Noch ist der 3.1.25, es ist 20:36 und es schneit und schneit ...
Bin gespannt, wie das morgen werden wird, eigentlich hatte ich vor, morgens hinzufahren, da ja die Verbindungen sonntags sehr schlecht sind, seit der Weihnachtsmarkt endete und die Straßenbahnen nicht mehr viertelstündlich fahren.
Hinzu kommt, dass weder App noch die Website über die korrekten Abfahrtzeiten informiert zu sein scheinen, denn an meiner "Lieblingshaltestelle", die sich übrigens genau neben dem Rotlichtbezirk befindet, stehen ganz andere Zeiten auf dem Plan und nach denen fahren die Busse ... leider.
Was bedeutet, dass ich auch morgen wieder fast eine halbe Stunde an diesem lieblichen Ort werde verweilen müssen, wäre mir an sich mittags lieber als abends, aber morgens ist die Besuchszeit nur sehr kurz - letztlich werde ich es wohl vom Wetter abhängig machen, wann genau ich zu F. fahre.
Der sich nun auch noch Sorgen um mich macht und mir eben schrieb, wenn das Wetter wieder so schlecht sein sollte, dann solle ich doch lieber zu Hause bleiben.
Dabei bekommt er dank der Milchglasfenster ja gar nix mit davon, was draußen abgeht - heißt für mich, ich muss mich etwas bedeckter halten mit meiner Jammerei, denn das braucht er ganz sicher nun nicht auch noch, sich Gedanken um meine Sicherheit machen zu müssen ...
23:15 Uhr - die Welt ist sehr leise geworden, denn Petrus hat bis eben runtergeballert, was er zu bieten hatte. Hoffentlich legt er jetzt endlich mal eine Pause ein ...
4.1.25, 8:33 Uhr
Es schneit, natürlich, was denn auch sonst?
Laut Vorhersage und Regenradar soll es später weninger werden, d.h. ich werde erst nachmittags zu F. fahren und dann auf dem Rückweg die halbe Stunde Wartezeit an der Puff-u. Altstadt-Haltestelle im Dunkeln auf mich nehmen.
Für unsere Verhältnisse sind das richtige Schneemassen:
Und nun sind morgen und übermorgen auch noch beide Tonnen mit der Leerung dran.
Trotz Fastfood und Rex' Dosenfutter habe ich es nicht geschafft, die gelbe in vier Wochen auch nur zur Hälfte zu füllen, trotzdem sollte sie aber besser geleert werden, doch nun war die Frage, wie ich sie hinausbekomme?
Die Verrammelung an der Stelle, wo sich eigentlich das neue Gartentor befinden sollte, wenn sich nur jemand fände, der mir beim Montieren helfen könnte, kann ich nicht mal eben öffnen, also muss ich mit den Tonnen einmal quer durchs ganze Haus, sehr schön, wenn sie inkl. der Räder komplett mit Schnee bedeckt sind und ich schon Schwierigkeiten habe, überhaupt hinzukommen, denn um nun auch noch mit dem Schneeschieber loszulegen, dafür fehlt mir eindeutig die Kraft.
Irgendwie habe ich es geschafft, die gelbe steht nun vor dem Haus, und das, ohne dass mir Rex ausgebüxt wäre, während die Haustür offenstand, die graue ist einen Tag später dran, also werde ich mir diesen Spaß dann morgen gönnen.
Gerade lese ich beim Spiegel, dass jeden Tag fünf Bahnmitarbeiter körperlich angegriffen werden, ihnen geht es nicht anders als Polizei und anderen Rettungskräften und nun wundere ich mich auch nicht mehr, dass ich weder im letzten noch in diesem Jahr bei meinen vielen Fahrten jemals kontrolliert wurde.
Ich hätte da auch Schiss und bin übrigens vorgesgestern nur knapp selber einer unschönen Auseinandersetzung entgangen.
In der Bahn hatte ich einen Platz in einer freien Vierergruppe gefunden, doch kurz darauf stiegen drei junge Männer zu und belegten die anderen Sitze - automatisch griff ich in die Manteltasche, zog die Maske hervor und packte sie mir auf die Nase, doch offenbar fühlten sich die Herren dadurch persönlich angegriffen. Ich kassierte böse Blicke und es begann eine erregte Diskussion, zunächst in einer afrikanischen Sprache, doch als einer von ihnen auf Englisch umswitchte, verstand ich, worum es ging, denn sie betrachteten mein Verhalten als Diskriminierung.
Nun sah ich mich bemüßigt, doch mal den Mund aufzumachen, und erklärte ihnen knapp und ebenfalls auf Englisch, dass mir ihre Hautfarbe piepegal sei, und genauso würden das leider Viren sehen, vor denen ich meinen schwerstkranken Mann um jeden Preis der Welt schützen müsse.
Falls sie noch weitere Fragen hätten, dürften sie mich gerne zur Intensivstation begleiten ...
Danach kehrte Ruhe ein, aber besonders angenehm war die Situation nicht gewesen.
Oh, wie schade ... 10:39 Uhr und ich hatte so gehofft, dass F. nun dauerhaft mit der "feuchten Nase" klarkäme, doch als ich gerade anrief, berichtete mir die Schwester, dass sie ihn soeben wieder umgestöpselt habe auf Beatmung, denn nachdem er es nun fast zwei ganze Tage lang aushielt, habe er sich doch ein wenig erschöpft gehabt. 😢
Ich solle mir aber keine Sorgen machen, das sei normal und später würde sie das wieder austauschen.
Also bin ich sehr gespannt, wie es um 15 Uhr aussieht, wenn ich hoffentlich dort sein werde.
Und was mir nun gerade auch noch kommt - ich habe es tatsächlich vermasselt, im letzten Quartal meinen Vorrat an Hormonsalbe so aufzustocken, dass ich mir keine Sorgen machen muss, dass sie mir ausgehen könnte.
Die Praxis der Frauenärztin befindet sich ja in einem Haus mit F.s Lungenfacharzt und da er dort in der Woche vor Weihnachten eh noch einen Termin hatte, dachte ich mir ganz clever, ich erspare mir den weiten Fußweg und springen dann kurz nach oben, wenn ich eh mit ihm hinmuss, um mir mein Rezept zu holen.
Tja, daraus wurde dann ja nix, dieses Haus befindet sich direkt gegenüber des Krankenhauses, in dem er zunächst landete, und als ich dort dann seinen Termin absagte, stellte ich fest, dass die Frauenärztin in dieser Woche Urlaub machte. Gut, dann eben in der nächsten, doch auch daraus wurde nicht, weil F. verlegt wurde.
Natürlich könnte ich das mit dem Rezept nun nachholen, aber da sie die Salbe nur einmal pro Quartal verschreiben darf, ist mir eine Tube schlicht und ergreifend durch die Lappen gegangen und fortan werde ich sehr aufpassen müssen, dass ich nicht zu viel verbrauche, am Ende ohne dastehe und die Schmerzen noch stärker als sonst ertragen muss. 🙄
18:55 ... wieder zu Hause nach einer kleinen Odyssee.
Just als ich losmusste, begann es wieder leicht zu schneien, trotzdem ging mit dem Bus alles gut, doch als ich runterkam zur U-Bahn, sah ich dort die Anzeige, wegen einer Betriebsstörung würde die U79 gar nicht fahren, man solle zum Tiefbahnsteig und die 903 nehmen, aber nur für eine Haltestelle, ab dort gäbe es dann Schienenersatzverkehr.
Der Bus fuhr dort dann auch zügig vor, allerdings erklärte uns der Busfahrer, dass er nicht etwa die ganze Strecke fahren würde, sondern nur bis zu einem bestimmten Punkt, ab dort ginge es dann doch noch mit der U79 weiter. Und leider dürfe er nicht sofort losfahren, sondern müsse noch eine weitere 903 abwarten, weshalb er jetzt draußen eine rauchen ginge.
Ha, da schloss ich mich ihm kurzerhand an und so kamen wir in ein sehr nettes Gespräch. Er sitzt eigentlich seit Jahren am Schreibtisch, hatte sich kurzerhand bereit erklärt, für diesen Sonderbus einzuspringen, aber nun sei er total aufgeregt, ob er den Weg überhaupt noch finden würde. 🤣
Er erzählte mir auch, dass die Ursache ein Gleisbruch war und als wir dann endlich unterwegs waren - ich saß direkt schräg hinter ihm, wies er auf die Arbeiten hin, die in vollem Gange waren.
"Jou", sagte ich, "sie sind emsig am Schweißen, auch kein schöner Sonntag für die Arbeiter, und das bei dieser Kälte."
Wir waren uns einig, dass reichlich Menschen von diesem Gleisbruch betroffen waren, und es ist wirklich erstaunlich, wie viel es ausmacht, wenn man genauer über die Ursachen solcher Ausfälle informiert ist. Lese ich nur von einer Betriebsstörung, werde ich ganz schnell sauer, so allerdings konnte ich wesentlich gelassener damit umgehen. Es konnte ja keiner was dafür und jede Menge Leute bemühten sich nach Kräften, das wieder hinzubekommen.
Nach seiner Info sollte es an dem Punkt, wo alle Passagiere in die Bahn wechseln mussten, zügig weitergehen, doch auf dem Hochbahnhof angekommen sah ich diese Anzeige:
Ach du je, das nannten die zügig, wenn wir alle nun länger als eine halbe Stunde im beißend kalten Wind ausharren sollten? 😮
Ich hatte mich mit dem Fahrer unterwegs weiter unterhalten und ihn gefragt, ob ich richtig liege, dass die von Düsseldorf kommenden Bahnen alle nur bis zum Betriebshof fahren, um dort dann kehrtzumachen?
Ja klar, genauso lief es und das ließ mich hoffen, dass da eigentlich genügend Bahnen auf Halde stehen müssten inzwischen, es also vielleicht doch schneller ginge als auf der Tafel angekündigt.
So war es dann auch, trotzdem war ich mehr als froh, als ich endlich am KH ankam, denn dieses viele Umsteigen war doch ganz schön mühsam.
Natürlich hatte ich ihn auch gefragt, ob ein Ende absehbar wäre. Die hätten von 17 bis 18 Uhr gesprochen, meinte er, dann müsse noch eine Probefahrt gemacht werden, bevor alles wieder normal laufen könne.
Na, Mahlzeit, das könnte ja noch lustig werden auf dem Rückweg, aber erst einmal stand jetzt natürlich F. an.
Der inzwischen längst wieder an der "feuchten Nase" hing, Gott sei Dank. Er habe sich nach fast zwei Tagen dann eben doch mal etwas erschöpft gehabt, erklärte mir die Schwester, aber nach nur zwei Stunden habe sie ihn bereits wieder umstöpseln können, d.h. nun atmet er wieder komplett allein.
Hoffentlich dauerhaft, denn allmählich geht ihm das Ganze zunehmend auf den Geist. Mehrmals wollte er mir etwas sagen, jedes Mal gab ich ihm mein Handy,damit er Stichworte eintippen konnte, aber das ist natürlich sehr mühsam für ihn und als ich es dann wieder einmal nicht schaffte, ihm die Worte von den Lippen abzulesen, schlug er richtig wütend auf die Bettdecke ein, also wütend auf die Situation, nicht etwa auf mich.
Ein gutes Zeichen, finde ich, wenn er zu so viel Emotionen inzwischen wieder fähig ist ... 🥰
Was offenbar auch Petrus erfreute, denn zwischen den blickdichten Streifen auf F.s Fenstern präsentierte er uns diesen Sonnenuntergang:
Auf dem Rückweg empfing mich diese Anzeige:
Die ich so interpretierte, dass sie das Gleis inzwischen geflickt hatten und es nun nur noch etwas dauern würde, bis die Bahnen zurück in ihrem Rhythmus wären, was dann auch so war.
Irgendwann kam eine und nachdem ich dann noch an meiner "Lieblingshaltestelle" 25 Minuten in der dunklen Kälte ausgeharrt hatte, kam ein Bus und fuhr mich flugs nach Hause.
Wo mich diese WhatsApp-Nachricht von F. empfing: "Werde auch erst ruhig sein wenn du Zuhause bist."
Sofort gab ich Entwarnung, aber offensichtlich übermannte ihn dann doch der Schlaf, denn gesehen hat er es noch nicht. Vielleicht später ...
So, und nun sollte ich eine Kleinigkeit essen und dann schon alles für die Monteure morgen vorbereiten.
Habt einen schönen Abend und ... bleibt bitte gesund! 😉



