Abstellplatz noch kurz unter, dann ließ es nach und ich konnte einigermaßen trocken einsteigen.

In der U-Bahn dann dies hier:


Mal  ganz was  Neues 😡... und natürlich kam ich deutlich später bei F. an als gedacht.

Heute war wieder  eine meiner Lieblingsschwestern für ihn zustädig, kaum sah sie mich, meinte sie ganz erfreut: "Oh, dann können wir ihm ja wieder die 'feuchte Nase' verpassen, wenn Sie da sind, klappt das ja immer prima." 

Was sich auch bewahrheitete, er atmete wunderbar langsam und tief, hielt die ganze Zeit eine Sauerstoffsättigung von 100%.

Besser gehts nicht, nur müsste er das jetzt 24 Stunden am Stück durchhalten, wobei sicher das Sekret am hinderlichsten ist, das er wegen des Luftröhrenschnittes alleine nicht abhusten kann, sondern das immer wieder abgesaugt werden muss.

Als ich dazukam, lagen seine Füße bloß und man hatte ihn nur mit einem Laken bedeckt, eindeutig zu wenig, aber die Schwester meinte, die Temperatur sei zuvor ein wenig zu hoch gewesen, was  auch gestern schon der Fall war und was ich gern besser abgeklärt wüsste.

Immerhin konnte sie mir aber sagen, dass die Entzündungswerte fallend sind, was ja schon mal ein gutes Zeichen ist. Wäre bei den ganzen Kontrollen der letzten Zeit irgendetwas Auffälliges herausgekommen, wüsste sie auf jeden Fall darüber Bescheid, meinte sie noch, also will ich mal darauf vertrauen, dass das so stimmt.

F.s Nerven muss ich bewundern, denn ich selbst fühlte mich fast wie daheim, wenn er an seinem PC Filme schaut und bei mir nur der Lärm ankommt.

Gestern dachte  ich  noch, der Bettnachbar würde übers Handy Sportberichte verfolgen, heute schnallte ich nun, dass ein recht großes Tablet auf einem Ständer vor sich hat, auf dem er uns heute mit der viel zu lauten Geräuschkulisse irgendwelcher Action-Filmchen traktierte. 

Ich vermute, das Gerät wurde sogar vom KH bereitgestellt, ganz am Anfang erwähnte ein Pfleger mal so was, nur dass die dann offenbar keine Kopfhörer dazuliefern, das finde  ich ein schwaches Bild, denn wie  soll sich der Mitinsasse so erholen können, der ja gar nichts sieht, sondern nur mithören muss?

Tja,  und dann wurde es auf einmal düster vor den leider ja zu einem großen Teil aus Milchglas bestehenden Fenstern, so dass F. gar nicht hinausschauen kann.

Ich dagegen stand vom Stuhl an seinem Bett auf, lugte durch die Ritzen und sah, dass es schneite wie jeck, und zwar nicht von oben nach unten, sondern fast quer von links  nach rechts aufgrund des starken Windes.

Weia, das hörte gar nicht mehr auf, die Wolken blieben dunkel und ein Blick aufs Regenradar verhieß auch nichts Gutes.

Also beschloss ich die Bahn um kurz nach fünf  zu nehmen, denn je kälter es würde, um so mehr von dem Mist würde liegen bleiben.

Der Gang über den großen Parkplatz war sogar recht angenehm, denn überall dort, wo die  Schneedecke noch unangetastet ist, kommt man gut voran, doch da, wo bereits Leute durchgelaufen waren, wurde  es matschig und damit zunehmend glatter.

Was war ich froh, als ich endlich oben war an der Haltestelle, immerhin der Aufzug war ja schneefrei gewesen und hier erkennt man ganz gut, dass von den Massen, die innerhalb von einer Stunde heruntergekommen waren, nur ein Teil liegen blieb, weil der Untergrund zuvor nass war: 


 20 Minuten später war ich in der Stadt und hier wurde es dann fieser, denn die Rolltreppe des Zugangstunnels zur U-Bahn war ausgefallen, also musste ich die lange Treppe hoch, und da der Schnee schräg  genau da hineingefallen war, wurde das wirklich ein schwieriges Unterfangen. Die Stufen waren alle voller Matsch und glatt wie Schmierseife und wenigstens am Geländer festhalten ging auch nicht wirklich, da sich der Schnee über die ganze Länge auf dem Metallrohr auftürmte und mir sofort am Handschuh festklebte.

Irgendwie kam ich heile hoch, aber ... viel Spaß machte das wirklich nicht. 🙄

Daheim präsentierte sich unser Garten so: 


 

 

Für die Nacht sind weitere Schneefälle und auch erneut Gewitter angesagt, es bleibt also sehr spannend, ob und wann ich morgen zu meinem armen F. kann ... 

 

Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉 

4 Kommentare:

  1. Geschneit hat es hier auch, aber später taute alles weg, es gab keine Probleme. Auch nicht als ich mit dem Auto unterwegs war. Wie ich auf deinen Bildern sehe habt ihr deutlich mehr Schnee. Die Aussichten bringen leichten Schneefall. Ich bin mal gespannt was tatsächlich sein wird. Ich freue mich, wenn es bei F. weiter eine positive Entwicklung gibt. Es ist nachvollziehbar, wenn du bei diesem Sauwetter unterwegs bist und dann noch zusätzlich Probleme mit den Öffis zu akzeptieren darfst. Das braucht kein Mensch.

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    1. Hier ist leider alles dick weiß und es ist noch mehr angesagt. :-(

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  2. Hallo, Liebe Rex-Mama!

    Schon wieder so ein emotionaler und auch anstrengender Tag für dich!

    Ich kann total nachvollziehe (verstehen weiß ich nicht – ob man so was verstehen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat?!), wie du dich fühlst.

    Diese ständige Ungewissheit, ob alles gut geht, und dann noch die nervigen Momente, wenn man auf ein kleines Lebenszeichen von “F“. -Aber das du ihm mitteilst das du blaue Haken sehen möchtest, finde ich gut - dass ist ein Hauch vom Alltag.

    Es ist so verständlich, dass du dich so sorgst, vor allem, weil es einem dann manchmal so vorkommt, als würde einfach alles, wirklich alles gegen einen arbeiten (wie das mit dem Schnee und den schwierigen Wegen, die du beschrieben hast).

    Ich finde es bewundernswert, wie du dich trotzdem immer wieder aufraffst, um zu „F“. zu kommen und ihn zu unterstützen. - Deine Sorge und Liebe für ihn berührt.

    Ich hoffe, dass der Schnee bald nachlässt und du „F“ morgen wieder sicherer besuchen kannst.

    Bleib stark und pass gut auch weiterhin auf dich auf – du bist genauso wichtig!

    Man denkt an euch Beide! Oh sorry, das war natürlich murks, man denkt natürlich an euch alle drei!



    Liebe - alles Gute und viel Kraft – Grüße
    lifeminder

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    1. Das ist etwas, lieber lifeminder, über das ich tatsächlich oft nachdenke, wenn ich zu hören bekomme, du hast ja keine Kinder, du kannst da ja gar nicht mitreden.
      Ich denke, mit etwas Phantasie, vor allem aber Einfühlungsvermögen kann man so ziemlich in jede denkbare Sitiation hineinversetzen, daher danke ich dir, dass du es versuchst. 🥰
      Und ja, das Ganze schlaucht mich heftig, vor allem zunehmend auch körperlich, heute Nacht kam Schneegriesel, also Minihagel, das Zeugs friert nun auf dem Boden und für den Lauf den Tages sind noch mal heftige Schneefälle angekündigt.
      Ich muss sehen, ob ich daraus irgendwas machen kann ...


      Liebe "Ja, Kraft könnten wir gerade sehr gebrauchen"-Grüße zurück! :-))

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